Ein US-Film, den ein Horner drehte. Severin Fiala erzählt mit Regie-Partnerin Veronika Franz im Stadtkino, wie sie ihren Psychothriller in Amerika verwirklichten.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 14. Februar 2020 (17:53)
Stadtkino-Betreiber Winfrid und Silvia Meingast freuten sich über die Ehrengäste Severin Fiala und Veronika Franz. Weitere „The Lodge“-Spielzeiten: 14. & 15. Februar, 19. & 20. Februar, jeweils um 20 Uhr.
Karin Widhalm

Ein Psychothriller mit einer Patchwork-Familie, die in einer Waldhütte zur Einheit werden soll – und fürchterlich daran scheitert: „Was sie eint, ist, dass sie ein Trauma haben, über das sie nicht offen reden“, beschreibt Severin Fiala seinen in den USA und Kanada gedrehten Film „The Lodge“. Der Horner war gestern (13. Februar) mit Regie-Partnerin Veronika Franz zum Filmgespräch im Stadtkino geladen.

Los Angeles, New York, jetzt Horn: Die Stationen des Duos sind international geworden, nachdem sie mit „Ich seh, Ich seh“ im Grusel-Genre Fuß gefasst hatten. „Wir sagen vor dem Film nicht viel, außer ’Tschuldigung“, lächelt Fiala und schon beginnt die Leinwand zu flimmern. „The Lodge“ lässt Zuseher zusammenzucken und hat unvorhersehbare Wendungen.

 „Sie bringen immer etwas ein, womit man nicht rechnet. Sie sind unmittelbar, spontan, direkt und ehrlich.“

Veronika Franz über die Arbeit mit Kindern 

Der Glaube spielt eine Rolle: Warum aber das Christentum? „Uns geht es um Extremismus, wenn sie zu weit getrieben wird“, erklärt Fiala. „Es ist schon so, dass man versucht, das zu erzählen, was man kennt“, ergänzt Franz, die mit dem Horner Ulrich Seidl verheiratet ist. Wer denn von den beiden gut mit Kindern umgehen kann? Die Frage kam einem Kinobesucher in den Sinn, als er die US-Jungschauspieler Lia McHugh (12) und Jaeden Martell (17) sah. Die Geschwister erleben schreckliches – im Film.

"Das Unvorhergesehene macht Film lebendig"

„Sie müssen Vertrauen zu dir haben, ohne dass sie einen Schaden nehmen“, sagt Fiala, dass Rücksicht aufs Alter genommen wird. „Sie bringen immer etwas ein, womit man nicht rechnet. Sie sind unmittelbar, spontan, direkt und ehrlich“ gefällt Franz die Arbeit mit ihnen. „Genau das Unvorhergesehene ist etwas, was den Film lebendig macht“, findet Fiala. Und das sei genau das, wovor Hollywood-Produzenten Angst haben.

Überhaupt sei die Arbeit „drüben“ anders. „Kanada ist eine völlige Filmindustrie“, könne Hollywood dort günstig produzieren. Eine starke Gewerkschaft achte streng auf die Nichtausbeutung der Mitarbeiter. So habe Hauptdarstellerin Riley Keough, die Enkelin von Elvis Presley, in Asche blasen müssen. „Wir wurden dazu angehalten, falsche Asche zu verwenden“, schildert Franz. Keough habe eingewendet, dass sie eh rauche. Aber da sei es auch um die Gesundheit des Teams gegangen. „Sie lieben, die vielen Regeln einzuhalten.“ Franz nennt Kanada daher „die Schweiz von Amerika“.

Dafür sei es absolut kein Problem, eine Stuntwoman für eine Szene auf eisbedecktem See aufzutreiben, fügt Fiala hinzu. Franz’ Resüme: „Manche Dinge sind schlechter, anderes besser.“

Die zwölfjährige McHugh darf nach „The Lodge“ Superheldin in einer Marvel-Verfilmung sein. „Worauf wir sehr stolz sind“, sagt Franz. Hätte das Regie-Duo auf die Produzenten gehört, wäre sie nicht engagiert worden. Letztere setzten auf das Aussehen einer anderen Kandidatin, Fiala und Franz auf die stimmige Chemie zwischen „Schwester“ und „Bruder“.

Nächster Drehort des Regie-Duos wird das Wald- und Mühlviertel sein. „Des Teufels Bad“ basiert auf eine historische Begebenheit, nämlich Kindsmord. Fiala, der früher viel Zeit im Horner Stadtkino oder in der Videothek verbrachte, ist per Zufall auf die Story gestoßen, „in Horn nämlich, im Poststüberl.“