Angeschossener Uhu konnte nicht mehr gerettet werden . Es war kein Zusammenstoß mit einem Zug! Das ergab die Obduktion eines Uhus, der nahe Gars bei den Geleisen der Kamptalbahn gefunden wurde. Dabei wurde festgestellt, dass sich im Körper des Tieres sieben Schrotkugeln befanden. Trotz umsichtiger Pflege ist der Uhu nun seinen schweren inneren Verletzungen erlegen

Von Rupert Kornell. Update am 20. November 2020 (09:57)
Der Uhu (Bubo bubo) ist die größte Eulenart der Welt. Das Kamptal beherbergt eines der wichtigsten Vorkommen des Uhus in Österreich und ist daher auch als Vogelschutzgebiet ausgewiesen.
Johannes Hohenegger

Bereits am 30. August fand ein aufmerksamer Spaziergänger einen flugunfähigen Uhu neben den Geleisen der Kamptalbahn südlich von Gars. Vermutet wurde eine Kollision mit einem Zug. Die umgehend verständigte Tierrettung Waldviertel barg das schwer verletzte Tier und brachte es in die Eulen- und Greifvogelstation Haringsee. Dort verstarb es an seinen schweren inneren Verletzungen. Die Obduktion an der Veterinärmedizinischen Universität Wien zeigt nun: Auf den Uhu wurde zweimal geschossen! Die Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich erstattete Anzeige, die Polizei ermittelt.

Obduktion zeigte auf: Sieben Schrotkugeln!

„Die Verletzungen des Uhus waren so schwerwiegend, dass ein Flügel amputiert werden musste“, berichtet Greifvogelexperte Johannes Hohenegger von BirdLife Österreich. „Trotz intensiver Pflege in der von ,Vier Pfoten‘ geführten Eulen- und Greifvogelstation erlag das Tier seinen inneren Verletzungen“, so der Experte.

Erst durch eine Obduktion zeigte sich, was die tatsächliche Ursache für die Verletzungen war: An der Herzbasis und in der Bauchhöhle wurde je eine Schrotkugel gefunden. Fünf weitere Schrotkugeln, die vom umliegenden Gewebe teilweise bereits abgekapselt waren, offenbarten sich durch ein Röntgen.

„Diese Untersuchung belegt, dass der Uhu in seinem Leben zumindest zweimal beschossen wurde“, fasst Hohenegger die drastischen Ergebnisse zusammen. „Ob die Flügelverletzung direkt vom Beschuss herrührt oder das Tier aufgrund der schweren Schussverletzung mit einem Hindernis kollidierte, lässt sich aufgrund der Amputation nicht mehr feststellen. Klar ist aber, dass wieder einer streng geschützten Vogelart sogar mehrfach nachgestellt wurde und das Tier an den Folgen verstarb.“ Zusätzlich schockierend sei es, dass ein langsames, schmerzvolles Verenden durch einen unsauberen Schuss ebenso in Kauf genommen wurde.