Sommer war „besser als gedacht“. Nach düsteren Prognosen verlief die Saison im Bezirk Horn für viele Hotels zufriedenstellend.

Von Sebastian Dangl und Rupert Kornell. Erstellt am 16. September 2020 (04:35)
Eduard Reininger

Die meisten Hotels und Gastronomiebetriebe dürfen nach einem guten Sommer aufatmen. Viele befürchteten, dass die Hauptsaison katastrophal werden würde, was aber letztlich nicht eintraf. Im Gegenteil: Manche sprechen von einem Plus zum Vorjahr. Der Rückstand nach dem Lockdown sei trotzdem nicht ausgleichbar gewesen.

„Wir hatten im Schnitt auf das gesamte Jahr gerechnet nur 50 Prozent der üblichen Buchungen“, berichtet Johannes Schneider vom Campus Horn. Der August sei nicht schlecht gewesen, doch die gemischten Gefühle halten weiter an. „Der sehr magere Veranstaltungskalender entwickelte sich zu einem Problem für uns“, meint Schneider. Gerade das Allegro Vivo-Festival wäre immer ein Kundengarant gewesen.

„Wir waren schon sehr pessimistisch eingestellt, doch unsere Erwartungen wurden übertroffen.“Victoria Blie, Betreiberin des Hotels Blie in Horn

Dieses findet im Coronajahr jedoch nur in „geschrumpfter Version“ statt. „Normalerweise verzeichnen wir im August allein über 2.000 Nächtigungen. Momentan sind wir gerade mal bei einem Viertel davon.“ Die Prognose für die nahe Zukunft sehe nicht viel besser aus. Erst vor Kurzem sei eine größere Stornowelle von Reisegruppen hereingekommen. „Die Verunsicherung bei den Veranstaltern und Vereinen steigt wieder“, meint Schneider.

Etwas besser verlief der Sommer für das Schloss Drosendorf. „Heuer war ganz besonders. Wir hatten eigentlich kaum Zimmer frei“, berichtet Brigitte Häckel. Vor allem mehr Familien mit Kindern als sonst wären gekommen. Schon zu Pfingsten sei das Geschäft wieder in gewohnten Bahnen gewesen.

Sommer ist aber kein Ausgleich zum Frühjahr

Im August hatte das Schloss Drosendorf 1.200 Nächtigungen zu verzeichnen – etwa 150 mehr als im Vorjahr. Auf das gesamte Jahr gerechnet fehlten im Vergleich trotzdem um die 1.000 Buchungen. „Im Frühjahr hätten wir viele Schülergruppen gehabt, das wäre nicht aufholbar gewesen“, erklärt Häckel. Trotzdem hätte der Sommer etwas über die Verluste hinwegtrösten können. Auch wenn die Schülergruppen im Herbst weiter ausbleiben werden, ist man positiv gestimmt: „Wir sind an allen Wochenenden bereits ausgebucht.“

Recht zufrieden blickt Victoria Blie vom Hotel Blie zurück: „Wir waren schon sehr pessimistisch eingestellt, doch unsere Erwartungen wurden übertroffen.“ Gerade bei den Geschäftsreisenden würde man keine Unterschiede merken. Im Juli wären die Buchungen im höheren dreistelligen Bereich gewesen. „Man kann von einem schwachen regulären Sommer sprechen“, meint Blie. „Die Gruppenreisen fehlen uns trotzdem.“

Für den Herbst herrscht noch Nervosität. Große Veranstaltungen, die immer als Kundenmagnete fungierten, wie das Erdäpfelfest in Geras, wurden abgesagt. „Wenn wir am Ende des Jahres die Hälfte der gewohnten Zahlen erreichen, sind wir schon zufrieden“, betont Blie.

Zufrieden ist auch der Geschäftsführer des Öhlknecht-hofs, Nikolaus Henkel: „Wir waren beinahe bei 100 Prozent Auslastung.“ Die vielen Radfahrer würden über die fehlenden Veranstaltungen und den Verlust des Frühjahrs hinwegtrösten. Bei einem der Hauptzweige des Hotels, dem Businesstourismus, sei das Geschäft allerdings noch nicht so recht in Fahrt. „In diesem Bereich sind wir von den gewohnten Zahlen sicher noch 50 Prozent entfernt.“

Wider alle Erwartungen gut ist die Sommersaison in Gars verlaufen, das Smart Hotel und das Frauen-Gesundheitsresort la pura zählten zu den Gewinnern, aber auch etliche andere Vermieter konnten ein Plus verzeichnen. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Elisabeth Rühl, Marketingleiterin im la pura. „Der Sommer war sehr fein, aber Zahlen gibt die VAMED nicht bekannt.“ Die Gäste kamen nicht nur aus Wien und Niederösterreich, sondern „wirklich aus ganz Österreich“.

Eklatant gesunken sind allerdings die Nächtigungszahlen bei den Pfadfindern, weil kaum andere Gruppen, wie sonst üblich, den Weg nach Gars fanden. Sanken die Zahlen im Juli um etwa 500 (von 7.171 auf 6.668), war im August eine – wenn auch geringfügige – Steigerung von 7.186 auf 7.206 Nächtigungen festzustellen. So kann Thomas Singer als Resortverantwortlicher der Gemeinde für den Bereich Tourismus auch einigermaßen zufrieden feststellen: „Der Sommer hat sich gut entwickelt, vor allem der August. Die Monate des Lockdowns waren natürlich nicht mehr aufzuholen.“

Für die Entwicklung im Herbst ist er optimistisch, weil sich Gars und das Kamptal für Wanderer und Radler hervorragend eignet. „Aber das Wetter spielt selbstverständlich auch eine Rolle.“

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