Zweitwohnsitz in Gars: „Kein Problem!“

Garser Bürgermeister stellt sich gegen die Absicht, Zweitwohnsitzer das Wahlrecht zu entziehen und mehr Abgaben zu verlangen.

Erstellt am 26. November 2021 | 07:14
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Bürgermeister Martin Falk: „Zweitwohnsitzer haben bei uns eine lange Tradition, sind fest in der Gemeinde verankert.“
Foto: Rupert Kornell

„Mit dem Bau der Franz-Josefs-Bahn vor etwas über 150 Jahren hat der Aufschwung von Gars als Tourismusgemeinde begonnen, kamen vor allem die Wiener als Sommerfrischler nach Gars. In der ganzen Zeit hat es kaum ein Problem mit den Zweitwohnsitzern gegeben, die haben bei uns Tradition“, hält Bürgermeister Martin Falk nichts von einer Debatte über zusätzliche Abgaben bzw. Entzug des Wahlrechts auf Gemeinde- und Landesebene.

Diese Debatte hat ein gemeinsames Schreiben des ÖVP-Gemeindebundes und des SPÖ-Gemeindevertreterverbandes ausgelöst, die ein Ende des Wahlrechts und die Einhebung von Abgaben fordern.

Zweitwohnsitzer spielen von der Bevölkerungszahl her eine besondere Rolle in Gars, denn von den 4.595 Einwohnern (Stichtag 16. November, Statistik Austria), gibt es davon 1.410, was fast 30 Prozent bedeutet. Das ist der zweithöchste Anteil im Bezirk nach Drosendorf (779 von 1180, 66 Prozent).

In das gesellschaftliche Leben bestens integriert

Falk hebt aber auch ihre Rolle im gesellschaftlichen Leben der Marktgemeinde hervor: „Sie bringen sich in verschiedensten Bereichen ein, nehmen oft führende Rollen bei Vereinen ein, wenn ich etwa an den Tennisclub oder den Jagdverein denke. Und sie sind immer wieder bei den Veranstaltungen, auch auf der Burg, dabei.“ Auch politisch spielen sie natürlich eine Rolle, ihre Zahl entspricht vier bis fünf Mandaten.

Falk: „Abgaben sind kein wirklicher Aufreger“

Der Großteil der Zweitwohnsitzer (Falk: „Gefühlte 80 Prozent.“) haben eine Wohnung oder ein Haus in Gars und bezahlen Abgaben für Kanal und Wasser. „Manchmal regt sich Kritik, dass man nur zwei, drei Monate hier verbringe, jedoch für zwölf zahlt. Aber ein wirklicher ,Aufreger‘ ist das nicht.“ Er sieht die Gefahr bei einer weiteren Besteuerung, wie sie gefordert wird, dass sich die Leute wieder ab- bzw. nicht anmelden, wobei sich die Frage der Kontrolle stelle.

Sein Wunsch: „Die Zweitwohnsitzer müssen bei der Bedarfszuweisung (Finanzhilfen des Landes bei Projekten, Anm. d. Red.) berücksichtigt werden. Wir bekommen Geld für die knapp 3.200 Leute, aber zugute kommt es allen 4.595. Das ist eine Diskrepanz, die ich nicht nachvollziehen kann.“ Falk spricht von rund 200.000 Euro vom Land im Schnitt jährlich, mit Einbeziehung der Zweitwohnsitzer schätzt er die Summe auf etwa 270.000 Euro

Ein Ende des Wahlrechts und eigene Abgaben sind für ihn nicht vorstellbar und auch nicht umzusetzen, eher noch „entweder zahlen und wählen oder wählen und keine weiteren Abgaben“.