Wenn die Luft für Waldviertler Vereine dünn wird. In zehn Jahren brachen im Waldviertel 17 Fußballklubs weg. Ein Teufelskreis, aber die Lage entspannt sich.

Von Maximilian Köpf. Erstellt am 24. Juli 2019 (04:51)
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Gemeinsam bergauf. Bereits 2008 taten sich SC Nagelberg und ATSV Brand zur SG Brand/Nagelberg zusammen. Im Juni feierte man bereits den zweiten gemeinsamen Meistertitel. Am Bild: Kapitän Marcel Schindl (rechts) beim Duell gegen Martinsberg (Jan Fragner).
Maximilian Köpf

„Was das Waldviertel schon seit etlichen Jahren vor Probleme stellt, das schlägt sich jetzt auf ganz Niederösterreich nieder.“ Werner Vogl, Obmann der Fußball-Hauptgruppe Waldviertel, beobachtet den W4-Fußball seit vielen Jahren. Demographischer Wandel, aber auch geändertes Freizeitverhalten belasten die Fußballvereine schon lange. Vor vielen Jahren mussten deshalb bereits die ersten Vereine wegen Spieler- und/oder Funktionärsmangels aufgeben.

Innerhalb von zehn Jahren schrumpfte die Zahl der an Meisterschaften teilnehmenden Vereine in den vier Waldviertler Bezirken von 80 auf 63. Erst vor wenigen Wochen erwischte es die Horner Klubs Breiteneich (aufgelöst) bzw. Roggendorf und Kleinmeiseldorf (in Spielgemeinschaften mit Röschitz bzw. Sigmundsherberg).

Auf das gesamte Waldviertel gesehen kam der Exodus immer in Wellen. Vor drei bzw. fünf Jahren ging es mit Harbach und Langschwarza, wo Johann Ableidinger am Ende Obmann, Sektionsleiter, Platzwart und vieles mehr in Personalunion war, los. „Für mich bricht eine Welt zusammen“, sagte er im Juni 2016, als er den Verein vom Spielbetrieb abmelden musste, zur NÖN. „Aber es geht so einfach nicht mehr.“

 Spielgemeinschaften seit Jahren im Trend

 Eineinhalb Jahre davor ließ der UFCN Harbach die Rollläden herunter. „Es hat keinen Sinn, den Spielbetrieb wegen drei Harbachern aufrechtzuerhalten“, sagte Obmann-Stellvertreter Andreas Moser damals.

Das sind zwei Musterbeispiele für die Probleme der Waldviertler Vereine, könnten so auf praktisch jeden Fall der vergangenen Jahre umgelegt werden. Die gibt‘s bis auf Waidhofen in jedem Bezirk. Pölla (Bezirk Zwettl) gingen die Spieler ebenso wie Breiteneich (Bezirk Horn) aus. Letzterer zog erst vor wenigen Wochen die Notbremse.

Brachliegende, von Pflanzen überwucherte Fußballplätze wie in anderen Regionen prägen im Waldviertel (noch) nicht das Bild. Einerseits bleibt oft ein Nachwuchsklub oder zumindest der Sportplatz zum Kicken für die Dorfkinder erhalten. Andererseits gründet man hier eher Spielgemeinschaften mit Nachbarklubs, als wirklich aufzugeben. Die Zahl der Spielgemeinschaften geht seit Jahren nach oben. Waren die SG Eibenstein/ Dietmanns (nur in der Saison 2001/02) oder die SG Haie/Hoheneich (2004/05, Fusion im Jahr darauf) noch eher Exoten, folgten später Brand/Nagelberg (2008), Ottenschlag/Sallingberg (2015), Allentsteig/Göpfritz (2018) – und jetzt erst Röschitz/Roggendorf und Sigmundsherberg/Kleinmeiseldorf.

Den NÖ-Fußball sieht Vogl erst am Anfang einer Bereinigung, das Waldviertel hingegen auf einem guten Weg: „Wir sind schon einen Schritt weiter. Viele Vereine haben Lehren gezogen. Im Waldviertel sind wir mittlerweile bei einem verträglichen Maß an Vereinen angelangt.“

Lösungen, diese Abwärtsspirale zu stoppen, gebe es aber kaum. Man muss sie passieren lassen. „Der Amateurfußball ist in einem Teufelskreis. Ohne Bezahlspieler geht fast nichts mehr. Diesen Trend umzukehren, ist für einen Verein allein aber praktisch unmöglich“, so Vogl. „Der Amateurfußball hat ein bissl seinen Charme verloren. So ehrlich muss man sein.“

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