Wieder Windkraft-Disput in Irnfritz und Japons. Repowering-Projekt der EVN weiter im Visier von Bürgerinitiativen. EVN: Erfüllen alle Kriterien.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 26. November 2020 (05:11)
Machten ihren Unmut über die Repowering-Pläne im Windpark Japons kund: Manfred Maier, Walter Rohrmoser, Angela Pamperl und Alfred Schmudermayer (vorne, von links) mit weiteren Aktivisten.
Pro Thayatal

Weiter heftigen Widerstand gegen die Errichtung dreier leistungsstarker Windräder im Windpark Japons leisten einige Anrainer aus den Gemeinden Irnfritz-Messern und Japons.

Zuletzt machten sie ihren Unmut über das von der EVN geplante „Repowering“ der Anlage – bisher stehen sieben Windräder in diesem Windpark – bei einer amtlichen Verhandlung über die Genehmigung zur Errichtung der neuen, höheren und leistungsstärkeren Windrädern in Irnfritz kund.

Die EVN naturkraft GesmbH hatte zuvor alle erforderlichen Pläne und Gutachten für dieses Projekt eingereicht. Bei diesem Projekt sollen anstelle der bisherigen sieben Windräder mit einer Höhe von 140 Meter drei Windräder mit einer Höhe von über 240 Meter errichtet werden.

„Nicht dagegen, aber ...“

Grundsätzlich sei Repowering zu begrüßen, erklärt der Japonser Alfred Schmudermayer. Durch schrittweises Erneuern der bisherigen Windkraftanlagen in Österreich könnten die Ausbauziele erreicht werden, da die neuen Windkraftanlagen um das doppelte bis dreifache mehr Ökostrom produzieren. Das Repowering in Japons müsse freilich genauer betrachtet werden: „Im Umfeld der Windkraftanlagen leben streng geschützte Greifvogelarten“, sagt Schmudermayer.

Daher sei das Gebiet um den Windpark Japons in der Zonierung 2014 von BirdLife zur Ausschlusszone erklärt worden, inder keine Windräder gebaut werden dürfen, so Schmudermayer. Die Fläche, auf der die Windräder stehen, wurde als Vorbehaltszone deklariert. Das bedeutet, hier müsse bei einem neuen Bauvorhaben die Tierwelt genaustens untersucht werden.

„Die vorgeschriebenen Ausgleichsmaßnahmen zum Schutz der bedrohten Tiere wurden nicht auf ihre Wirksamkeit überprüft“, kritisiert die Umweltorganisation Pro Thayatal. Wenn der Windpark Japons schon 2005 nicht genehmigt werden hätte dürfen, so darf 2020 nicht noch einmal der gleiche Fehler gemacht werden, so das Fazit der Umweltschützer.

EVN: Projekt in Windkraftzone

Beim Argument der Zonierung beziehen sich die Bürgerinitiativen laut EVN-Pressesprecher Stefan Zach auf das „Sektorale Raumordnungsprogramm“, bei der das Land NÖ vor einigen Jahren festgelegt hat, wo es in NÖ zulässig ist, Grundstücke für Windkraft zu widmen und wo nicht. „Selbstverständlich liegt das Projekt Japons Repowering in einer solchen Windkraftzone“, sagt Zach.

Allerdings beziehe sich ein solches Raumordnungsprogramm nur auf die Grundstücke und deren Widmung. Also gehe es immer nur um das Fundament der Anlagen, nicht aber um die „Luft“ darüber.

„Womit die Gegner recht haben: Es ragen Teile der Rotoren über die gewidmete Fläche hinaus – das tun sie im Übrigen bei praktisch allen Windkraftanlagen“, meint Zach. Für die „Zulässigkeit“ im Sinne der Zonierung spiele das aber keine Rolle. Das habe das Land NÖ auch schon im Jahre 2015/16 als der Widmungsprozess für das ursprüngliche Projekte (vier Anlagen) stattgefunden hat, festgestellt, so der EVN-Sprecher.

Frage nach Liste mit gesundheitsgefährdenden Stoffen

Weiters kritisieren die Gegner des Projekts, dass bei der Verhandlung nach einer Liste der gesundheitsgefährdenden Stoffe in der Windkraftanlage und ihre vorgesehene Entsorgung gefragt worden sei. Walter Rohrmoser wies auf die Gefährlichkeit der Stoffe hin und befürchtete einen sorglosen Umgang damit.

Doch die Behörde könne den Projektwerbern erlauben, nicht alle im Gesetz vorgeschriebenen Unterlagen vorlegen zu müssen. Dieses und andere „freie Ermessen“ seien zugunsten der EVN genutzt worden. Das sei eine „Fehleinschätzung“ der Bürgerinitiative, entgegnet Zach.

Natürlich kenne man die „gesundheitsgefährdenden Stoffe“ in den Anlagen und auch deren „ordnungsgemäße Entsorgungswege“. „Sie stehen in Listen, die der Windkraftanlagen Hersteller Vestas ohnehin für jede Windkraftanlage erstellen muss, weil er diese Liste für die Zertifizierung der Anlage in der EU benötigt“, sagt Zach, der eine solche Liste auch an die NÖN übermittelte.

Schallreduzierter Betrieb nötig?

Kritisiert wird auch, dass es im bestehenden Projekt eine Vorschreibung zu schallreduziertem Betrieb gebe. Dies sei bei den neugeplanten Anlagen aber nicht vorgesehen. Auch diesen Vorwurf kontert Zach, alle modernen Windkraftanlagen hätten solche „Betriebsmodi“, die von der Behörde vorgeschrieben werden, wenn die Anlagen bei bestimmten Windbedingungen die strengen gesetzlichen Schallgrenzen überschreiten würden.

Die Anlagen werden dann so programmiert, dass sie sich zu diesen Zeitpunkten automatisch in einen „schallreduzierten Modus“ bringen. „Dieser Modus bewirkt aber auch eine geringere Produktion von Ökostrom. Beim bereits genehmigten Windpark mit ursprünglich vier geplanten Anlagen wurde eine solche Reduktion vorgeschrieben. Dass dies jetzt nicht mehr der Fall ist, beweist das, was uns die Bürgerinitiativen nicht glauben wollen: Durch die Reduktion auf drei Anlagen sinken die Schalleffekte derart, dass eine Reduktion nicht mehr nötig ist“, sagt Zach.

Japons ein Musterpark?

Aus Sicht Zachs erstaunlich: Die EVN beobachte die Bemühungen der Waldviertler Bürgerinitiativen, jeden Windpark im Waldviertel zu verhindern, seit Jahren mit großem Interesse. „Beim Repowering in Japons finden wir sie besonders spannend, weil dieses Projekt praktisch alles erfüllt, was wir bisher von den Gegnern an Kriterien für einen ,guten Windpark‘ gehört haben“, meint Zach.

So reduziere das Projekt die Anzahl der Windräder von sieben auf drei. Damit werden der optische Eindruck durch weniger Windräder und darüber hinaus langsamer drehender Rotoren ebenso wie die Schallauswirkungen und die naturschutzrechtlichen Auswirkungen verbessert. Gleichzeitig werde die Erzeugung von ökologischem Strom beinahe verdoppelt. „Das schaffen wir durch den – auch von den Bürgerinitiativen eingeforderten – Einsatz der modernsten Windkrafttechnologie“, so Zach.