Erstellt am 23. September 2013, 22:23

Von unschätzbarem Wert. Fundstücke in guten Händen | Markus Hoyos überließ die sogenannte Engelshofen-Sammlung dem Krahuletzmuseum als Dauerleihgabe. Weitere ungehobene Schätze in Stockern?

 |  NOEN
Von Martin Kalchhauser

Die umfangreiche Sammlung des Candidus Ponz, Reichsritter von Engelshofen, ist im Krahuletzmuseum gelandet. Engelshofen gilt als Begründer der Ur- und Frühgeschichts-Bodenforschung im Waldviertel und als sammlerischer Mentor des jungen Johann Krahuletz. Daher sind die Fundstücke jetzt am richtigen Ort und in guten und sachkundigen Händen.

Die Sammlungen wurden von Ernst Graf Hoyos-Sprinzenstein für die Rosenburg angekauft, vom Gut in Stockern in die Rosenburg gebracht und ab 1928 teilweise ausgestellt. „Die paläontologischen Objekte galten bis zur Wiederauffindung 1991 durch Friedrich Berg als verschollen!“, weiß der frühere Obmann der Krahuletzgesellschaft, Fritz F. Steininger, zu erzählen. Jetzt wurde diese paläontologische Sammlung durch Markus Hoyos dem Museum überlassen. Sie ist zum Teil in den für die Engelshofen-Sammlung typischen Kartons und in spätbiedermeierlichen Sammlungskasten untergebracht.

Mit enormer Liebe zum Detail gesammelt

Für jedes Fossil wurde dabei ein eigenes Schachterl gemacht, von Engelshofen selbst angefertigt und teils an die Objekte, wie etwa an die Seekuhrippen, speziell angepasst. Eiszeitliches Knochenmaterial und Skelettreste der miozänen Seekuh (Metaxytherium krahuletzi) waren brüchig und wurden zum Beispiel mit einem Messinggeflecht umgeben oder mittels Holzleistchen geschient und mit Schnüren umwunden.

„Die Erlaubnis für eine erste Inventarisierung und Dokumentation verdanken wir Hans Hoyos“, berichtet Steininger, „sie wurde 1992 und 1993 durchgeführt.“

Die paläontologische Sammlung umfasst 2.415 Inventarnummern von ca. 120 Fundorten, wobei auf den originalen Fundzetteln der Fundort mit Details festgehalten ist. Der Zettel des ersten Fundstückes, einer Austernschale, ist übrigens bezeichnet mit „Kuenring Weg zum Dorf den 23. März 1828“. Die ältesten Objekte der Sammlung datieren aus 1760 (Backenzahn einer fossilen Elefantenart, Istanbul) und 1774 (Gesteinsstück mit Steinkernen von Fossilien aus dem Mainzer Becken). Offenbar wurden diese Stücke dem Sammler von Regimentskameraden mitgebracht.

„Bei der Sammlung war leider nur eine Schachtel Mineralien“, bedauern Steininger und Dafert unisono. „Vermutlich liegen noch viele weitere im Schloss Stockern, aber die sind nicht zu kriegen.“ Auch weitere Tagebücher, deren man in Eggenburg nur eines hat, wären von großem Interesse, weil sie Geheimnisse lüften könnten.

Zu den Besonderheiten der umfangreichen Sammlung gehört neben vielen wertvollen Funden – im Bild präsentiert von Krahuletzgesellschaft-Obmann Gerhard Dafert und Vorgänger Fritz F. Steininger – auch eine mumifizierte Katze.

Zur Person
Candidus Ponz, Reichsritter von Engelshofen (1803 – 1866)
Lebenslauf: geb. am 22. 2. 1803 in Wien; 15-jährig in die Theresianische Militärakademie Wr. Neustadt eingetreten, ab 1830 Oberleutnant, ab 1836 Rittmeister 2. Klasse; quittierte 1837 den Militärdienst und übernahm nach dem Tode des Vaters gemeinsam mit seinem Bruder Adolf (1798 – 1876) das väterliche Gut Stockern
Menschentyp: Engelshofen hat nie geheiratet, war kein „Salonmensch“, aber Bastler, war Tischler, Glaser, Sattler, Buchbinder, Hufschmied, … – mit einer eigenen Werkstätte im sogenannten Turmzimmer
Opfer der Cholera: Candid Engelshofen erkrankte 1866 wie viele andere Mitglieder der Familie und ein großer Teil des Gesindes an Cholera und starb am 8. August 1866 in Stockern
Als Dauerleihgabe vom Schloss Rosenburg in das Eggenburger Krahuletzmuseum übersiedelt: Die Engelshofen-Sammlung, von der im Bild nur ein kleiner Teil zu sehen ist, befindet sich nun hier in den Räumen des ehemaligen Lichtspieltheaters. Martin Kalchhauser