„Benachteiligung von Einheimischen“. Nach Verkauf eines Grundstücks in Drosendorf geriet Bürgermeister Spiegl ins Kreuzfeuer der Kritik. Er wehrt sich.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 23. Juli 2014 (07:01)
NOEN, Martin Kalchhauser
Der Zugang zum »Hofmannsmarterl« und zum Aussichtspunkt auf Drosendorf soll laut Bürgermeister Josef Spiegl (Bild) auch in Zukunft ungestört möglich sein. Foto: NÖN-Archiv
Für Gesprächsstoff und Aufregung sorgt derzeit der Verkauf eines knapp 2.000 m2 großen Grundstücks in der Badstraße seitens der Gemeinde an private Besitzer.

Sorge um seltene Pflanzen- und Tierarten

Gemunkelt wird, dass der Verkauf des Grundstücks, der nach einem Dringlichkeitsantrag in der letzten Gemeinderatssitzung genehmigt wurde, deshalb abgewickelt wurde, weil die Gemeinde die neuen Besitzer als Hauptwohnsitzer gewinnen wollte. „Die Einheimischen werden benachteiligt. Das Grundstück hätte ein Drosendorfer nicht bekommen“, meinte Biologe Wolfgang Waitzbauer.
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Dem Universitätsprofessor stößt der Verkauf aber auch aus einem anderen Grund sauer auf: „Auf diesem Grundstück grüßt das pannonische Klima an seiner nördlichen Verbreitungsgrenze.“

Daher gebe es dort etliche seltene Pflanzen- und Tierarten. So wurden auf einer zum Grundstück gehörenden Wiese die in Niederösterreich streng geschützte Europäische Gottesanbeterin, das Große Wiener Pfauenauge, eine seltene Moosart und die Bunt- oder Filz-Flockenblume nachgewiesen.

„Es war schon lange als Bauland gewidmet“

Besonders letztere sei eine botanische Kostbarkeit. Waitzbauer: „Die Tiere kann man aufsammeln und an benachbarten Standorten aussetzen. Aber diese Blume wächst nur in winzigen Inseln, die vom pannonischen Klima beeinflusst und nicht umzusiedeln sind.“

Der Drosendorfer Bürgermeister Josef Spiegl (ÖVP) räumt im NÖN-Gespräch mit den Gerüchten auf, er habe das Grundstück vom Grünland zum Bauland umgewidmet. „Es war schon lange als Bauland gewidmet, das geht aus dem Flächenwidmungsplan klar hervor. Wäre der Grundverkauf als normaler Punkt auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung gestanden, hätte das niemanden gestört. Der Dringlichkeitsantrag war notwendig, weil das Grundstück auf zwei Besitzer aufgeteilt wurde und die neuen Besitzer rasch bauen wollen. Eine Entscheidung im September wäre für sie zu spät gewesen.“

Bürgermeister Spiegl rechtfertigt Vorgehen 

Die Vorgehensweise sei also fair, auch der Kaufpreis (12 Euro/m2 plus Aufschließung) sei üblich. Der Vorwurf, dass die Käufer gegenüber Einheimischen bevorzugt worden seien, weist Spiegel zurück: „Man soll Leute dazu bringen, zu uns zu ziehen, und wenn einem das gelingt, schreien alle.“

Einheimische Interessenten habe es keine gegeben. „Außerdem haben wir für ein einziges Haus in der Badstraße den Kanal gebaut. Das hat 100.000 Euro gekostet. Jetzt haben wir dort den teuren Kanal, da ist es ja klar, dass wir auch weitere Baugründe verkaufen wollen, damit sich der Kanal rentiert.“

Der Bürgermeister erklärt, dass ihm die Erhaltung der gefährdeten Tiere und Pflanzen ein Anliegen sei: „Auf der betroffenen Wiese wird nicht gebaut. Auch der Zugang zum Hoffmannsmarterl ist nicht betroffen und bleibt, wie er ist.“