Horn: Waldviertler Volksbank auf Weg zu Fusion mit Wien. Verhandlungen laufen. Bestandsgarantien für Jobs und Filialen?

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 28. Februar 2018 (05:44)
Die Horner Volksbank-Direktoren Reinhard Keusch (links) und Walter M. Pannagl genießen – nicht zuletzt dank beeindruckender Bilanzen – das Vertrauen der Genossenschafter, müssen aber weiter an ihrem „klaren Auftrag zur Fusionierung“ weiterarbeiten.
Martin Kalchhauser

Fast ein Jahr ist es her, dass die Genossenschafter der Waldviertler Volksbank Horn am 23. März 2017 den Fusionierungsplänen mit der Volksbank NÖ mit 97,4 % Nein-Stimmen eine deutliche Abfuhr erteilten. Jetzt ist man mit der Volksbank Wien in Verhandlungen. Und die Vorzeichen sind andere …

Vorstandsdirektor Walter M. Pannagl bestätigte in der Vorwoche auf NÖN-Anfrage laufende Verhandlungen. Noch im März oder April werde es eine neuerliche Generalversammlung geben, die „rechtliche und technische Fusion“, wie es im Fachjargon heißt, könnte schon im Juni über die Bühne gehen.

Voraussetzungen für die Waldviertler nun besser

Warum ist der Bank-Chef diesmal so optimistisch? „Punkt 1 sind die Mitarbeiter, für die es einen besseren Kündigungsschutz geben soll. Punkt 2: Für die kommenden fünf Jahre wurde auch eine Garantie für die Standorte zugesagt, die eine Ausdünnung des Filialnetzes verhindern soll. Und Punkt 3, der den Gesellschaftern damals sehr wichtig war, ist, dass mehr zurückbleiben soll in der Genossenschaft. Diese soll damit künftig mehr Rückhalte haben.“ Man sei mitten in den Verhandlungen, aber man könne sagen: „In diese Richtung geht es.“

Ist das, was hier kommen soll, eine „Fusion light“? Pannagl: „Eine Fusion. Aber vielleicht unter besseren Voraussetzungen.“

Für die Kunden würde der Zusammenschluss mit der gegenüber der Volksbank NÖ drei- bis viermal so großen VB Wien (Bilanzsumme: über 10 Milliarden Euro und 1.250 Mitarbeiter) nichts ändern – außer dem IBAN. Die Bankleitzahl in den Konto-Codes müsste von 43600 auf 40000 angepasst werden.

Belegschaftsvertreter Reinhard Fuchs: „Verhandlungen laufen diesmal auf Augenhöhe.“
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Dass es diesmal anders läuft als 2017 bestätigt auch Betriebsratsvorsitzender Reinhard Fuchs: „Es wird auf Augenhöhe kommuniziert.“ Der derzeitige Mitarbeiterstand müsse aufs Erste übernommen werden. „Aber später ist das natürlich nicht in Stein gemeißelt. Einige Kollegen werden auch nach Wien pendeln müssen.“

Dass es in Horn auch künftig eine Regionaldirektion geben könnte, sei ein positives Signal, dennoch bleibt Fuchs realistisch: „Die Fusion wird sicher auch das eine oder andere Opfer fordern.“

Nicht zum aktuellen Stand äußern möchte sich Aufsichtsrats-Chef Engelbert Reis: „Nach meiner persönlichen Einschätzung ist es noch nicht an der Zeit, etwas zu sagen.“