Bäcker & Fleischer in Coronakrise: Kampf ums Überleben. Umsatzeinbrüche, Stammkunden & Kurzarbeit. Bäcker und Fleischer in Coronakrise: Umsatzeinbrüche, Stammkunden & Kurzarbeit.

Von Markus Füxl und Maximilian Köpf. Erstellt am 02. April 2020 (09:20)
Bäckermeister Erich Kasses macht sich Sorgen, dass die Coronakrise die negative Entwicklung bei Bäckern noch weiter beschleunigen könnte.
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Die symbolische „Billa-Kassierin“ muss herhalten, wenn Missstände in ihrer Branche aufgezeigt werden. In Zeiten des Coronavirus ist sie in der Öffentlichkeit zur Heldin des Alltags avanciert, die arbeiten muss, damit die anderen zu essen bekommen. Dass es daneben noch andere gibt, die direkt vor unserer Nase Lebensmittel herstellen und verkaufen, wird oft vergessen. Dabei kämpfen Nahversorger wie Fleischer und Bäcker gerade jetzt mehr denn je ums wirtschaftliche Überleben.

Gastro-Schließungen & keine Festln: Lieferungen bleiben aus.

Zwei Drittel des Umsatzes seien weggebrochen, berichtet etwa Katrin Pilz, Geschäftsführerin der gleichnamigen Bäckerei in Gmünd: „Eine sehr schwierige Situation.“ So geht’s auch anderen Nahversorgern im Waldviertel. Ein Hauptgrund dafür sind die Schließungen der Gastronomie-Betriebe, deren Belieferung somit ausfällt. Dazu müssen an Bäckereien und Fleischereien angeschlossene Kaffeehäuser, Eisdielen oder Gasthäuser zu bleiben. „In Wien sperren auch Geschäfte teils nur kurz am Nachmittag auf. Die Delikatessenhändler sind vorsichtig. Marktstände fallen weg“, schildert Bäckermeister Erich Kasses, der neben seiner Bäckerei in Thaya auch Betriebe in der Hauptstadt beliefert.

Dazu ist die gerade angelaufene Festl-Saison zum Erliegen gekommen. „Womit auch unsere Belieferungen wegfallen“, schildert der Bad Großpertholzer Fleischer Thomas Bauer. „Das sind große Brocken, die wegbrechen – und man weiß ja nicht wie lange es dauert.“ Auch die Grillsaison wäre gerade gestartet, fügt Johann Fröschl, Fleischhauer in Rappottenstein, an.

Stammkunden kommen, Laufkunden bleiben aus

Immerhin: Der Direktverkauf in den Geschäften vor Ort laufe einigermaßen gut weiter. Die Stammkunden kommen großteils weiterhin. „Die Leute sind froh, dass ihre lokalen Fleischereien offen sind. Leider werden zu sehr die großen Supermarkt-Ketten beworben“, betont Fröschl. Der Schweiggerser Bäckermeister Günther Prinz bemerkt sogar eine Steigerung des Bewusstseins in der Bevölkerung: „Die Wertigkeit für uns Bäcker steigt, viele Menschen kaufen jetzt wegen der geografischen Nähe bei uns lokal ein.“

Damit steht er weitgehend alleine da. „Der Umsatz wandert zu den Großen“, sagt der Dobersberger Fleischhauer Horst Handl.

Dobersberger Fleischer Horst Handl: „Jausengeschäft fällt komplett weg.“
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„Das Jausengeschäft fällt weg.“ Laufkundschaft bleibe aus. „Das merken wir besonders in der Filiale in Weitra“, schildert Thomas Bauer. „Wir profitieren dort von Tagesausflugsgästen, die sich den Rathausplatz anschauen, dann Fleisch und Wurst mitnehmen.“ Ähnliches berichtet Katrin Pilz. Die Touristen bleiben aus, die bei ihnen beliebten Mohngebäcke bleiben in den Regalen. Pilz: „Das wäre eigentlich für uns die beste Zeit im Jahr.“ Generell bleibt Konditorware bei Bäckern liegen. „Die klassischen Produkte, die man sich gönnt, werden weniger gekauft“, so Pilz. „Brot, Gebäck und Plundergebäck wird weiterhin gut gekauft.“

Noch mehr Hygiene, weniger Arbeit

Schweiggerser Bäcker Günther Prinz: „Die Wertigkeit der Bäcker steigt.“
Gemeinde

Die in Lebensmittelbetrieben sehr hochgehaltene Hygiene muss noch mehr beachtet werden. Handschuhe sind Standard, ebenso regelmäßiges Desinfizieren aller Oberflächen und Kassen. Dazu ist Abstandhalten angesagt, mindestens ein Meter. Beim Thekenverkauf kein Problem, in der Backstube oder im Kühlhaus herausfordernd, auch bei Lieferungen oder Verkäufen aus dem Wagen. Die Disziplin bei Mitarbeitern und Kunden sei aber groß, betonen alle.

Das Abstandhalten am Arbeitsplatz könnte bei größeren Betrieben demnächst zwangshalber einfacher werden. „Wir sind in der Backstube überbesetzt, müssen derzeit weniger produzieren“, sagt Pilz, die zumindest für einen Teil ihrer insgesamt 27 Mitarbeiter Kurzarbeit andenkt. Die zehn Mitarbeiter bei Thomas Bauer bauen Urlaub und Überstunden ab. Dazu widmen sie sich Tätigkeiten, für die im Regelbetrieb keine Zeit war. „Damit kommen wir schon eine Zeit lang durch.“