Bäcker & Fleischer werden in Krise „vergessen“. Landesinnungsmeister spricht von Umsatzeinbrüchen und appelliert an Konsumenten.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 02. April 2020 (09:17)
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Bäcker oder Fleischer haben große Sorgen, wie sich in einem Gespräch mit Johann Ehrenberger aus Gars (Bezirk Horn) herausstellt. Er ist Landesinnungsmeister aller Lebensmittelgewerbe in Niederösterreich. „Die Umsatzeinbrüche betreffen die Bäcker und Fleischer besonders. Viele unserer Kunden wissen noch immer nicht, dass wir für sie geöffnet haben“, schildert er. „Nicht nur das: Wir produzieren täglich frische Lebensmittel aus Rohstoffen der Region.“

„Viele dachten, wir hätten geschlossen“

Dass niemand daran denke, führt er auf einen Umstand zurück. „Leider hat der Lebensmittelhandel mit sehr großer Werbeoffensive versucht, sich als einziger Versorger darzustellen. Viele Kunden dachten, dass wir geschlossen hätten“, erklärt Ehrenberger, der in Gars eine Bäckerei mit Kurkonditorei und Café-Restaurant führt. Die Mengen, die die Bäcker produzieren, seien zwischen 60 bis 85 Prozent zurückgegangen. „Das ist dann natürlich auch weniger Arbeit für unsere Mitarbeiter.“

Johann Ehrenberger: „Viele wissen nicht, dass wir geöffnet haben.“
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Nicht leichter macht die Situation, dass viele Menschen Vorräte angelegt haben, „zu unserem Leidwesen mit vielen Produkten aus dem Ausland oder von der Industrie. Beim Fleisch ist es ähnlich“, seufzt der Bäckermeister. Dazu komme, dass ein wichtiger Abnehmer fehlt: der Wirt. „Es sind auch alle Feste abgesagt, was sich wieder auf den Umsatz der Bäcker und Fleischer negativ auswirkt.“

Die Versorgungssicherheit sei bei Brot und Backwaren, Fleisch und Wurstwaren gegeben. „Es wird keine Engpässe geben, aber es kann aus wirtschaftlichen Gründen zur Sortimentsstraffung kommen.“ Die Bäcker produzieren nach wie vor täglich frisch. Die Fleischer können zum Teil früher herstellen, „da gewisse Reifezeiten nötig sind, zum Beispiel bei Wurstwaren oder auch beim Rindfleisch“.

Ehrenberger appelliert an die Konsumenten, beim Einkauf an die Bäcker oder Fleischer zu denken, denn damit werde die Gemeinde gestärkt, Arbeitsplätze und die eigene Lebensqualität gesichert.