Endlich Hilfe für die Waldbauern. Insgesamt 77 Mio. Euro stehen Niederösterreichs Waldbauern in der ersten Phase des Waldfonds der Bundesregierung zur Verfügung.

Von Thomas Weikertschläger und Michael Schwab. Erstellt am 19. Februar 2021 (04:27)
Wald-Lokalaugenschein in Klein-Meiseldorf: Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger und Landwirtschaftskammer-Präsident Johannes Schmuckenschlager mit der betroffenen Waldbauern-Familie Martin und Marie-Luise Ziegler.
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Für Franz Fischer und Herbert Wagensonner war es eine Rückkehr an den Ort, an dem die Borkenkäfer-Katastrophe im Raum Raabs vor einigen Jahren ihren Ausgang nahm: Auf dem Südhang, wo man früher nichts als Bäume sah, hat man heute den besten Blick auf das Raabser Pflege- und Betreuungszentrum.

Wiederaufforstung ist eine Sisyphusarbeit. Rund zehneinhalb Hektar Wald im Besitz Wagensonners fielen hier dem Borkenkäfer zum Opfer, statt Fichten findet man hier heute nur noch hohes Gras, Gestrüpp und Strauchwerk. Die Wiederaufforstung ist eine Sisyphusarbeit: „Was ich 2018 gesetzt habe, ist aufgrund der Trockenheit verdorrt, was ich 2019 gesetzt habe, wurde von den Mäusen gefressen“, klagt Wagensonner beim Lokalaugenschein.

Hier begann die Borkenkäfer-Katastrophe im Raum Raabs: Noch vor einigen Jahren konnte man von hier aus das Pflege- und Betreuungszentrum Raabs nicht sehen, wie Franz Fischer und Herbert Wagensonner erzählen.
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Auch wenn solche Rückschläge ausbleiben, ist die Arbeit mit dem Setzen neuer Bäume längst nicht getan. „Man muss ausmähen, beim Laubholz die Zweige schneiden, damit aus den Bäumen keine Büsche werden, und als Maßnahme gegen Wildverbiss Schutzzäune errichten oder Einzelstammschutz anbringen, was natürlich regelmäßig kontrolliert und ausgebessert werden muss“, fasst Waldverbandsobmann Franz Fischer zusammen.

Mischwald statt Fichten-Monokultur. Dass Fichten-Monokulturen keine Zukunft im Waldviertel mehr haben, ist Fischer schon lange klar. Deshalb setzt man beim Aufforsten auf Mischwälder mit Tannen, Lärchen und Laubbäumen. Wie ein solcher Wald aussehen könnte, kann man auf einer Versuchsfläche von Herbert Wagensonner bereits begutachten. Vor zwölf Jahren setzte er auf einem vom Borkenkäfer befallenen Waldstück Ahorn und Lärchen – mit Erfolg.

Angesichts der Verluste durch die Borkenkäfer-Katastrophe stellten sich Waldbauern aber mitunter die Frage, ob sie überhaupt ihre Wälder wieder aufforsten sollen. Denn „ernten“ werden die Bäume erst ihre Kinder, die Investition muss auf Jahrzehnte vorgeschossen werden.

Waldverbandsobmann Franz Fischer auf einer Aufforstungsfläche in der Nähe von Raabs: Statt Fichten setzt man hier auf Kiefern, Tannen, Lärchen und Laubbäume. Bis man die Bäume „ernten“ kann, werden aber noch viele Jahrzehnte vergehen.
Michael Schwab

Waldfonds greift Waldbauern unter die Arme. Doch nun gibt es Abhilfe: Mit der Einrichtung des Waldfonds im Vorjahr will die Bundesregierung heimischen Waldbauern unter die Arme greifen. Der mit 350 Mio. Euro dotierte Fonds soll ein Rettungs- und Zukunftspaket für heimische Wälder sein, erklärte Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger bei einem Lokalaugenschein in Meiseldorf (Bezirk Horn). Derzeit kann man Unterstützung bei sechs von zehn Maßnahmen mit einem Volumen von 200 Mio. Euro beantragen. Für Niederösterreich werden laut einer ersten Hochrechnung rund 77 Mio. Euro abrufbar sein.

Diese sechs Maßnahmen betreffen Wiederaufforstung und Pflegemaßnahmen nach Schadereignissen, Regulierung der Baumartenzusammensetzung zur Entwicklung klimafitter Wälder, Abgeltung von durch Borkenkäferschäden verursachtem Wertverlust, Errichtung von Nass- und Trockenlagern für Schadholz, Entrindung und andere vorbeugende Forstschutzmaßnahmen und Maßnahmen zur Waldbrandprävention.

Obwohl sich die österreichischen Wälder positiv entwickeln – pro Jahr nimmt die Waldfläche um 3.400 Hektar (4.762 Fußballfelder) zu – kämpfen die heimischen Waldbauern seit Jahren mit zunehmenden Schäden in den Wäldern. Klimabedingte Schäden, Stürme, Schneedruck und Borkenkäfer setzen den Wäldern zu. Rund 62 Prozent der gesamten österreichischen Holzernte waren 2019 Schadholz. 4,3 Mio. Festmeter – mehr als ein Drittel der Holzernte – hat der Borkenkäfer beschädigt. In manchen Bundesländern wurden ganze Landstriche entwaldet, allein in NÖ haben Schädlinge auf einer Fläche von rund 20.000 Hektar gewütet. Das entspricht der Hälfte der Fläche der Stadt Wien, berichtet Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf.

Kein Geldregen, aber wertvolle Hilfe. Mit dem Waldfonds wolle man „neue Perspektiven für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung“ eröffnen. Besonders die Wiederbewaldung und Pflege stehe dabei im Vordergrund. Für Landwirtschaftskammer-Präsident Johannes Schmuckenschlager ist die heimische Forst- und Holzwirtschaft von zentraler Bedeutung für Wertschöpfung und Arbeitsplätze in der Region. Mit dem Waldfonds komme die Hilfe auch dort an, wo sie gebraucht werde, er sichere die Bewirtschaftung der heimischen Wälder für die nächsten Generationen ab. Zudem leiste man einen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz.

Herbert Wagensonner in dem von ihm vor 12 Jahren gepflanzten Mischwald-Stück.
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Für Franz Fischer sind besonders die Unterstützung für die Wiederaufforstung und die Entschädigungszahlungen wichtige Maßnahmen: „Die Waldbauern erhalten jetzt erstmals eine Katastrophenhilfe“, betont Fischer. „Was mich aber stört, ist, wenn in diesem Zusammenhang von einem Geldregen für Waldbesitzer gesprochen wird. Es handelt sich vielmehr um Hilfszahlungen vergleichbar dem Katastrophenfonds, wo rund 20 Prozent des Schadens ersetzt werden. Pro Hektar gibt es 3.500 Euro, der Schaden beträgt aber 15.000 bis 20.000 Euro“, stellt Fischer klar.

Aufforstung im Sinne der Nachfahren. Durch die Unterstützungsmaßnahmen hofft er, dass die Motivation zur Wiederaufforstung steigt: „Der Wald ist lebensnotwendig, daher müssen wir das im Sinne unserer Nachfahren in Angriff nehmen“. Liegen gerodete Flächen brach, setzen sich Büsche und Sträucher durch, und da die windabhaltende Wirkung des Waldes fehlt, werden noch stehende Bäume einer erhöhten Windbruchgefahr ausgesetzt. Auch aus diesem Grund ist die Aufforstung nötig – auch wenn es ein Projekt für Jahrzehnte ist.