Was tun, wenn die Grenze zu ist. Pro Pet hat gleich 40 Mitarbeiter verloren. Stark hält an Forschungsprojekt fest. Spitäler bereiten Quartiere vor.

Von Gerald Muthsam und Rupert Kornell. Erstellt am 02. April 2020 (09:28)
Symbolbild
Natalya Lys/Shutterstock.com

Die offene Grenze war 2019 ein großes Thema, als sich der Fall des Eisernen Vorhanges zum 30. Mal jährte. Wie wertvoll sie für regionale Betriebe ist, spüren in der Coronakrise jetzt auch Jüngere: Die Grenze ist seit 26. März für Pendler dicht, es sei denn, sie sind im Gesundheitswesen wie in Waldviertels Kliniken tätig. Die Pro Pet GmbH (Bezirk Waidhofen) zeigt auf, was das in der Praxis für einen Betrieb bedeutet – während die Stark GmbH (Bezirk Horn) offenbart, wo die Zusammenarbeit mit Tschechien nach wie vor besteht.

Gottfried (l.) und Reinhard Stark.
Stark GmbH/Dieter Schewig, Archiv

40 Mitarbeiter fehlen schlagartig

„Pro Pet Austria“ hatte eigentlich dringend Mitarbeiter angesichts einer steigenden Produktion gesucht (wir berichteten) – und jetzt hat der Betrieb schlagartig massiv weniger. Der Beschluss Tschechiens, die Grenzen für Pendler zu schließen, trifft die Firma aus Gastern deshalb doppelt hart. Jetzt fehlen nicht nur 20 sondern gleich 40 Mitarbeiter, denn von den insgesamt 240 Beschäftigten kamen 70 aus Tschechien.

Betrieb zahlt für Quartier.

„30 der 70 tschechischen Mitarbeiter haben sich entschieden, für die Zeit der Maßnahmen in Österreich zu bleiben“, erzählt Betriebsleiter Gerald Wais. „Diese wurden im Umkreis von Gastern untergebracht, das Quartier wird von Pro Pet bezahlt“, ergänzt er.

Gerhard Wais hofft auch auf Menschen in Kurzarbeit, die dazuverdienen wollen.
NOEN

Der Rest kann zurückkehren

„Es kann sein, dass in der nächsten Zeit weitere zurückkommen, denn der Beschluss Tschechiens kam so überraschend, dass die Mitarbeiter teilweise nur einen Tag Bedenkzeit hatten um eine Entscheidung zu treffen. Sie wurden zwar gekündigt, jedoch mit der Möglichkeit jederzeit wieder einsteigen zu können.“ Quartiere gebe es genug.

Situation war „befremdlich“

Für Wais sei es sehr befremdlich gewesen, Mitarbeitern zu kündigen, denn üblicherweise stelle er laufend Personal ein. Er hoffe nun auf Arbeiter, die in anderen Firmen in Kurzarbeit sind; sie dürfen unbegrenzt dazuverdienen. „Sie könnten sich ein schönes Körberlgeld verdienen.“

Mitarbeiter-Suche lief gut an

Nach dem jüngsten Suchaufruf seien schon sechs neue Mitarbeiter eingestellt worden, weitere sechs kämen demnächst dazu. „Die neuen Arbeiter sind zum Schutz der anderen die ersten 14 Tage in einem abgeschotteten Bereich tätig“, erklärt der Firmenchef das Prozedere. „In der Zeit lernen sie natürlich auch einiges, wie etwa die Hygienemaßnahmen des Betriebs.“ Nach wie vor herrsche erhöhte Nachfrage nach Pro Pet-Produkten, denn es werde europa- und weltweit geliefert. Bei der Fleisch-Zulieferung gebe es derzeit noch kein Problem.

Schichtbetrieb eingeführt

Bei der Produktion helfe man sich vorübergehend auch mit Personalumschichtungen im Betrieb. „Wir suchen sowohl kurzfristige Aushilfskräfte, die nach der Krise wieder in den angestammten Beruf zurückkehren wollen, als auch langfristiges Personal, um nach der Krise gestärkt die nächsten geplanten Steigerungen bewältigen zu können“, betont der Betriebsleiter.

An Forschungsprojekt beteiligt

Die Stark GmbH in Irnfritz setzt sich indes damit auseinander, wie man mithilfe von Bakterien und Algen „Seltene Erden“ aus Elektroschrott recyceln kann – und das auf Basis einer Kooperation zweier Universitäten in Österreich und Tschechien. „Ja, wir arbeiten an diesem EU-Programm Interreg mit“, bestätigt Reinhard Stark, mit seinem Bruder Gottfried Geschäftsführer des Recycling-Unternehmens.

„Stellen Know-how bereit“

„Wir stellen etwa unser Know-how zur Verfügung, was Logistik und Aufbereitung betrifft und stellen das Material für die Forschung bereit.“ Man sei an den Ergebnissen sehr interessiert und wolle daher an der Anwendung der Verfahren mitarbeiten. Der Bedarf an Elektronikschrott und „Seltenen Erden“ – etwa für Handys – werde immer größer, daher will man Wege finden, diese herauszuholen.

Handy-Sammlung läuft

„Wir sammeln jetzt schon Handys“, erklärt Stark, „und beliefern Verwertungsfirmen in Deutschland, Schweden und Belgien, weil es in Österreich keine gibt. Die legen allerdings mehr Wert auf die wichtigsten Edelmetalle wie Gold, Silber und Palladium, weniger auf Seltene Erden.“ Handys, Computer und Kameras würden ohne sie nicht funktionieren. 17 Metalle zählen aufgrund ähnlicher Eigenschaften dazu: sehr weiche, meist silbrig glänzende Metalle. Die herkömmliche Gewinnung ist aufwendig und umweltschädlich, das Angebot knapp, die Preise am Weltmarkt hoch.

Schulterschluss zweier Länder

Das Projekt der IMC Fachhochschule Krems und des Centrum Algatech der Tschechischen Akademie der Wissenschaften hat sich zum Ziel gesetzt, Seltene Erden ganz ohne Umweltschäden zu recyceln. Regionale Unternehmen sollen davon profitieren, eines ist die Stark GmbH. Die Firma hat schon mal mit IMC kooperiert – betreffend „Soziale Kompetenz“. Stark: „Aber wir sind draufgekommen, dass wir die ohnehin schon in unserem Betrieb leben.“

Spitäler: Vorsorge trotz Ausnahmeregelung

Für Ärzte und Pfleger blieb die Grenze offen. Das beruhigt die Landeskliniken-Holding, die derzeit 44 Tschechen in den Kliniken Allentsteig, Gmünd, Horn, Waidhofen und Zwettl beschäftigt – fünf davon mit Wohnsitzen in Österreich, zwei in Karenz. Spitzenreiter ist das Klinikum Horn mit 21 tschechischen Beschäftigten. „Sollte diese Ausnahmeregelung widerrufen werden, gibt es Vorbereitungen, um das medizinische Personal vor Ort halten zu können“, erklärt Bernhard Jany von der Holding. Dienstwohnungen werden dann zur Verfügung gestellt. Man wisse, dass ein Großteil im Bedarfsfall in Österreich bleiben wolle.