Ernennung zum Dechant: „Alle gehören zu Volk Gottes“

Erstellt am 02. März 2022 | 04:19
Lesezeit: 3 Min
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Dominicus Franz Hofer wurde im Februar zum Dechant des Dekanats Geras gewählt.
Foto: Edith Hofmann
Dominicus Franz Hofer aus Weitersfeld über Jugend, Priesterberuf und Frauen in der Kirche.
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Dominicus Franz Hofer löst Andreas Brandtner (Pfarren Göpfritz, Kirchberg, Langau) als Dechant des Dekanates Geras ab, der dieses Amt nach zwei Perioden zur Verfügung stellte. Die NÖN bat Hofer zum Gespräch.

NÖN: Wann und warum haben Sie sich entschlossen, den Priesterberuf zu wählen?

Dechant Dominicus Hofer: Ich bin als 30-Jähriger nach meiner Lehrtätigkeit ins Stift Geras eingetreten. Beten, Musik und der Glaube hatten in meiner Familie immer einen fixen Platz.

Findet auch die Jugend noch den Weg zu Gott?

Hofer: Eine wichtige Verbindung der Jugend zur Kirche ist ein guter Religionslehrer, der den Glauben kindgerecht näherbringt. Es gibt auch tolle Jugendhäuser, wie etwa das K-Haus in Eggenburg. Auch das Sommerlager, das in Weikertschlag ins Leben gerufen wurde und dann nach Langau übersiedelt ist, bietet eine gute Gelegenheit, mit Gott mehr in Kontakt zu kommen.

Warum gibt es so viele leerstehende Pfarrhöfe? Wie könnte man diese nutzen?

Hofer: Das kommt immer darauf an, in welcher Verantwortung sich die Pfarrhöfe befinden, ob sie der Diözese oder einem Stift gehören. Nach Möglichkeit werden sie für Erstkommunionsunterricht, Jungscharstunden oder Pfarrkaffees genützt. Zissersdorf wurde zum Beispiel verkauft, die Renovierung unseres Pfarrhofes in Weitersfeld wurde leider bis zum Jahr 2023 zurückgestellt.

Was kann gegen die Kirchenaustritte getan werden und was muss man tun, um junge Menschen wieder in die Kirche zu bringen?

Hofer: Vor allem in der Großstadt ist der Weg zur Kirche weit. Wenn Kinder jedoch aus christlichen Familien stammen, dann bringen sie auch ihre Kinder zur Taufe. Und das gerne in die Heimatpfarre, auch wenn sie woanders wohnen. Die Corona-Pandemie konnte daran nichts ändern.

Hat die Beichte noch einen Stellenwert im christlichen Leben?

Hofer: Der Kirchenbesuch generell ist drastisch rückläufig. Bei der Beichte ist es nicht erforderlich aufzuzählen, wie oft jemand die Kirche besucht hat. Wichtiger ist es, dass jeder sein Leben betrachtet, seine Werte einschätzt und sich darauf besinnt, immer wieder zu Gott zurückkommen zu können.

Worin sehen Sie die Problematik Priestermangel?

Hofer: Nur eines ist gewiss: Wir alle gehören zum Volk Gottes. Der Priesterberuf ist kein Beruf zur Selbstverwirklichung, sondern er ist einer, um für die Menschen da zu sein. Es ist ein sozialer Beruf, bei dem es um jene Menschen geht, die Hilfe und Unterstützung brauchen. Beim Leben im Stift ist ein Priester mehr auf das Geistliche konzentriert. Wer eine Pfarre leitet und im Pfarrhof wohnt, kann sich auch für die Menschen direkt nützlich machen. Die Betreuung mehrerer Pfarren in den Pfarrverbänden bedeutet für den Priester eine enorme Herausforderung. Bei der Monatswallfahrt im Stift Geras wird immer für den Priesterberuf gebetet.

Wie sehen Sie die Rolle der Frau in der Kirche?

Hofer: Ich kann aus meinen Pfarren Weitersfeld und Pleissing nur Gutes über das Engagement und die Hilfsbereitschaft der Frauen sagen. Sie bilden das Rückgrat der Gesellschaft, im weltlichen sowie auch im kirchlichen Leben. Die Rolle der Frau in der Kirche ist auf jeden Fall überdenkenswert und man könnte Frauen meiner Meinung nach in verschiedenste Tätigkeiten bis zur Diakonie einbinden.

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