Traum von einer Utopie: Buchpräsentation in Eggenburg. Der in Retz ordinierende Hautarzt Andreas Schindl präsentierte im Krahuletz-Museum seinen Debut-Roman, der „Traumstadt“ von Leopold Paur gewidmet ist.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 19. Oktober 2018 (03:59)
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Bei der Lesung zu „Paurs Traum“ im Krahuletzmuseum: Krahuletzgesellschaft-Obmann Gerhard Dafert, Inge Hofer von der Firma Hofer Druck, Autor Wolfgang Schindl und Museumsdirektor Johannes Tuzar.

Eine Stadt, die sich von Altenburg bis Horn erstreckt? Utopisch und reizvoll zugleich.

Das dachte sich auch Andreas Schindl, der dieses Thema aufgriff und ihm sein Romandebut „Paurs Traum“ widmete. Die Idee dieser Stadt stammt allerdings nicht von Schindl, sondern hat eine lange Geschichte.

Vater konfrontierte Autor mit der Geschichte

Leopold Paur, Sohn eines Bauers und Dorfrichters aus Altenburg und als Hofadvokat tätig, wollte diesen „Traum“ einer weltoffenen Stadt, in der unterschiedlicher Bevölkerungsschichten, Nationen und Religionen friedvoll zusammenleben, Ende des 18. Jahrhunderts im Waldviertel verwirklichen.

1784 veröffentlichte Paur die Pläne zu dieser Stadt, die geometrisch regelmäßig angeordnet sein sollte und abgesehen von acht Tempeln keine öffentlichen Gebäude haben sollte. Finanzieren wollte Leopold Paur seinen „Traum“ aus dem Erlös eines Syphilis-Medikaments.

In Berührung mit diesem Thema kam Schindl, der 1968 geboren wurde und als Hautarzt in Retz und Wien ordiniert, über seinen Vater Franz, wie er bei der Präsentation des Buches im Eggenburger Krahuletzmuseum berichtete. Zwischen seinem Vater und Paur gebe es zwei Parallelen: Beide stammen aus dem Waldviertel, beide sind Juristen. „Mein Vater hat mich auch mit der Geschichte um diese utopische Stadt konfrontiert und gemeint, dass das interessant für mich sein könnte“, erzählt Schindl, der bisher auch einen Essayband und ein Sachbuch veröffentlicht hat.

In seinem Buch erzählt Schindl über Paur und seine Lebensgeschichte, aber auch seine Beziehungen zu Frauen und welche Bedeutung sie für ihn hatten sowie über jene Fügungen, die in Paurs Leben eine wesentliche Rolle gespielt haben. Die Geschichte beruht auf historischen Tatsachen und spielt in der Zeit Maria Theresias und Josefs II, also jener Zeit, in der die Aufklärung noch in ihren Kinderschuhen steckte, wie Museumsdirektor Johannes Tuzar in seiner Einleitung erklärte.

Der Schauplatz Krahuletzmuseum war für die Präsentation des Romans übrigens nicht zufällig gewählt. Hier ist einer der wenigen Drucke eines Kupferstichs zu sehen, der den Plan von Leopold Paurs Utopie-Stadt zeigt.

Andreas Schindl: „Paurs Traum“, Braumüller Verlag, 384 Seiten, 25 Euro, ISBN 978-3-99200-218-4.