Bezirk Horn schrumpft weiter. Der Bezirk Horn verlor 2020 wieder 105 Einwohner. Dafür stieg Zahl der Nebenwohnsitzer in Covid-Krise um 5,5%.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 20. Januar 2021 (04:26)
NÖN/Gemeinden; Illustration: BRO.vector/shutterstock.com; Grafik: Hammerl

Der Bezirk Horn schrumpft weiter: Die Zahl der Menschen mit Hauptwohnsitz in den 20 Bezirksgemeinden erreichte 2020 einen neuen Tiefpunkt. Nur noch 30.925 Menschen hatten mit 31. Dezember 2020 ihren Hauptwohnsitz im Bezirk Horn gemeldet, ein Jahr davor waren es noch 31.030. Das ist ein Rückgang um 105 Personen (-0,33 Prozent). Dafür gibt es einen neuen Höchststand bei den Nebenwohnsitzern: Im Schatten der Coronavirus-Pandemie erhöhte sich deren Gesamtzahl um 491 auf 9.360, das ist ein Plus von 5,5 Prozent. Gleich in 19 der 20 Bezirksgemeinden gab es 2020 bei den Nebenwohnsitzern ein Plus, nur Weitersfeld verzeichnete ein Minus bei den Nebenwohnsitzern.

Gars: Viertel der Bevölkerung hat Nebenwohnsitz. Besonders stark ist der Anstieg in Pernegg (12,4 Prozent), Gars (11,6 Prozent) und Röschitz (10,5 Prozent). Absolut die meisten Nebenwohnsitzer gibt es in der Bezirkshauptstadt Horn mit 1.374 (+6,2 Prozent oder 80 Personen). In der traditionellen Nebenwohnsitz-Hochburg Gars gibt es mit Jahresende 1.293 Nebenwohnsitzer. Bei 3.480 Hauptwohnsitzern stellen sie damit einen Anteil an der Gesamtbevölkerung von 27,1 Prozent.

Besonders während des ersten Lockdowns hätten viele Menschen ihren Nebenwohnsitz in Gars gemeldet, um „ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen“, sagt Bürgermeister Martin Falk. Der Trend „raus aufs Land“ sei zu dieser Zeit besonders stark zu spüren gewesen, viele wollten dabei auf Nummer sicher gehen und sich mit einem Wohnsitz in Gars die Legitimation für den Aufenthalt schaffen. Die große Zahl an Nebenwohnsitzern sei für die Gemeinde aber auch sowohl wirtschaftlicher („Die Leute konsumieren hier, gehen einkaufen und in die Gastronomie“) wie auch gesellschaftspolitischer Faktor: „Ein Großteil unserer Nebenwohnsitzer ist gut in Gars integriert, engagiert sich in den Vereinen. Das ist seit den 1880er-Jahren historisch in Gars so“, meint Falk. Dennoch: „Ich würde mich freuen, wenn sich der ein oder andere davon ein Herz nimmt und einen Hauptwohnsitz in Gars meldet“, hofft Falk. Denn schließlich hängen die finanziellen Mittel, die den Gemeinden über die Ertragsanteile zur Verfügung gestellt werden, von der Zahl der Hauptwohnsitzer ab.

Horn gewinnt 80 Nebenwohnsitzer – und setzt Anreize für Hauptwohnsitz. Mit dem Zuwachs von 80 Nebenwohnsitzern hat die Bezirkshauptstadt Horn bereits 1.374 Nebenwohnsitzer. Die „Neuen“ kommen laut Bürgermeister Jürgen Maier hauptsächlich aus dem großstädtischen Raum. Die Situation rund um das Parkpickerl in Wien sei hauptverantwortlich dafür, warum diese Menschen nicht gleich ihren Hauptwohnsitz in Horn melden. Daher würden viele junge Horner, die nach Wien gehen, ihren Hauptwohnsitz dorthin verlegen, um an diverse Vergünstigungen – etwa auch das Studenten-Ticket – zu gelangen. Wien schaffe damit künstlich eine Situation, ländlichen Gemeinden Hauptwohnsitzer zu nehmen. „Und das, obwohl viele eigentlich gar nicht Wiener werden wollen“, sagt der Bürgermeister.

Bei den Hauptwohnsitzern muss Horn ein Minus von 0,3 Prozent auf 6.420 hinnehmen. Dennoch tue die Bezirkshauptstadt viel, um als Hauptwohnsitz weiter attraktiv zu sein. So gebe es laut Maier ein gutes Angebot an Bauplätzen (etwa in Mödring oder in der Frauenhofener Straße in Horn), auch mit der „Elk-Siedlung“ werde ein gutes Angebot geschaffen. „Wir merken auch, dass die Nachfrage da ist. Ich sehe daher positiv in die Zukunft, wir stehen vor einem gesunden Wachstum“, sagt Maier. Ein wichtiger Baustein dabei: Der Glasfaser-Ausbau. Schon jetzt sind 1.200 Haushalte in Horn angeschlossen, weitere Ausbauschritte werden – auch in den Katastralgemeinden – gesetzt. So ist etwa der Ausbau in Mühlfeld bald abgeschlossen, jener für Mödring wird derzeit vorbereitet.

Eggenburg verliert 40 Hauptwohnsitzer. Den doch starken Rückgang von 40 Hauptwohnsitzern (-1,1 Prozent) in Eggenburg führt Bürgermeister Georg Gilli auf zwei Faktoren zurück. Zum einen hätte die Unterbringung zahlreicher unbegleiteter jugendlicher Asylwerber in der Vergangenheit die Zahlen nach oben beeinflusst, zum anderen verfälsche auch die Tatsache, dass Eggenburg Standort eines Pflegeheimes ist, die Statistik. Dort gebe es naturgemäß eine größere Zahl an Sterbefällen, so sei auch das große Minus von 50 in der Eggenburger Geburtenbilanz zu erklären. Er erwartet für die kommenden Jahre aber eine Verjüngung der Bevölkerung. Zuletzt habe man mit dem Wohnungsbau, dem Bau von Reihenhäusern, der Schaffung von Bauplätzen oder der Initiative zum Glasfaserausbau Akzente gesetzt. „Aber das ist ein langer Prozess, das schlägt sich nicht von heute auf morgen in der Statistik nieder“, sagt Gilli.

Sigmundsherberg ist großer Gewinner. Gleich 33 Hauptwohnsitzer mehr verzeichnete die Gemeinde Sigmundsherberg im Jahr 2020. Das ist in der viertgrößten Gemeinde des Bezirks ein Anstieg um 2 Prozent auf 1.676 Hauptwohnsitzer. Bürgermeister Franz Göd führt diese „absolut erfreuliche“ Entwicklung neben der günstigen Lage an der Franz-Josefs-Bahn und guten Busverbindungen auf große Bemühungen hinsichtlich Infrastruktur zurück. So könne man Bauplätze nicht nur in Sigmundsherberg selbst (hier steht das „Erfolgsmodell“ Christophorus-Siedlung vor einem weiteren Ausbauschritt), sondern auch in allen acht Katastralgemeinden anbieten. Zudem biete die Gemeinde vom Nahversorger, der ärztlichen Versorgung, Banken, Kindergarten, Schule, Nachmittagsbetreuung und demnächst auch Kleinkinderbetreuung „alles, was das Herz begehrt“. Man könne jetzt die Früchte der in den vergangenen zehn Jahren im Rahmen der „familienfreundlichen Gemeinde“ getätigten Investitionen ernten. „Man kann zu unserer Gemeinde einfach schwer ,Nein‘ sagen“, fasst Göd zusammen.

Ein weiteres Plus für seine Gemeinde : „Das funktionierende Vereinsleben. Es ist gerade die Jugend, die sich bei Vereinen und Feuerwehren engagieren will.“ Darauf sei er als Bürgermeister sehr stolz.

Glasfaser-Ausbau als Chance für die Region. Generell sieht Göd für die Region Manhartsberg, deren Obmann er ist und zu der aus dem Bezirk Horn noch die Gemeinden Röschitz, Meiseldorf, Straning-Grafenberg, Burgschleinitz-Kühnring und Eggenburg gehören, gute Zukunftsaussichten. Mit den Bemühungen, zur „familienfreundlichen Region“ zu werden und den Glasfaserausbau voranzutreiben (die NÖN berichtete jeweils), gehe die Region einer positiven Zukunft entgegen. „Jeder Cent, den wir jetzt in Kinder und Jugendliche investieren, kommt später zehnfach zurück“, sagt Göd.

Auch Röschitz weiter im Aufwärtstrend. Eine weitere von insgesamt nur sechs Gemeinden mit positiver Entwicklung bei den Hauptwohnsitzern ist Röschitz. Nachdem schon 2019 ein Plus von 11 Hauptwohnsitzern gezählt wurde, stieg deren Zahl 2020 um weitere fünf auf 1.062. Nach dem Tiefpunkt 2015 (da lag der Wert noch bei 1.030) wächst die Gemeinde kontinuierlich. „Auch heuer sind schon drei neue Hauptwohnsitzer dazugekommen“, berichtet Bürgermeister Christian Krottendorfer auch schon vom guten Auftakt ins Jahr 2021.

Es sei zwar eine Überalterung in der Bevölkerung da, die nicht zu leugnen sei („Darum wird es auch wieder Jahre geben, in denen wir Einwohner verlieren werden“), die Investitionen in die Infrastruktur (laufend Siedlungsausbau mit der Schaffung von Bauplätzen in Roggendorf und Röschitz, Veranstaltungssaal, Nahversorger) sorgen aber dafür, dass die Nachfrage nach Ansiedlung in der Gemeinde groß sei, meint der Gemeindechef. Zu spüren sei das auch dann, wenn Häuser nach Todesfällen zum Verkauf angeboten werden. „Die stehen nie lange leer, werden schnell verkauft“, erzählt Krottendorfer. Damit werden auch viele Nebenwohnsitzer in die Gemeinde geholt. Im abgelaufenen Jahr gleich 30 neue, womit Röschitz bereits 314 hat – das sind 22,8 Prozent der Gesamtbevölkerung.