Unruhige Nächte auf der Straße im Bezirk Horn. Polizei mahnt zu gemäßigtem Tempo. Wildwarnreflektoren sollen helfen, Hotspots im Bezirk Horn zu entschärfen.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 14. Oktober 2020 (04:48)
Landesjagdverband NÖ; Foto: SciePro/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Die Tage werden kürzer und mit der früher einsetzenden Dämmerung rückt ein altbekanntes Problem wieder in den Vordergrund: Die Herbstzeit ist auch die Hauptunfallzeit mit Wildtieren, allen voran Rehen und Feldhasen. Während die zweiteren zumindest aus schadenstechnischer Sicht wenig Bedenken geben, stellen die Rehe eine große Gefahr bei Nacht und Nebel dar. Die Gefahr lauert potenziell hinter jedem Gebüsch und meist geht es so schnell, dass nicht einmal mehr Zeit zum Reagieren bleibt. Den meisten Autolenkern wird deshalb um diese Jahreszeit bei der Fahrt durch ein Waldgebiet etwas mulmig.

In Horn sind es die Hasen. Der Bezirk Horn war 2019 im Waldviertel Spitzenreiter (siehe Statistik oben). Allerdings entfällt ein großer Teil der Unfälle aufgrund der verhältnismäßig vielen Ackerflächen auf Feldhasen. Bei diesen war auch ein starker Anstieg zu verzeichnen. So waren es 2018 noch 491, 2019 schon 738 gemeldete Unfälle. Bezirksjägermeister Karl Ruttenstock erklärt sich die Veränderung zum einen mit der schwankenden Population, aber auch mit den Wetterverhältnissen: „Wenn es nass ist, kommen die Hasen gerne auf die Straße zum Abtrocknen. Zudem heizt sich der Asphalt tagsüber auf und dient ihnen dadurch als Wärmespender. Für das Jahr 2020 sind noch keine genauen Zahlen bekannt, weshalb noch schwer festzustellen ist, ob die Unfälle mit Hasen weiter ansteigen.

„Die Schilder stehen nicht ohne Grund da. Bei den Waldgebieten ist das Risiko um ein vielfaches höher.“Bezirkspolizeikommandantin Birgit Geitzenauer

Es gibt so einige Hotspots. Bezirkspolizeikommandantin Birgit Geitzenauer schätzt die bisher gemeldeten Wildunfälle auf etwa 900. „Im Durchschnitt kommt es täglich zu 2 bis 3 Unfällen, jetzt im Herbst noch mehr als sonst“, schildert Geitzenauer. Die größte Gefahr bestünde natürlich in der Abend- und Morgendämmerung, der Hauptaktivitätszeit der Tiere. „Hotspots“ gibt es im Bezirk einige. So sollen sich laut der Bezirkspolizeikommandantin vermehrt Unfälle am Schauberg zwischen Horn und Irnfritz und nahe des Waldstückes bei Kühnring ereignen. An den besagten Stellen weisen Schilder auf die erhöhte Wildaktivität hin. „Die Schilder stehen nicht ohne Grund da. Bei den Waldgebieten ist das Risiko um ein vielfaches höher“, betont Geitzenauer.

Was hilft wirklich? Um den steigenden Zahlen entgegen zu wirken wurde bereits mit so manchen Maßnahmen reagiert – mal mehr, mal weniger erfolgreich. Ein großer Fokus liegt momentan auf Wildwarnreflektoren. Diese gibt es in blauer und weißer Ausführung und sie werden auf den Straßenpfosten montiert. Das Licht von den Scheinwerfern wird dadurch zur Seite auf das Feld oder in den Wald reflektiert. Über deren Wirkungsgrad wurde in der Vergangenheit bereits viel diskutiert, doch laut Bezirksjägermeister-Stellvertreter Herbert Gallee gibt es kaum sinnvolle Alternativen: „Es wurde schon probiert, die Tiere mit einem Duftstoff von der Straße fernzuhalten. Das hatte jedoch kaum Wirkung und hat sich nicht durchgesetzt.“

Kein Geheimnis: Langsamer fahren. „Am Ende liegt die Verantwortung beim Autolenker selbst“, meint die Bezirkspolizeikommandantin. „Es ist kein Geheimnis, dass eine geringere Geschwindigkeit vieles vermeiden kann.“ So wäre es zumindest nachts angebracht, auch mal langsamer als erlaubt zu fahren. Zudem appelliert die Bezirkspolizeikommandantin an ein aufmerksameres Fahren in der Nacht. „Man sollte wirklich erhöhtes Augenmerk auf den Straßenrand und nahe Gebüsche legen.“ Am wichtigsten ist im Fall der Fälle jedoch eine Sache: „Auf keinen Fall das Lenkrad verreißen. Dadurch entstehen schlimmere Unfälle als bei einer Kollision mit dem Tier.“

Auf der sicheren Seite? Wenn es dann doch mal knallen sollte, steht natürlich die Gesundheit der Insassen an vorderster Stelle. Trotzdem ist der Schaden am Fahrzeug oft nicht unerheblich, weshalb die Versicherung ins Spiel kommt. „Mit einer Kasko-Versicherung ist man eigentlich immer abgedeckt“, erklärt der Bezirksdirektor der NÖ Versicherung, Franz Hainzl. Schon eine Teilkasko-Versicherung würde für den Unfallschaden aufkommen. Laut dem Versicherungsexperten sollte man aber auch den Wert des Autos bedenken. „Man bekommt von der Versicherung maximal den Wert des Autos selbst. Bei älteren Fahrzeugen kann es durchaus passieren, dass der Schaden tatsächlich größer ist“, erklärt Hainzl.

Umfrage beendet

  • Wildtierunfälle: Gibt es genug Warnhinweise?