Erstellt am 30. September 2014, 08:14

von Martin Kalchhauser

275-mal Gegenwind. Windparkgegner nutzten Frist, um Argumente einzubringen. Bürgermeister Gumpinger will sie rasch behandeln.

Die Fotomontage zeigt das Hubertusmarterl in Dietmannsdorf und den Kreuzungspunkt einiger »Stille-Pfade«-Wanderwege und Radtouren, die auch in den Wald führen. Der Schattenwurf der Windräder ist so weitreichend, dass die Windräder 30 Tage im Jahr aus diesem Grund abgeschaltet werden müssten. Die Größenverhältnisse der Fotomontage entsprechen Visualisierungsberechnungen eines Experten.  |  NOEN, Foto/Fotomontage: Barbara Krobath

275 sogenannte „Erinnerungen“ – naturgemäß lauter negative Stellungnahmen zum geplanten Windpark in der Wild – gingen im Lauf der sechswöchigen Auflagefrist des Projekts am Gemeindeamt Brunn/Wild ein.

100 Personen unterzeichneten Protest

Zum Teil machten die Bürger in einzelnen Stellungnahmen ihre Ablehnung ohne Begründung geltend, teilweise gibt es viele Ausführungen im Detail, weshalb die Windräder nach Meinung der Gegner nicht errichtet werden sollen. Einige Erinnerungen waren auch vorgefertigte (gleichlautende) Proteste, die in einem Fall sogar von weit über 100 Personen unterzeichnet wurden.

„Es ist schwer zu sagen, wie rasch wir die Eingaben behandeln können“, stellt Bürgermeister Josef Gumpinger im Telefonat mit der NÖN fest. Er hat sie an den Raumplaner der Gemeinde, Karl Heinz Porsch, weitergeleitet. „Er muss das für uns aufbereiten.“

Danach habe sich der Gemeinderat mit jeder einzelnen Erinnerung zu beschäftigen. Vermutlich werde man dafür einen Ausschuss gründen müssen. Gumpinger: „Viele Sachen konnten bereits abgeklärt werden, für einige werden wir aber verschiedene Sachverständige brauchen. Der Fahrplan ist nicht absehbar.“

Angelegenheit soll vor der Wahl erledigt sein

Auf jeden Fall vermeiden will Gumpinger, dass man mit der Thematik in den Gemeinderatswahlkampf (am 25. Jänner 2015 sind die Wähler am Wort) hineinkommt. „Das muss sich vorher noch ausgehen, ich will die Sache ja nicht verschleppen!“

Während die meisten der Bürger – viele von ihnen nicht aus der Gemeinde Brunn – Bedenken in Bezug auf Natur- und Landschaftsschutz geltend machten, hat die Gemeinde am Weg zum Windpark auch noch eine höhere Hürde zu nehmen. Wie exklusiv berichtet, hat ja das Bundesheer wegen möglicher Behinderungen des Flugverkehrs zum nahen Truppenübungsplatz (TÜPL) Allentsteig ein Nein deponiert.

Gerüchten, dass das Heer seinen vorsorglichen Einspruch zurückgezogen habe, tritt der Nö. Militärkommandant Rudolf Striedinger im Gespräch mit der NÖN klar entgegen: „Ganz im Gegenteil!“ Die Klärung der Bedürfnisse sei noch nicht abgeschlossen. Man könne die Einspruchsfrist nicht einfach verstreichen lassen.

„Im Detail wird alles bei der UVP entschieden“

„Eine Umwidmung ist zum derzeitigen Zeitpunkt ein ,No-Go‘, weil die Abstimmung zwischen den Fachleuten des Ministeriums und der Betreibergesellschaft (evn naturkraft, Anm.) noch aussteht.“

Man müsse sich jetzt genau anschauen, wo der Flugverkehr durch die hohen Windräder behindert werde. Speziell südlich der B 2 sei eine Errichtung von Anlagen aus Sicht des Heeres ausgeschlossen. „Im Detail wird natürlich alles spätestens bei der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) entschieden.“

Bürgermeister Gumpinger sieht dieses Problem gelassen und ist optimistisch, dass man zu einer Lösung findet: „Das Bundesheer ist zwar in dem Zusammenhang unsere größte Sorge, aber wir verhandeln bereits.“