Emotionelle Diskussion über Windpark. Gemeinde und Betreiber organisierten sich Schützenhilfe aus Oberösterreich, konnten die Gegner aber erwartungsgemäß nicht überzeugen. Das Projekt spaltet jedenfalls die Bevölkerung.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 16. September 2014 (11:57)
Beim Windenergie-Infoabend in Kainreith stellten sich Martin Fliegenschnee-Jaksch (IG Windkraft), Kleinregions-Energiemanager und Energieregions-Obmann Niko Reisel, Andreas Reichl (Sternwind, Oö.), Heribert Müller (Windkraft Simonsfeld AG) und Bürgermeister Franz Göd (von links) der Diskussion.
NOEN, Martin Kalchhauser
Großes Interesse zeigten die Bürger am Windenergie-Informationsabend im Gasthaus Koch. Wegen des großen Andrangs wurde die Diskussion aus dem Saal sogar per Videowand auch in den Schankraum übertragen.

Schützenhilfe für die Windpark-Befürworter 

Beim Versuch, die Kritiker zu überzeugen, hatten sich die Marktgemeinde Sigmundsherberg und der potenzielle Betreiber des geplanten Windparks, die Windkraft Simonsfeld AG, Mitstreiter organisiert.

So gaben neben Bürgermeister Franz Göd und Heribert Müller (Simonsfeld) auch Martin Fliegenschnee-Jaksch (Interessengemeinschaft Windkraft) und Andreas Reichl vom 1966 gegründeten Windpark „Sternwind“ in OÖ Statements pro Windenergie ab.

Niko Reisel – als Nachbarbürgermeister, Obmann des Vereins ERWO und Kleinregions-Energiemanager in einer Multifunktionsrolle – sprach sich ebenfalls erwartungsgemäß für das Projekt aus. Moderator Otmar Schlager hatte es nicht leicht mit den teils sehr emotionalen Diskutanten.

„Hoffnung auf sehr gute Windverhältnisse“

Göd kündigte – entgegen der früheren Haltung – eine Volksbefragung zum Thema an und betonte, dass beide Fraktionen im Gemeinderat beim aktuellen Thema geschlossen agieren. „Wind ist reine Kraft“ war auf einer Folie Reisels zu lesen, ehe der Oberösterreicher Reichl von ausschließlich positiven Erfahrungen berichtete und schon im Voraus versuchte, Argumente der Kritiker (Eiswurf, Lärm, Brandgefahr, …) zu entkräften.

„Wir haben nach den ersten Messungen für diesen Standort die Hoffnung, dass wir hier sehr gute Windverhältnisse haben“, stellte Müller fest und betonte auch, dass man mit 1.400 Metern Abstand zum nächsten Haus mehr als den gesetzlichen Mindestabstand von 1.200 Metern einhalte.

Kritik an „gewaltiger Veränderung im Forst“

Helmut Maierhofer, der sich als wortgewaltiger Kritiker erwies, forderte 2.000 Meter Abstand, denn auch die neuen Anlagen seien mit 200 Metern deutlich höher als die vorherige Generation.

Während einzelne Fragesteller wie Reinhard Grill bezweifelten, dass mit der Windenergie Atomstrom ersetzt werde, bekrittelte der frühere Förster des betroffenen Waldgebiets, Walter Riener, die Errichtung von „Bauwerken, wie wir sie bisher nicht hatten“. Sie bewirkten eine gewaltige Veränderung im Forst und zerstörten „unberührte Landschaft, die unser großes Potenzial ist“.

Alternativen zur Windenergie wurden aufgezeigt

Mario Lackner, der für einen Informationsabend der Gegner des Projekts am 19. 9. im Sigmundsherberger Pfarrhof warb, wunderte sich darüber, dass es die Gemeinde mit der Volksbefragung nun so eilig habe. In mehreren Wortmeldungen wurden Alternativen zur Windenergie aufgezeigt, so etwa durch den Hötzelsdorfer Hans Kubecek, der zum Engagement für Photovoltaikanlagen aufrief.

Für den Windpark griffen Heinz Fischelmaier („Windkraft ist unsere Zukunft!“), SPÖ-Fraktionschef Gerhard Treiber und Bauernkammerrat Herbert Hofer zum Mikrofon.


ZITIERT: „Komme mir vor wie bei Werbefahrt!“

„Auf dem wichtigen Weg in die Zukunft sind wir gemeinsam unterwegs.“
Bürgermeister Franz Göd (ÖVP) zur Einigkeit zwischen ÖVP und SPÖ im Gemeinderat

„Wir werden in einer demokratischen Abstimmung erfahren: Gibt es ein Projekt oder nicht?“
derselbe

„Wenn wir kein Öl mehr aus dem Boden holen können und weiter so viel verbrauchen, werden wir einmal im Finstern sitzen.“
ERWO-Obmann Niko Reisel

„Wenn wem Windradeln nicht gefallen, ist es eine katastrophale Verschandelung der Landschaft.“
Andreas Reichl, Sternwind GmbH

„Ob schön oder schiach, das ist eine persönliche Frage. Wenn ich mich in der Früh in den Spiegel schaue, gefalle ich mir manchmal, manchmal nicht. Damit muss aber ich leben – und meine Frau.“
Bürgermeister Franz Göd

„Ich bitte, meine Rolle zu akzeptieren. Ich bin seit vielen Jahren Handballer, da muss man auch den Schiedsrichter respektieren.“
Moderator Otmar Schlager

„Jeder kriegt heute hier ein Gratisgetränk – ich komme mir schon vor wie bei einer Werbefahrt.“
Mario Lackner, Langau

„Bitte, Freunde, fürchten wir uns nicht. Glaubt mir, wir brauchen sie, die Windenergie!“
Heinz Fischelmaier, Sigmundsherberg

„Nützen wir die Chance, springen wir über die Mauer und verwirklichen wir diese Idee. Die Franz-Josefs-Bahn, den Stausee Ottenstein, nicht einmal das Stift Geras dürfte man heute bauen, wenn man nur nach den Gegnern gehen würde.“
Kammerrat Herbert Hofer