Der Ofen bleibt kalt im Bezirk Horn. o die Gründe für den hohen Rückgang liegen und was eigentlich für die Gesellschaft verloren gegangen ist.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 05. Juni 2019 (04:12)
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Symbolbild

Zehn Gasthäuser und acht Restaurants hat der Bezirk Horn von 2008 bis 2018 verloren, im 20-Jahres-Vergleich fiel die Zahl noch stärker aus. „Allein in unserer Marktgemeinde gab es ursprünglich zwölf Wirtshäuser. Mittlerweile sind wir die Einzigen“, erzählt Sandra Buchinger, die mit ihrer Familie den Landgasthof in Harmannsdorf führt.

„Selbst das vor einigen Jahren neu eröffnete Gemeindewirtshaus ist seit geraumer Zeit wieder auf der Suche nach einem Pächter.“ Was ist der Grund für den Rückgang? Die Wirte, mit denen die NÖN sprach, gaben die selben Gründe mit ähnlichen Worten an – etwa, dass die nächste Generation nicht an Bord will. „Ich habe drei Kinder und jeder hat einen anderen Beruf“, erklärt Walter Lenz, der bis vor drei Jahren sein Gasthaus in Langau geführt hat.

Er meldet nur mehr einmal im Jahr das Gewerbe für die Faschingsgilde an und sucht einen Nachfolger. „Die Lage ist an und für sich gut: Wir waren gut ausgelastet.“ Interessenten seien schon vorstellig geworden. Dem Besitzer ist aber die „Einstellung“ des Wirten wichtig. Man benötige Liebe für den Beruf.

Ebenfalls auf der Suche nach einem Nachfolger ist der Eggenburger Gastronom Werner Oppitz. Er überprüft den Bewerber ebenso genau: Der Chefkoch schildert, dass ein Interessent aus Tschechien aus dem Restaurant ein Bordell machen wollte. Das komme nicht infrage. Er kritisiert scharf, dass die Politik Entscheidungen zuungunsten der Branche getroffen habe.

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Das sieht Buchinger genauso. Die Bürokratie habe zugenommen. Die Auflagen seien zum Teil unsinnig: Oppitz nennt hierbei die Allergen-Verordnung. Die hohen Auflagen kosten viel Geld, das nicht immer aufgebracht werden könne. „Viele Gastronomen kalkulieren falsch oder gar nicht“, führt die Wirtesprecherin aus. „Somit bleibt unterm Strich einfach nichts über. Wirte müssen sich einfach trauen, für ihr gutes Essen gutes Geld zu verlangen.“

Aber: „Nicht an allem ist die Politik Schuld“, ergänzt Buchinger. Beinahe keine Branche sei unfairen Internetbewertungen so ausgeliefert wie die Gastronomie. Und: „Es ist nicht so, dass alle Wirte an der Situation ganz schuldlos sind. Manche haben den Anschluss an das Heute verpasst.“

Den Wert des Gasthauses betonen alle. Bürgermeister Reinhard Nowak (Weitersfeld, nur mehr ein Gasthaus) drückt das so aus: Früher habe man Probleme beim Wirten ausgestritten, heute schaukle sich alles auf, weil ein regelmäßiger Treffpunkt verloren gegangen ist.

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