Große Zukunftspläne: Häusermann investiert kräftig. Neuer Eigentümer nimmt in den nächsten drei, vier Jahren bis zu 17 Millionen für neue Maschinen und Anlagen in die Hand, Umsatz soll von 30 auf 50 Millionen Euro steigen.

Von Rupert Kornell. Erstellt am 01. September 2017 (17:46)
Rupert Kornell
Margret Gleiniger, Geschäftsführerin der KSG Leiterplatten aus Deutschland, die vor knapp zwei Monaten Häusermann zu hundert Prozent erworben hat, will im Einvernehmen mit den beiden Zitternberger Geschäftsführern Rudolf Janesch (links) und Christoph Jarisch in den nächsten Jahren kräftig investieren.

„Wir haben um Häusermann gekämpft“, gibt Margret Gleiniger im Exklusiv-Gespräch mit der Horner NÖN ein klares Bekenntnis ab, „und wir werden in den Standort massiv investieren.“

Die Geschäftsführerin der KSG Leiterplatten GmbH aus Gornsdorf in Sachsen, die am 30. Juni hundert Prozent der Anteile des Garser Leiterplattenherstellers erworben hat – die NÖN berichtete –, ist so wie die beiden heimischen langjährigen Geschäftsführer Rudolf Janesch und Christoph Jarisch sehr zufrieden, dass der Verkauf glatt über die Bühne gegangen ist. Häusermann, so wird versichert, bleibt auch weiterhin eine selbstständige Gesellschaft.

Einschnitt: Von 3.000 Arbeitsplätze auf 120 ...

„KSG stand ursprünglich für ,Kontaktbauelemente und Sondermaschinen Gornsdorf‘, weil aber ,Leiterplatten‘ nicht vorkommt, der Firmenname jedoch seit vielen Jahrzehnten bekannt ist, stehen die drei Buchstaben für Kompetenz, Stabilität, Gründlichkeit“, klärt Gleiniger auf.

Die Firma geht auf eine vor rund 140 Jahren gegründete Strumpffabrik zurück, seit nunmehr bereits 60 Jahren produziert man mit Erfolg Leiterplatten. Den größten Einschnitt gab es nach der Wende 1989 in Deutschland, als von rund 3.000 Arbeitsplätzen nur 120 übrig blieben. „Ich habe damals sogar meinen eigenen Mann entlassen müssen“, so Gleiniger. „Es war eine schwierige Zeit für die gesamte Region.“

Nach der Wende zur Nummer 3 aufgestiegen

Aber man hat nach der Reprivatisierung des staatseigenen Betriebes wieder Fuß gefasst sich durch Qualitätsarbeit und prompte Lieferung einen Status erarbeitet, der nach mehreren Ausbauphasen KSG zum drittgrößten Leiterplattenproduzenten in Deutschland und zum viertgrößten in Europa gemacht hat.

„Und das in einer Zeit“, so Janesch und Jarisch, „wo nach der Jahrtausendwende von 200 Herstellern in Europa nur mehr 70, 80 übrig geblieben sind und das Produktionsvolumen von fünf Milliarden auf etwa 1,5 Milliarden Euro gesunken ist.“ Heute zählt die KSG rund 730 Mitarbeiter, Umsatzziel für dieses Jahr sind 95 Millionen Euro.

Bei der Suche nach Expan sionsmöglichkeiten, die es in Gornsdorf und im Erzgebirge nicht wirklich gegeben hat, ist die KSG auf Häusermann gestoßen, von der ein Mitarbeiter aufgeschnappt hat, dass der Besitzer (GMF – German Mittelstands Fonds) nicht abgeneigt sei, die Firma, die in Fachkreisen einen ausgezeichneten Ruf hat, zu verkaufen.

„In 15 Monaten Verhandlung mit etlichen Pausen ist es uns schließlich geglückt“, betont das Trio. Und lässt mit einer Ankündigung aufhorchen: „Wir wollen in den nächsten drei, vier Jahren etwa 16 bis 17 Millionen investieren!“

„Unser Produkt ist und bleibt auch in Zukunft die Leiterplatte, da sind wir zu Hause, da sind wir kompetent, da wollen wir wachsen.“Margret Gleiniger

Dazu gehöre in erster Linie die Ausstattung der bestehenden Hallen mit Maschinen und Anlagen, eine bauliche Erweiterung stehe im Raum, wenn es notwendig sei, vielleicht in fernerer Zukunft auch eine Vergrößerung des Betriebsgeländes. Das sei allerdings derzeit noch kein Thema. Ziel sei eine Steigerung des Umsatzes bei Häusermann von derzeit knapp 30 auf 50 Millionen Euro.

Natürlich müsse dann auch der Mitarbeiterstand von derzeit ziemlich genau 200 um 20 bis 30 Leute aufgestockt werden. Jarisch: „Wir suchen kompetentes, zuverlässiges Personal, vor allem Fertigungstechniker, aber auch Elektriker oder Mechaniker.“

Im Herbst nächsten Jahres möchte man dann auch Lehrlinge für Fertigungstechniker aufnehmen. Damit ist laut den Verantwortlichen auch jenen Kritikern der Wind aus den Segeln genommen, die vermutet haben, das deutsche Unternehmen möchte sich nur eines Mitbewerbers entledigen …

Und eines steht für Gleiniger, Janesch und Jarisch außer Frage: „Die Produktion in Zitternberg bleibt wie bisher erhalten, auch die Technologie, nur die Menge wird größer.“ Gleinigers klares Bekenntnis: „Unser Produkt ist und bleibt auch künftig die Leiterplatte, da sind wir zu Hause, da sind wir kompetent, da wollen wir wachsen!“