KSG: Neuer Chef hat große Pläne. Der neue Werkleiter der KSG Austria, Kornel Schmidt, will den Umsatz des Zitternberger Leiterplattenherstellers verdoppeln.

Von Rupert Kornell. Erstellt am 21. Juli 2021 (05:12)
Im November 2019 wurde Kornel Schmidt zum Werkleiter des bekannten Leiterplattenherstellers KSG (früher Häusermann) in Zitternberg bestellt, seit dem 1. Mai dieses Jahres ist er Geschäftsführer.
Martin Sommer

Kornel Schmidt, neuer Geschäftsführer des Leiterplattenproduzenten KSG Austria in Zitternberg, hatte an der Technischen Universität Dresden Maschinenbau studiert und konnte in den Bereichen Qualität, Betriebs- und Werkleitung langjährige Erfahrung sammeln. Der 50-Jährige ist gebürtiger Ungar, lebt mit seiner Frau in Krems und pendelt zwischen seinem Wohnort und seinem Arbeitsplatz in Zitternberg hin und her.

NÖN: Wie sind Sie zur KSG gekommen? Wie nach Zitternberg?

Kornel Schmidt: Nach drei Jahren in Deutschland habe ich 2019 eine neue Arbeitsstelle näher an meiner Heimat Ungarn gesucht. So kann ich im Bedarfsfall meine Familie unterstützen. Bei KSG hat man zur selben Zeit hier einen Werkleiter gesucht, mit 4. 11. 2019 habe ich die operative Führung der KSG Austria GmbH übernommen.

Die Zeit der Pandemie war sicher sehr fordernd. Wie wurde sie gemeistert? Gab es Kurzarbeit bzw. Freistellungen? Und wird jetzt wieder „normal“ gearbeitet?

Schmidt: Die besondere Situation hat auch uns vor große Herausforderungen gestellt. Zwei Aspekte mussten vereint betrachtet werden: Schutz unserer Mitarbeiter und die Aufrechterhaltung der Belieferung unserer Kunden. Mit Abstandsregelung, Reduzierung der Kontakte beim Schichtwechsel, Home Office und Besucherregelungen haben wir das Risiko für Kollegen und Kunden minimieren können. Mit der Unterstützung aller Mitarbeiter haben wir die Situation gut gemeistert. Durch digitale Lösungen wie Videokonferenzen oder virtuelle Kundenaudits waren wir in der Lage, die Kommunikation trotz erschwerter Umstände gut voranzutreiben, auch die Kunden haben unsere Vorgehensweise sehr positiv bewertet. Mit Kurzarbeit, die übrigens schon im Februar 2021 beendet wurde, konnten wir unsere Stamm-Mannschaft durch diese schwierige Zeit lotsen. Aus Gerechtigkeitsgründen wurde die Arbeitszeit sowohl in den produktionsnahen Bereichen als auch in den indirekten Bereichen reduziert. Mit dieser Maßnahme konnten wir beinahe alle Mitarbeiter halten und sind jetzt dadurch sofort wieder in der Lage, die seit einigen Wochen kontinuierlich hohen Auftragsvolumen zu stemmen. Wir halten derzeit bei einer Fünf-Tage-Woche mit je drei Schichten.

Es ist ja Tatsache, dass weltweit die Nachfrage nach Leiterplatten riesig ist, merken Sie das auch in Zitternberg?

Schmidt: Unser Auftragseingang in der ersten Jahreshälfte ist deutlich höher als budgetiert. Das fordert uns insofern, als wir von der Kurzarbeit, wo wir nur an vier Tagen produziert hatten, jetzt in ein Arbeitszeitmodell wechseln mussten, wo wir zum Teil auch an den Wochenenden arbeiten, um das hohe Auftragsvolumen bewältigen zu können. Ich bin stolz darauf, dass sich KSG - nicht nur in diesem Punkt - auf seine Mitarbeiter zu 100 Prozent verlassen kann.

Ein Blick in die mechanische Fertigungsanlage. In Zitternberg erarbeiten 210 Mitarbeiter etwa 25 Mio. Euro Umsatz pro Jahr. 
Dirk Rückschloss

Hat die Nachfrage auch Auswirkungen auf den Mitarbeiter-Stand? Nehmen Sie Leute auf? Wenn ja, in welchen Abteilungen?

Schmidt: Wir sind aktuell auf der Suche nach kompetenten, zuverlässigen und flexiblen neuen Mitarbeitern. Aktuell suchen wir Mitarbeiter für Fertigungsteuerung, Produktion, Betriebstechnik, Technologie und für das Auftragszentrum. In diesen Positionen bieten wir unseren neuen Mitarbeitern einen eigenverantwortlichen Tätigkeitsbereich mit umfangreichem individuellen Einschulungs- und Ausbildungsprogramm. Wer technisch interessiert ist und Spaß daran hat, sein Know-how täglich zu erweitern, ist bei KSG genau richtig.

Sind genügend Fachkräfte, die Sie ja benötigen, auf dem Arbeitsmarkt zu finden?

Schmidt: Wie andere Unternehmen in der Region haben auch wir Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden. Es bewerben sich zu wenig technisch Interessierte, dabei nehmen wir durchaus auch einsatzwillige und flexible Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus branchenfremden Lehrberufen auf. Nicht jeder unserer Technologen, Unit- oder Schichtleiter ist gleich ein HTL-Abgänger oder gelernter Elektriker, darunter befinden sich auch ausgelernte Köche, Fleischhauer usw. Wichtig sind vor allem Interesse, Lernbereitschaft und Teamfähigkeit. Die bereits erwähnten Einschulungsprogramme sorgen dafür, dass neue Mitarbeiter auch das notwendige Fachwissen für die Verrichtung ihrer Tätigkeit vermittelt bekommen. Wir bilden bereits seit zehn Jahren Lehrlinge aus, wobei wir aber im Jahr 2018 mit der konsequenten Ausbildung des Berufsbildes „Prozesstechniker“ begonnen haben. Im Herbst 2021 werden wir insgesamt acht Lehrlinge im Unternehmen haben, sieben Prozess-, einen Labortechniker.

Wie man hört, produzieren Sie keine Folientastaturen mehr und konzentrieren sich ganz auf Leiterplatten. Was ist der Grund?

Schmidt: Diese Information entspricht in der Form nicht ganz der Wahrheit. Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass unsere Stärke in der Herstellung der Leiterplatten liegt. Wachstum findet in diesem Bereich statt und wir fokussieren uns mit unseren Kräften, dieses Wachstum voranzutreiben und erfolgreich zu gestalten. Dies fordert auch das Überdenken unseres Geschäftsmodelles. Der Umsatzanteil der Folientastaturen am Gesamtumsatz beträgt ungefähr drei Prozent, da Folientastaturen bei uns ein reines Handelsprodukt sind können wir hier keine Wertschöpfung erzielen und möchten uns daher fortan auf unsere Kernkompetenzen konzentrieren. Aber die Kundenbedarfe mit bestehenden Produkten werden weiterhin bedient, um unsere Verpflichtung erfüllen zu können.

Ein zweites Gerücht: Das Werk in Zitternberg soll ausgebaut werden. Stimmt das?

Schmidt: Die Übernahme durch KSG erfolgte mit dem Ziel, eine Erweiterung der Kapazitäten zu ermöglichen. Diese strategische Entscheidung hat weiterhin seine Gültigkeit, wenn auch durch die Pandemie terminlich leider verschoben. Seit dem Kauf der Firma Häusermann durch KSG im Jahr 2018 wurden am Standort Zitternberg 17 Millionen Euro investiert. Planungen in Richtung kapazitätsmäßige als auch technologische Erweiterungen laufen bereits, um das Ziel 50 Millionen Euro Umsatz - also eine Verdoppelung des derzeitigen Umsatzes am Standort - erreichen zu können.