Kainreith zeigte: Das Thema Wolf geht auch emotionslos. Veranstaltung des Ökologischen Jagdverbandes brachte friedlichen Argumente-Tausch

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 02. März 2018 (04:29)
Martin Kalchhauser
Erfreulich emotionsfrei verlief die Debatte im Saal des Gasthauses Koch, wohin auch zahlreiche Jäger aus der Region Horn gekommen waren.

„Der Wolf ist im Waldviertel angekommen.“ Diese klare Feststellung stellte WWF-Artenschutzexperte Christian Pichler beim Jägerstammtisch des Ökologischen Jagdverbandes (ÖJV) im Gasthaus Koch an die Spitze seiner sachlichen Ausführungen zum Thema.

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Zeigten beim Jägerstammtisch in Kainreith keine Angst vorm bösen (Thema) Wolf: Herbert Kohlross vom Ökologischen Jagdverband (ÖJV), Wildbiologin und Journalistin Karoline Schmidt, Initiator und Moderator Franz Puchegger (ÖJV), Josef Mayerhofer vom NÖ Alm- und Weidewirtschaftsverein, WWF-Artenschutzexperte Christian Pichler und der Forstdirektor der Stadt Wien, Andreas Januskovecz (von links). Fotos: Martin Kalchhauser

„Artenvielfalt: Wolf und/oder Mufflon?“ war der provokante Titel der Veranstaltung, die ÖJV-Obmann Franz Puchegger moderierte. Er sollte suggerieren: Während sich Jäger über Muffelwild freuen, hegen sie gegen den (geschützten) Wolf oft tiefe Abneigung.

Seit 2016 Wölfe am Truppenübungsplatz

130 Jahre nach seiner vermeintlichen Ausrottung hat er sich 2016 wieder ins Waldviertel ausgebreitet. Acht bis zehn Tiere, die am TÜPL heimisch sind, machen immerhin rund die Hälfte des Wolfs-Bestandes in ganz Österreich aus. Seit Dezember 2012 bereits gebe es einen Wolf-Managementplan, Hysterie sei unangebracht. Es könne Probleme geben, meinte Herbert Kohlross vom ÖJV. „Panikmache ist unangebracht, aber Risse und Schutzmaßnahmen wie Zäune muss die öffentliche Hand tragen.“

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Machte mit Bildern gerissener Weidetiere auf die Problematik aufmerksam: Josef Mayerhofer vom Alm- und Weidewirtschaftsverein.

„Der Wolf ist nie ausgerottet, er ist nur zurückgedrängt worden!“, meinte Josef Mayerhofer vom Weidewirtschaftsverein NÖ, der auf großformatigen Bildern Wolfsrisse dokumentierte. Er erntete Verständnis für seine Befürchtungen und wirtschaftliche Sorgen seiner Berufskollegen. Wildbiologe Martin Forstner äußerte die Befürchtung, dass der Wolf bei mangelndem „Jagddruck“ die Scheu verlieren und auf Beutesuche auch verstärkt in Siedlungsnähe kommen könnte.

Andreas Januskovecz, Forstdirektor der Stadt Wien, brachte seinen Unmut darüber zum Ausdruck, dass viele andere dringende Jagdthemen – etwa zu hohe Schalenwildbestände – vom emotionalen Thema Wolf überlagert würden. „Das wird auch strategisch eingesetzt!“ Auch der Geraser Jäger und Forstexperte Wolfgang Riener appellierte ebenfalls, die Kirche im Dorf zu lassen: „250 bis 300 Quadratkilometer, die ein Wolf bei uns hat, wird er nicht leerfressen!“

Landeskammerrat Daniel Heindl war mit Januskovecz einig, dass man „die Politik in die Verantwortung nehmen“ müsse, strich aber hervor, dass Entschädigungen derzeit „Kulanzlösungen“ seien. „Wenn ein Tier gerissen wird und der Wolf als Täter erwiesen ist, bekomme ich vielleicht etwas. Hunde oder Vorkehrungen wie Zäune werden nicht bezahlt!“

Moderator Puchegger konnte am Ende der „Wolfs-Debatte“ eine erfreuliche Bilanz ziehen: Zum Thema gibt es in Jagd- und Bauernkreisen einige Differenzen. In Kainreith wurden diese ausschließlich friedlich zum Ausdruck gebracht.