Flüchtlingsdrama: Prozess wird am 22. März fortgesetzt. Bei einem weiteren Verhandlungstag gegen die Schlepperbande, die für den an der A4 bei Parndorf entdeckten Erstickungstod von 71 Flüchtlingen verantwortlich sein soll, wurden in der ungarischen Stadt Kecskemet am Freitag erneut Abhörprotokolle abgespielt.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 09. März 2018 (16:46)
APA/Georg Hochmuth

Im Mittelpunkt standen Schlepperfahrten der Angeklagten im August 2015, deren Routen und Ziele.

Außerdem geht aus den Protokollen hervor, dass die Schlepper immer größere Gewinne machten, indem sie die Zahl der Transporte und Flüchtlinge sukzessive erhöhten. Hinsichtlich der Schlepperfahrt im August 2015, bei der die 71 Flüchtlinge erstickten, schoben sich der afghanische Erstangeklagte und der bulgarische Viertangeklagte als Chauffeur des Todes-Lkw im Verhandlungssaal die Schuld für die Tragödie gegenseitig zu. Der Bulgare behauptete, er habe das Klopfen aus dem Laderaum des Kühl-Lkw gehört, habe jedoch auf Befehl des Erstangeklagten nicht angehalten. Der Bandenchef wies diese Darstellung zurück.

Der Prozess wird am 22. März mit dem Abspielen weiterer Abhörprotokolle fortgesetzt, berichtete die ungarische Nachrichtenagentur MTI. Laut dem Richter könne der Prozess noch mehrere Monate andauern.

Angeklagt sind insgesamt 14 Personen - elf Bulgaren, zwei Afghanen sowie ein bulgarisch-libanesischer Staatsbürger. Sie sollen die Schuld für den Erstickungstod der Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, dem Iran und dem Irak tragen. Unter den 71 Todesopfern waren vier Kinder. Drei der 14 Angeklagten sind noch auf der Flucht. Seit Juni 2017 wird in Kecskemet verhandelt.