Anwalt schloss Verfahrensende für heuer aus. Ein Anwalt im A4-Flüchtlingsdrama hat im Gespräch mit der APA ausgeschlossen, dass das Verfahren noch in diesem Jahr zu Ende geführt wird. "

Von Redaktion, APA. Erstellt am 21. Juni 2017 (15:51)
APA/Georg Hochmuth

"Das ist ausgeschlossen. (...) Es müssen ja die Aussagen von mindestens zweihundert Zeugen verlesen werden", sagte Miklos Magony am Mittwoch im Anschluss des ersten Prozesstages in Kecskemet. "Es gibt unglaubliche Mengen an Ermittlungsakten."

Das Gericht hatte zuvor angekündigt, dass ein Urteil noch vor Jahresende gefällt werden dürfte. Vor dem Richter mussten sich seit Mittwoch zehn Männer, großteils Bulgaren, verantworten - eine elfte Person ist flüchtig. Anführer der Schlepperbande und Hauptangeklagter ist ein 30-jähriger Afghane. Ihm und drei der Bulgaren wird unter anderem vorgeworfen, schuld am Erstickungstod von 71 Flüchtlingen in einem Kühl-Lkw im August 2015 gewesen zu sein.

Magony, der Pflichtverteidiger des Zweitangeklagten, eines 30-jährigen Bulgaren, war nach eigener Aussage bestellt worden, weil er selbst bulgarisch spricht. Er verwies nach dem ersten Verhandlungstag auch auf die großen Sprachprobleme im Verfahren: "Es gibt keinen einzigen Ungarn unter ihnen. Die Verhandlung wird aber in Ungarn geführt. Das Dolmetschen ist schrecklich, jedem muss übersetzt werden. Wie soll denn der afghanische Angeklagte seine Anmerkungen zu den auf bulgarisch gemachten Aussagen abgeben?", meinte der Anwalt.

Der Hauptangeklagte hatte sich während der Verhandlung mehrmals über die Verständlichkeit der Paschtunisch-Dolmetscherin beschwert und einen anderen Dolmetscher gefordert.

Auf die Frage, wie sich sein Mandant verantworten wird, berichtete der Anwalt: "Natürlich hat ihn der Tod von 71 Menschen berührt. Er hat ja selbst Familie und Kinder." Dem 30-Jährigen wird u.a. Anstiftung zur Tötung der Flüchtlinge vorgeworfen. Er soll gemeinsam mit dem Hauptangeklagten den Fahrer des Kühl-Lkws und einen Begleiter angewiesen haben, mit dem Lkw nicht zu halten und die Türen nicht zu öffnen, obwohl die Migranten in dem Fahrzeug verzweifelt schrien und klopften. Der 30-jährige Bulgare soll morgen, Donnerstag, vor Gericht aussagen.

Die 71 Menschen, darunter auch vier Kinder, erstickten nach Angaben der Staatsanwaltschaft innerhalb von eineinhalb bis zwei Stunden noch auf ungarischem Staatsgebiet. Der Lkw wurde nach Überqueren der österreichischen Grenze in einer Pannenbucht an der A4 in der Nähe von Parndorf abgestellt.