Diesel-"Gipfel" in Wien am 22. August. Der für Ende August von Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ) avisierte "Dieselgipfel" in Wien findet am 22. August statt. Es treffen sich der Arbeitskreis der Automobilimporteure und der Minister, "um konkrete Maßnahmen in Österreich nach dem deutschen Dieselgipfel zu besprechen", wie das Verkehrsministerium am Donnerstag auf Anfrage mitteilte.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 10. August 2017 (12:28)
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Der Abgasskandal führt zu einem weiteren Diesel-"Gipfel"

Demnach geht es unter anderem um eine Umstiegsprämie beim "Kauf von emissionsarmen Dieselfahrzeugen" und den Rückruf von Autos in die Werkstatt, um Software-Updates durchzuführen, heißt es in der Aussendung. Das wären Ergebnisse nach Fasson des bereits abgehaltenen Dieselgipfels in Deutschland. Grund für die Treffen ist der Abgasskandal bei Dieselmotoren vor allem bei VW aber auch bei weiteren Autobauern. Beim Gipfel sollen neben Vertretern deutscher Autokonzerne auch jene von Herstellern aus Frankreich, Südkorea, Japan und Spanien teilnehmen.

"Ich erwarte von den Autokonzernen, dass sie konkrete Maßnahmen für die Österreicherinnen und Österreicher präsentieren", so Leichtfried. "Das Mindeste ist, dass die Hersteller für Österreich dieselben Zusagen machen wie in Berlin, etwa eine Umstiegsprämie und das Software-Update. Mein Ziel ist, dass alle Menschen, die im guten Glauben ein Diesel-Auto gekauft haben, keinerlei Schaden davontragen", so der sozialdemokratische Politiker.

Ein weiteres Thema des Gesprächs sind erste Vorbereitungen zur "Abgasstrategie 2030", die im Herbst mit den Bundesländern und Nicht-Regierungsorganisationen erarbeitet werden soll und aus Sicht von Leichtfried nach den Wahlen Thema von Koalitionsverhandlungen sein soll. Uhrzeit und Ort blieben fürs Treffen am 22. August vorerst noch offen.

Unterdessen gibt es auch in Österreich Kritik an der von Autofirmen in Deutschland versprochenen Prämie für den Umstieg von alten Diesel-Fahrzeugen auf neuere Autos: Christian Gratzer, Chef des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) geht davon aus, dass Autos dadurch nicht billiger werden, da die Umstiegsprämie nur andere Rabatte ersetzen werde. Aber auch die Umweltbilanz beim Umstieg auf neue Diesel-Fahrzeuge sei nicht gut.

VW gewähre die höchste Prämie für den Umstieg auf einen 2,2 Tonnen schweren Geländewagen, sagte Gratzer im "ORF-Morgenjournal". "Ein 2,2 Tonnen Geländewagen kann nicht umweltfreundlich sein." Ganz allgemein würden aber viele der modernsten Diesel-Fahrzeuge (Euro-6) in der Realität ein Vielfaches der am Prüfstand gemessenen Schadstoffe ausstoßen, der Unterschied zu älteren Diesel-Pkw (Euro-4) sei "ein sehr geringer". Auch aus diesem Gesichtspunkt sei der Nutzen also gering.

Ziel müsse die Verbesserung der Luft in den Städten sein, die Nachrüstung mit einer Hardware für eine wirksame Abgasreinigung hätte einen größeren Nutzen, sowohl für die Gesundheit als auch für die Umwelt. "Die Software-Nachrüstung hat wenig Nutzen", so Gratzer. Bisher hat die deutsche Autoindustrie lediglich eine neue Software für Diesel-Fahrzeuge versprochen. "Es braucht eine Abgasreinigung, die permanent funktioniert." Klar sei, dass die Hersteller die Nachrüstung bezahlen müssten. Die technischen Möglichkeiten seien vorhanden.

Die für Österreichs Wirtschaft wichtige Zulieferindustrie sollte sich darauf einstellen, wie die Zukunft ausschaut. "Wenn wir uns nicht rechtzeitig darauf umstellen, auf die Zukunft der Mobilität, auf die zukünftigen Antriebstechnologien, dann werden Arbeitsplätze gefährdet". "Unter anderem" gehe es dabei um Elektroautos. "In der Gesamtbilanz, inklusive der Herstellung, inklusive des Recyclings, inklusive des Fahrens" seien Elektroautos "um ein Vielfaches besser, wenn sie mit Strom aus erneuerbarer Energie angetrieben werden". Diese Chance solle Österreich nutzen.

Dieselskandal hin oder her - an der Zapfsäule ist die Krise noch nicht angekommen. Der Verbrauch an Diesel ist im Gegenteil gestiegen, während etwas weniger Benzin an den Tankstellen des Landes nachgefragt wurde. Urlaubsfahrten der Europäer mit dem (Diesel-)Pkw sowie die brummende Wirtschaft, seien dafür die Auslöser, meint Christoph Capek, Geschäftsführer des FVMI.

Der Fachverband der Mineralölindustrie (FVMI) hat erhoben, dass im ersten Halbjahr rund vier Milliarden Liter Diesel und eine Milliarde Liter Benzin getankt wurden. Der Dieselverbrauch legte im Vergleich zum ersten Halbjahr 2016 um vier Prozent zu, während der Benzinverbrauch um etwa ein Prozent fiel.