Wettbewerbshüter genehmigen Millionen-Kredit. Die EU-Kommission hat den Weg für einen umstrittenen staatlichen Kredit über 150 Mio. Euro für die insolvente deutsche Fluggesellschaft Air Berlin, Mutter von Niki Luftfahrt, frei gemacht. Die Zahlung stehe im Einklang mit EU-Recht, teilten die Brüsseler Wettbewerbshüter am Montag mit. Die Airline soll damit die kommenden Monate bis zu einem Verkauf überbrücken können.

Von APA Red. Erstellt am 04. September 2017 (14:42)
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Die finanzmarode Fluglinie hat einige Interessenten

Die verlustreiche Air Berlin hatte mitten in der Ferienzeit Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Seitdem hat die Airline ihr Langstrecken-Angebot gestutzt, Passagiere müssen umbuchen. Die EU-Kommission teilte nun mit, dass durch den Kredit die geordnete Abwicklung von Air Berlin gewährleistet werde, ohne den Wettbewerb übermäßig zu verfälschen.

Entscheidend dafür sei, dass der Kredit nur in Tranchen ausgezahlt werde. Die Fluggesellschaft müsse dabei ihren Finanzbedarf jede Woche nachweisen, neue Kredittranchen sollen jeweils erst dann frei gegeben werden, wenn alle Mittel aufgebraucht sind. Deutschland müsse zudem sicherstellen, dass der Kredit vollständig zurückgezahlt werde oder einen Abwicklungsplan für Air Berlin vorlegen.

Der Staatskredit der deutschen Regierung ist hoch umstritten. Ryanair-Chef Michael O'Leary hatte die Staatshilfe als indirekte illegale Hilfe für die Lufthansa kritisiert, deren Marktanteil bei einer Übernahme auf Inlandsstrecken auf 95 Prozent steigen würde. Air Berlin verhandelt als zweitgrößte deutsche Airline derzeit mit dem Marktführer Lufthansa und weiteren Interessenten über den Verkauf von Unternehmensteilen.

Der Bieterkreis für die Air Berlin wächst unterdessen: Der Berliner Unternehmer Alexander Skora will die Fluggesellschaft gemeinsam mit internationalen Investoren erwerben, wie er am Montag mitteilte. Dem "Handelsblatt" zufolge ist auch der frühere EnBW-Chef Utz Claassen als Investor im Gespräch.

Mitbieten will Skora, der Eigentümer des Hostels Happy Go Lucky in Berlin, gemeinsam mit einem Konsortium aus israelischen, kanadischen und US-Investoren. Dabei will er die Airline unter anderem zu ihrem Basisgeschäft mit Strecken nach Mallorca und zu anderen Zielen zurückführen. So könne Air Berlin "reduziert weiterfliegen" und "nach und nach wieder wachsen", erklärte er. Außerdem strebt Skora eine Art Auktionsmodell mit einem Mindestpreis für die Tickets an.

Interesse hat nach Recherchen des "Handelsblatts" außerdem der frühere Chef des Energiekonzerns EnBW, Claassen. Demnach prüft er bereits Geschäftszahlen des Unternehmens. Konkreter wollte sich Claassen im "Handelsblatt" nicht äußern. Er betonte aber, es gebe "immer irgendwo restrukturierungswillige und -fähige Investoren - jedenfalls dann, wenn sie nicht schon vorab durch politisches Gepolter verschreckt werden".

Claassen kritisierte die Einmischung der Politik in das Insolvenzverfahren als "dumm und inakzeptabel". Der Insolvenzverwalter müsse im Sinne der Gläubigerinteressen handeln und nicht im Sinne parteipolitischer Wahlkampfinteressen, sagte er. Spitzenpolitiker hatten in der Vergangenheit bereits ihre Präferenz für die interessierte Lufthansa erkennen lassen.

Arbeitnehmervertreter sorgen sich vor allem um die Jobs der gut 8.000 Mitarbeiter von Air Berlin. Müller und Laschet trafen dazu am Montag in Berlin Vertreter der Gewerkschaft Verdi und des Betriebsrats von Air Berlin von den Standorten Berlin und Düsseldorf.