Ermittler gehen von Islamisten-Zelle aus. Hinter den Terrorattacken von Barcelona und Cambrils mit 14 Toten steckt nach Vermutungen der spanischen Ermittler eine organisierte Zelle von Islamisten.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 18. August 2017 (17:51)
APA/dpa/ag.
Trauer auf der Flaniermeile Las Ramblas nach dem Anschlag

Nach dem Haupttäter, der auf Barcelonas Flaniermeile La Rambla mit einem Lieferwagen in Gruppen von Passanten gerast war, wurde am Freitag noch gefahndet. Vier mutmaßliche Terroristen wurden festgenommen.

Mehr als 100 Verletzte

In Barcelona kamen 13 Menschen bei dem Anschlag zu Tode, mehr als 100 wurden verletzt. Wenige Stunden später wurde im Badeort Cambrils rund 100 Kilometer weiter südlich eine Frau von flüchtenden Terroristen getötet. Die Polizei erschoss in der Touristenhochburg an der Costa Dorada (Goldküste) fünf mutmaßliche Mitglieder der Terrorzelle und verhinderte damit einen weiteren Anschlag.

Bei dem Anschlag in Barcelona wurde auch eine Österreicherin leicht verletzt. Die Opfer der Anschläge kommen aus mindestens 35 Ländern. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag von Barcelona laut ihrem Sprachrohr Amaq für sich.

Die Attacken in Barcelona und Cambrils waren nach Ansicht der Sicherheitskräfte nicht das Werk von Einzeltätern, sondern eines organisierten Kommandos. Die katalanische Polizei teilte mit, zwischen beiden Verbrechen bestünde ein Zusammenhang. Die Terroristen hätten die Attacken vermutlich seit längerer Zeit in der kleinen Ortschaft Alcanar vorbereitet.

Explosion in Wohnhaus

In der Gemeinde mit knapp 10.000 Einwohnern südlich von Tarragona war am Mittwoch bei einer Explosion in einem Wohnhaus ein Mensch ums Leben gekommen. Dort sollen nach Informationen der Zeitung "El Pais" etwa 20 Gasflaschen gelagert worden sein. "Alles begann in Alcanar", titelte das angesehene Blatt. Die Polizei gehe davon aus, dass der Terrorzelle etwa zwölf Mitglieder angehörten. Diese hätten einen noch größeren Anschlag geplant.

In Cambrils hatten fünf Terroristen nach Angaben der Polizei kurz davor gestanden, einen ähnlichen Anschlag wie in Barcelona zu verüben. Die fünf Männer ergriffen die Flucht, als sie mit ihrem Auto von der Polizei gestoppt wurden. Die Verdächtigen seien davongerast und hätten Passanten angefahren, hieß es. Dabei wurden sieben Menschen verletzt, eine Frau starb später. Auf der Flucht kippte das Fahrzeug um.

Nach Angaben der Polizei verließen die Insassen mit Äxten und Messern bewaffnet das Fahrzeug. Zunächst hatte es geheißen, die fünf Männer hätten Sprengstoffgürtel getragen. Diese erwiesen sich später jedoch als Attrappen, teilte die katalanische Polizei mit. Ein einzelner Beamter habe vier der fünf Männer erschossen. Ein Kollege habe den fünften Verdächtigen getötet.

Der Attentäter von Barcelona, der zunächst entkommen war, könnte nach jüngsten Erkenntnissen der katalanischen Polizei womöglich bei dem Polizeieinsatz in Cambrils erschossen worden sein. "Die Untersuchung geht in diese Richtung, es gibt mehrere Indizien, aber wir haben keinen konkreten Beweis", sagte ein Polizeisprecher am Freitag vor Journalisten in Barcelona.

Vier mutmaßliche Terroristen festgenommen

In Ripoll 100 Kilometer nördlich von Barcelona, in Cambrils und in Alcanar nahm die Polizei bis Freitag vier mutmaßliche Terroristen fest. Keiner von ihnen sei bis dahin durch terroristische Aktivitäten in Erscheinung getreten, teilten die Sicherheitskräfte mit. Der Haupttäter von Barcelona war offensichtlich nicht unter den Festgenommenen. Bei dem Mann könnte es sich nach übereinstimmenden Berichten der spanischen Presse um den 17-jährigen Moussa Oukabir aus Ripoll handeln. Dafür gab es aber keine offizielle Bestätigung.

Der Marokkaner, dessen Alter von einigen Zeitungen auch mit 18 Jahren angegeben wurde, soll nach der Todesfahrt zu Fuß geflüchtet sein. Er soll nach diesen Informationen seinem älteren Bruder Driss dessen Pass gestohlen und unter dessen Namen den Transporter angemietet haben. Dies habe Driss Oukabir nach seiner Festnahme gegenüber der Polizei bestätigt, hieß es.

Schweigeminute in Barcelona

Seit vergangenem Sommer war es in Europa wiederholt zu Anschlägen mit Fahrzeugen gekommen. Im Juli 2016 raste ein Attentäter mit einem Lkw in Nizza in eine Menschenmenge. 86 Menschen starben. Beim Anschlag mit einem gekaperten Laster auf den Berliner Weihnachtsmarkt wurden im Dezember 2016 zwölf Menschen getötet. Im Frühjahr 2017 gab es zudem tödliche Attacken mit Fahrzeugen in London und Stockholm.

Barcelona gedachte der Opfer mit einer Schweigeminute. Auf der berühmten Placa de Catalunya versammelten sich am Freitag um 12 Uhr unter anderem auch Spaniens König Felipe VI. und Ministerpräsident Mariano Rajoy sowie zahlreiche weitere Politiker und Behördenvertreter. Auch in Wien wurde bei der Vertretung Kataloniens in Österreich zu Mittag eine Schweigeminute für die Opfer der Terroranschläge abgehalten.