1.000 arbeitslose Flüchtlinge auf Jobmesse in Wien. Rund 31.500 anerkannte Flüchtlinge sind derzeit auf Arbeitssuche. Über 1.000 von ihnen haben am Dienstag die von der Regierung initiierte Jobmesse in Wien besucht. Ein Ziel war es, mehr Arbeitssuchende von Ost- nach Westösterreich zu vermitteln. Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) verwies bei der Eröffnung darauf, dass zwei Drittel der arbeitslosen Asylberechtigten in Wien leben.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 03. März 2020 (14:32)
Derzeit sind etwa 35.000 Asylberechtigte auf Arbeitssuche”
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Bereits im Vorjahr hatte die Bundesregierung eine Jobmesse für Flüchtlinge in der Wiener Gösserhalle in Zusammenarbeit unter anderem mit dem Arbeitsmarktservice (AMS), der Wirtschaftskammer (WKÖ) und der Industriellenvereinigung (IV) in Wien-Favoriten veranstaltet. Aschbacher zeigte sich mit den Ergebnissen der vorjährigen Messe zufrieden. Nach einem halben Jahr hätten knapp die Hälfte der Jobbörse-Besucher einen Job gefunden, sagte die Arbeitsministerin am Dienstag. Auch die Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) will mehr arbeitslose Asylberechtigte zu einem Ortswechsel motivieren. "Während es in Westösterreich viele offene Stellen gibt, ist im Osten - vor allem in Wien - die Arbeitslosigkeit viel höher", so Raab bei der Jobmesse.

Wirtschaftskammer-Chef Harald Mahrer appellierte auch an die Arbeitssuchenden, Jobs in Westösterreich ins Auge zu fassen. Es gebe "große Chancen im Westen", sagte Mahrer bei der Eröffnung der Messe. Für IV-Generalsekretär Christoph Neumayer sind die Sprachkenntnisse der Asylberechtigten "für Arbeit in den Betrieben entscheidend". AMS-Vorstand Johannes Kopf verwies darauf, dass 2019 pro Monat noch immer rund 600 bis 900 anerkannte Flüchtlinge - nach dem positiven Abschluss der Verfahren - neu auf den Arbeitsmarkt gekommen seien. Ende Februar waren 26.820 Asylberechtigte und 4.729 subsidiär Schutzberechtigte ohne Job. Das entspricht einem Rückgang von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Rund 50 Unternehmen und Organisationen waren am Dienstag bei der Jobmesse vor Ort, unter anderem A1, Porr, ÖBB und Strabag. Besonders großer Andrang herrschte bei den Ständen von Rewe (u.a. Billa, Merkur, Bipa), beim Möbelhändler Ikea und der Zeitarbeitsfirma Trenkwalder. Bei der ÖBB werden in den nächsten fünf Jahren aufgrund von Pensionierungen rund 10.000 Stellen frei. Eine Einstiegsposition mit kurzer Ausbildung seien etwa Verschieber und Wagenmeister, sagte eine ÖBB-Personalerin zur APA. Bei Falkensteiner Hotels sind österreichweit aktuell 70 Positionen offen und die Weitzer-Hotels-Gruppe sucht 20 Mitarbeiter.

Bei der Jobbörse wurden ein Asylberechtigter und ein Unternehmen mit einem Anerkennungspreis für hervorragende Leistungen im Rahmen der überregionalen Arbeitsaufnahme ausgezeichnet. Norman Yousef übersiedelte für eine Kochlehre im Designhotel Haus Hirt in Bad Gastein von Wien nach Salzburg. "Er hat seine Chance genützt und ist damit Vorbild für so viele junge Menschen, die eine Lehrstelle oder einen Arbeitsplatz suchen", so Arbeitsministerin Aschbacher. Fünf anerkannte Flüchtlinge absolvieren eine Kochlehre im Haus Hirt. Sie hätten sich gegenseitig geholfen, sagte eine Hotelvertreterin. Diese Community sei hilfreich bei der Integration gewesen.

Das Arbeitsmarktservice versucht mit mehreren Initiativen, Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigen den Ortswechsel nach Westösterreich schmackhaft zu machen. "Wir müssen Saisonarbeit erklären. Das ist nicht trivial", so Kopf. Das AMS betreibt etwa ein Übungshotel im Salzburger Pongau, wo zwei bis sechsmonatige Tourismusausbildungen gemacht werden können. Anerkannte Flüchtlinge würden einen Job vor allem im Handel, Tourismus, der Landwirtschaft und bei Zeitarbeitsfirmen finden. Die Integration der Asylberechtigten in den Arbeitsmarkt sei noch immer "eine große Aufgabe", aber keine "Herkulesaufgabe" wie noch vor ein paar Jahren, so der AMS-Chef.

Am Rande der Messe brachten die Ausbreitung des Coronavirus und die leicht rückläufige Konjunktur das Thema Kurzarbeit wieder auf die Tagesordnung. Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl forderte, dass dafür im AMS-Budget 2020 ausreichend vorgesorgt wird. "Im Budget 2020 des Arbeitsmarktservice sind dafür 20 Millionen Euro eingeplant. Diese Summe ist faktisch bereits ausgeschöpft", warnte sie am Dienstag.

Sie appellierte an Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) dafür einen Budgetrahmen von 150 Mio. Euro für das AMS bereitzustellen. "Für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist Kurzarbeit bereits Realität, für andere kann sie in der nächsten Zeit Wirklichkeit werden", so die Arbeiterkammer-Präsidentin.