Nordkorea provoziert mit neuem Raketentest. Nordkorea hat am Dienstag erneut militärische Stärke demonstriert. Das kommunistische Pjöngjang schoss eine Mittelstreckenrakete ab, die fast 1000 Kilometer weit in Richtung Japan flog. Umgehend folgten scharfe Proteste aus Seoul und Tokio, US-Präsident Donald Trump nahm erneut Peking in die Pflicht. UNO-Resolutionen verbieten Nordkorea den Test ballistischer Raketen.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 04. Juli 2017 (12:45)
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Neuer Raketentest sorgt für Ärger in Südkorea, Japan und den USA

Nach nordkoreanischen Angaben hat die Rakete nach dem Start eine Höhe von 2.802 Kilometern erreicht und sei 933 Kilometer weit geflogen. Das Geschoß vom Typ Hwasong-14 habe sein Ziel nach genau 39 Minuten Flugzeit präzise getroffen. Machthaber Kim Jong-un habe den Start persönlich verfolgt.

Zuvor hatten bereits die südkoreanischen Streitkräfte mitgeteilt, dass das Nachbarland im Westen des Landes eine ballistische Rakete abgefeuert habe, die rund 930 Kilometer in Richtung des Japanischen Meers geflogen sei. Südkorea schließe nicht aus, dass es eine Interkontinentalrakete gewesen sein könnte, sagte Präsident Moon Jae-in in Seoul bei einem Treffen des Nationalen Sicherheitsrats.

Mit dem Test einer Interkontinentalrakete wäre eine neue Eskalationsstufe im Streit um Nordkoreas Atomprogramm erreicht, der als einer der gefährlichsten Konflikte weltweit gilt. Als Interkontinentalraketen gelten Raketen mit einer Reichweite von mehr als 5.500 Kilometern. Sie werden üblicherweise mit Atomsprengköpfen bewaffnet und folgen nach Verlassen der Erdatmosphäre einer ballistischen Flugbahn.

Das weithin isolierte Nordkorea arbeitet seit Jahren an solchen Raketen, die auch die USA erreichen können. Anchorage in Alaska ist 6.000 Kilometer von Pjöngjang entfernt, Berlin knapp 8.000 Kilometer.

Russland hat allerdings nordkoreanischen Angaben über den Test einer Interkontinentalrakete widersprochen. Das Verteidigungsministerium in Moskau gehe davon aus, dass lediglich eine Mittelstreckenrakete erprobt worden sei, meldete die Nachrichtenagentur RIA am Dienstag. Das Geschoß habe demnach eine Höhe von 535 Kilometer erreicht und sei etwa 510 Kilometer weit geflogen, ehe es vor Japan ins Meer gestürzt sei.

Der jüngste Test erfolgte vor den Feiern zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli in den USA und wurde auch als Warnsignal an die Regierung in Washington verstanden, der Nordkorea eine feindselige Politik unterstellt. Das bestreitet Washington. US-Präsident Donald Trump hatte mehrfach mit Alleingängen in dem Konflikt gedroht und auch militärische Aktionen nicht ausgeschlossen. Nach dem jüngsten Test twitterte Trump jedoch, vielleicht werde China Maßnahmen gegen Nordkorea ergreifen, um "diesen Unsinn" zu beenden.

Tokio warf der isolierten Führung in Pjöngjang Provokation vor und erklärte, zusammen mit den USA und Südkorea mehr Druck auf Nordkorea ausüben zu wollen. Ministerpräsident Shinzo Abe rief zugleich die Präsidenten Chinas und Russlands, Xi Jinpin und Wladimir Putin auf, beim G-20 Gipfel am kommenden Wochenende in Hamburg eine "konstruktive" Rolle im Konflikt mit Nordkorea zu spielen. In Südkorea berief Präsident Moon Jae-in nach dem Raketentest im Nachbarland - wie üblich in diesen Fällen - den nationalen Sicherheitsrat ein.