Thiem: "Die Niederlage tut nicht wirklich weh". Es ging um 200 ATP-Punkte und weitere 153.000 US-Dollar Preisgeld zusätzlich. Doch der bereits als Halbfinalist feststehende Dominic Thiem hat am Donnerstag bei den ATP Finals in London nicht die nötige Intensität gefunden. Nach Siegen über Stefanos Tsitsipas (GRE) und Rafael Nadal (ESP) verlor der 27-jährige Niederösterreicher sein drittes Match in Gruppe "London 2020" gegen den Russen Andrej Rublew nach 74 Minuten relativ glatt mit 2:6,5:7.

Von APA / NÖN.at Update am 19. November 2020 (18:44)
So wird Thiem Rafael Nadal im ATP-Ranking nicht überholen
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Gedanken, dass er für das nun bevorstehende Halbfinale gegen den Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic (SRB-1) oder Alexander Zverev (GER-5) Kräfte sparen müsse, habe er aber nicht gehabt. "Das war überhaupt nicht meine Denkweise. Ich wollte das Match unbedingt gewinnen, aber ehrlich gesagt, diese ganze Intensität und wie ich am Platz sein muss, um diese Gegner da zu schlagen, die kommt irgendwie automatisch", erklärte Thiem in seiner Video-Pressekonferenz. Diese Intensität sei einfach nicht da gewesen.

"Ich wollte die 200 Punkte auch haben, aber andererseits tut die Niederlage auch nicht wirklich weh, so ehrlich bin ich auch", gestand der US-Open-Sieger. Würden nur ein paar Kleinigkeiten nicht passen, wären die Gegner in London einfach zu stark. "Dann passiert so eine Zwei-Satz-Niederlage."

Seinen Halbfinal-Gegner wird Thiem erst am späteren Freitagnachmittag kennen: Er trifft auf den Gruppenzweiten im Pool "Tokio 1970". Dieser zweite Platz im Halbfinale neben dem zweiten Pool-Sieger Daniil Medwedew (RUS) wird am Freitag (nicht vor 15.00 Uhr MEZ) zwischen Djokovic und Zverev ermittelt.

Dieses Match wollte sich Thiem am Freitag in aller Ruhe in der O2-Arena anschauen, auch das Doppel mit Jürgen Melzer wollte er live beobachten. Dass er nun als Gruppensieger gegen den möglichen Gruppenzweiten Djokovic schon im Halbfinale drankommen könnte, stört Thiem nicht. "Jeder Spieler hier ist großartig. Es spielt keine Rolle, gegen wen ich spiele, ich muss wieder so spielen wie in den ersten Gruppenmatches." Auf den Gegner habe er ohnehin keinen Einfluss und auch keine Präferenz, meinte der 17-fache Turniersieger aus Lichtenwörth.

Als Favorit sehe er sich in jedem Fall "überhaupt nicht". "Fast alle Matches bei diesen Finals sind ziemlich offen, der Spieler, der den besseren Tag hat, wird als Sieger rausgehen. Das ist auch für beide Semifinali so." Aus Thiems Sicht gibt es, auch aufgrund der bisherigen Performances, "keinen großen Titel-Favoriten".

Thiem ließ gegen Rublew vor allem im ersten Satz die letzte Konsequenz vermissen. Da lag er nach zwei Aufschlagverlusten und nur 19 Minuten schon mit 1:5 zurück. Satz eins war nach 24 Minuten Geschichte. Im zweiten Durchgang egalisierte der Weltranglisten-Dritte ein zum 1:2 erhaltenes Break zwar noch zum 4:4, doch zum 5:6 verlor er neuerlich sein Service und Masters-Debütant Rublew servierte zu seinem einzigen Sieg in der Gruppe aus.

Nach dieser Niederlage steht jedenfalls fest, dass Thiem selbst mit einem Turniersieg den zweitplatzierten Nadal im ATP-Ranking nicht mehr überholen kann. Dazu hätte er ohne Niederlage Champion werden und Nadal zudem das Abendmatch am Donnerstag gegen Tsitsipas verlieren müssen. Thiems 300. Sieg auf der ATP-Tour wurde vertagt, er hofft nur bis Samstag. Österreichs "Sportler des Jahres" wird in jedem Fall als Nummer 3 im ATP-Ranking in die neue Saison starten.

Ein Start, der wegen der Coronakrise nun vielleicht sogar ohne Vorbereitungsturnier auf die Australian Open in Szene geht. Die Regierung will die Einreise der Spieler möglicherweise doch erst Anfang Jänner erlauben. "Wenn das passiert, dann würde es ähnlich wie vor den US Open sein", erinnerte Thiem darauf angesprochen. Da habe es davor zwar ein von Cincinnati nach New York verlegtes Event gegeben. "Aber ich habe dort gleich klar verloren", sagte er lachend. "Ich hoffe, dass die Australian Open überhaupt stattfinden. Wenn ohne ein Turnier davor, müssen wir damit leben."