Erstellt am 18. Januar 2017, 13:15

von APA Red

Serie von Erdstößen in Mittelitalien. Mittelitalien ist am Mittwochvormittag von mehreren Erdstößen erschüttert worden, deren Epizentren in den bereits im August und Oktober von schweren Beben betroffenen Gebirgsregionen lagen. Die jüngsten Beben waren auch in Rom und Florenz deutlich zu spüren. Ersten Meldungen zufolge gab es Sachschäden.

Die Region war bereits im August von einem verheerenden Beben erschüttert worden  |  APA (AFP)

Davon betroffen war der Ort Amatrice, dessen mittelalterliches Zentrum bereits durch das Beben am 24. August weitgehend zerstört worden war. In dem Ort stürzten mehrere beschädigte Gebäude ein. In dem Gebiet sind damals fast 300 Menschen ums Leben gekommen. "Ich begreife nicht, warum wir so bestraft werden", meinte der Bürgermeister von Amatrice, Sergio Pirozzi, sichtbar mitgenommen.

Die beiden ersten Erdstöße am Vormittag erreichten nach italienischen Angaben die Stärke von 5,4 und 5,6. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) registrierte Magnituden von 5,3 und 5,4 um 10.25 Uhr und knapp eine dreiviertel Stunde später, beide Male mit Epizentrum in Antrodoco, einer Gemeinde in der Provinz Rieti rund 100 Kilometer nordöstlich von Rom. Dazwischen wurde noch ein Erdstoß der Stärke 3,2 mit dem Epizentrum in Norcia aufgezeichnet. Um 11.26 Uhr wurde ein weiteres Nachbeben der Stärke 5,3 registriert.

In der Stadt und der Provinz Rieti wurden zahlreiche Schulen evakuiert. Die Bahnverbindungen zwischen L'Aquila und Rieti waren gesperrt, weil die Sicherheit der Strecken überprüft werden mussten. In Rom war der U-Bahn-Verkehr unterbrochen, mehrere Schulen wurden auf mögliche Schäden überprüft.

Im Erdbebengebiet in den Regionen Latium und Abruzzen sei die Lage wegen den heftigen Schneefällen der vergangenen zwei Tage besonders problematisch. Tausende Haushalts seien ohne Strom, berichteten die Behörden. Die Situation sei "kompliziert", gab Zivilschutzchef Fabrizio Curcio zu. Der Bürgermeister der vom Erdbeben im August zerstörten Apennin-Gemeinde Accumoli, Stefano Petrucci, sprach von einer "dramatischen Lage". Die Straßen seien wegen des Schnees nicht befahrbar. Die Schneeräumung komme nur schleppend voran. Die Bevölkerung sei in Panik.

In der tiefverschneiten Gegend von Arquata del Tronto werden drei Viehzüchter vermisst. Sie waren unterwegs, um ihre Tiere mit Futter zu versorgen. "Wir sind sehr besorgt. Wir suchen sie, haben aber keine Nachrichten", sagte der Bürgermeister Aleandro Petrucci. Die Viehzüchter hätten nach dem Erdbeben im Oktober die Gemeinde verlassen sollen. Sie hatten jedoch beschlossen, wegen ihrer Tiere zu bleiben und lebten in Containern unweit der zerstörten Stallungen.

Die Erdstöße im Raum Amatrice in Mittelitalien sind auch im Süden Österreich zu spüren gewesen. Beim Erdbebendienst der ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) sind Meldungen aus Kärnten und der Steiermark eingegangen, wonach Hängelampen geschwankt hatten. Die Erdstöße wiesen laut ZAMG eine Magnitude von 5,3 und 5,4 auf. "Beobachtungen von schwingenden Lampen, vor allem in höheren Stockwerken, und Bewegung von Flüssigkeiten in Gefäßen sind typische Effekte von Erdbeben dieser Stärke aus Mittelitalien", erläuterte der Erdbebendienst in einer Aussendung.