USA kommen nach Tod von George Floyd nicht zur Ruhe. Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis kommen die Vereinigten Staaten nicht zur Ruhe. In zahlreichen Städten gab es Demonstrationen, die immer wieder in Ausschreitungen umschlugen. Zu Protesten kam es auch außerhalb der USA. Im neuseeländischen Auckland zogen rund 2.000 Demonstranten vor das US-Konsulat und riefen "Keine Gerechtigkeit, kein Frieden".

Von APA, Redaktion. Erstellt am 01. Juni 2020 (19:03)
Niedergebranntes Auto der New Yorker Polizei
APA/ag.

In New York, wo Tausende auf den Straßen waren, kam es in der Nacht auf Montag zu Plünderungen und zahlreichen Festnahmen. In Boston brannten Autos. Auch in Los Angeles und Philadelphia wurden Geschäfte ausgeraubt. In der Hauptstadt Washington gab es ebenfalls Randale.

Die Proteste richten sich gegen Polizeigewalt, Brutalität und Ungerechtigkeit gegenüber Menschen mit schwarzer Hautfarbe. Auslöser war der Tod des 46 Jahre alten Floyd bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis im US-Staat Minnesota am Montag vergangener Woche. Einer von vier beteiligten Beamten drückte ihm minutenlang sein Knie in den Nacken. Alle Bitten des Afroamerikaners, ihn atmen zu lassen, ignorierte er. Floyds vermutlich letzte Worte "Ich kann nicht atmen" sind nun Schlachtruf der Demonstranten.

Der Fernsehsender CNN berichtete, seither seien landesweit insgesamt etwa 4.000 Menschen bei Protesten festgenommen worden. Mindestens 40 Städte haben nächtliche Ausgangssperren verhängt. Davon betroffen sind etwa zehn Millionen Menschen. Mehrere US-Staaten haben angesichts der Proteste die Nationalgarde mobilisiert. Diese gehört zur Reserve der Streitkräfte und kann in Ausnahmesituationen zu Hilfe gerufen werden.

US-Präsident Donald Trump rief demokratische Bürgermeister und Gouverneure zum Durchgreifen auf. Auf Twitter schrieb er: "Legen Sie eine härtere Gangart ein". Der republikanische Präsident macht linksradikale Gruppen für die Ausschreitungen verantwortlich, ohne jedoch Belege dafür zu liefern. Er kündigte an, die Antifa als Terrororganisation einstufen zu lassen. Details ließ er offen.

Auf Rufe, Trump solle sich angesichts der Proteste im Land mit einer Ansprache aus der Regierungszentrale an die Nation wenden, reagierte das Weiße Haus zurückhaltend. "Eine nationale Ansprache aus dem Oval Office wird die Antifa nicht stoppen", sagte Sprecherin Kayleigh McEnany am Montag dem Fernsehsender Fox News. "Was die Antifa stoppen wird, sind Taten." Die Antifa hat in Übersee keine zentrale Führungs- oder Organisationsstruktur. Zum Antifaschismus bekennen sich in den USA zahlreiche unterschiedliche linke und auch linksradikale Gruppen.

Bei den Unruhen kam es auch mehrmals zu Polizeischüssen auf Journalisten, berichtet das Internationale Presse-Institut (IPI). "Wir rufen die Polizei dringend auf, Reporter nicht mehr ins Visier zu nehmen und sie ihre Arbeit machen zu lassen", betonte IPI-Vizechef Scott Griffen.

Zudem gab es Übergriffe seitens der Protestierenden auf Medienvertreter. In Washington entrissen Demonstranten dem Fox-News-Journalisten Leland Vittert das Mikrofon und schlugen ihn damit. Außerdem wurde die Zentrale des Fernsehsenders CNN in Atlanta angegriffen. Auch das Regionalmedium Al.com berichtete von gewaltsamen Übergriffen auf ein Team seiner Reportern in Alabama. Protestierende sollen Reporter auch in den Städten Phoenix (Arizona) und Pittsburgh (Pennsylvania) angegriffen haben.

Ein Sohn des Getöteten rief dazu auf, Gewalt zu vermeiden. In einem TV-Interview mit dem CNN-Tochtersender KBTX appellierte Quincy Mason Floyd an die Demonstranten, friedlich zu bleiben. Der weiße Polizist, der für den Tod seines Vaters verantwortlich gemacht wird, soll am 8. Juni vor Gericht für eine Anhörung vorgeführt werden, wie CNN berichtete. Ihm wird Mord zur Last gelegt. Der Bruder des Toten, Philonise Floyd, forderte auf CNN, auch die anderen drei Polizisten festzunehmen, die beteiligt waren und nicht einschritten. "Ich will Gerechtigkeit - jetzt."

Der Polizeichef von Minneapolis, Medaria Arradondo, entschuldigte sich unterdessen bei den Angehörigen. "Wenn ich irgendetwas tun könnte, um Herrn Floyd zurückzubringen, würde ich Himmel und Erde bewegen, um es zu tun", sagte Arradondo bei einem Auftritt an dem Ort, an dem Floyd getötet worden war. Arradondo hatte die vier beteiligten Polizisten entlassen.

Ex-US-Präsident Barack Obama rief dazu auf, berechtigte Wut über Missstände im Land auf friedliche Weise für echte Veränderungen zu nutzen. Dann könne dieser Moment ein wirklicher Wendepunkt werden. Die Proteste seien Ausdruck einer echten und legitimen Enttäuschung über ein "jahrzehntelanges Versagen" bei der Reform von Polizei und Strafjustiz in den Vereinigten Staaten, so Obama.

In Großbritannien planen Gruppen gegen Rassismus für Mittwoch einen nationalen Protesttag unter Einhaltung der Corona-Ausgangsbeschränkungen. Die Menschen sollen etwa mit dem gebotenen Sicherheitsabstand vor ihrer Haustür demonstrieren. "Viele der Probleme, welche die Situation in den USA so explosiv machten, existieren auch hier", schrieb die Politikerin Diane Abbott von der britischen Oppositionspartei Labour in der "Huffington Post".