Drei Menschen nach Busunfall weiter in Lebensgefahr. Einen Tag nach dem verheerenden Busunfall in Bayern mit 18 Toten befinden sich drei Menschen noch in Lebensgefahr.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 04. Juli 2017 (13:45)
APA/dpa
Das Wrack wird kriminaltechnisch untersucht

Von den insgesamt 30 Verletzten konnten sieben mittlerweile aus den Krankenhäusern entlassen werden. Mittlerweile betreiben die Behörden Ursachenforschung: Die Überlebenden der Katastrophe sollten - soweit möglich - befragt werden, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums.

Auch das Wrack, das nur noch ein verkohltes Gerippe des Busses ist, wird dem Polizeisprecher zufolge kriminaltechnisch untersucht und von einem Gutachter besichtigt. Die Ermittler widersprachen Spekulationen, der völlig ausgebrannte Reisebus könnte bereits vor dem Zusammenstoß mit einem Lastwagen gebrannt haben. Nach vorläufiger Einschätzung der beiden eingesetzten Gutachter gebe es dafür bisher keine Hinweise. Vieles spreche dafür, dass der Bus erst aufgrund der Kollision mit dem Anhänger des Lastwagens Feuer gefangen habe.

Die Staatsanwaltschaft durchsuchte inzwischen den Firmensitz des Busunternehmens des verunglückten Fahrzeugs. Dabei seien Unterlagen zu dem Bus und den beiden Lenkern beschlagnahmt worden.

Unterdessen sollen noch im Laufe des Dienstags sechs weitere Menschen aus dem Spital entlassen werden, für die mit dem Roten Kreuz ein Rücktransport organisiert worden sei. Für Mittwoch stehe ebenfalls schon ein Rücktransport fest, teilte das Dresdner Sozialministerium mit. Bis auf zwei Schwerstverletzte, die in Spezialkliniken außerhalb Bayerns behandelt würden, seien nach dem Unglück am frühen Montagmorgen alle Opfer in Kliniken in Oberfranken gebracht worden, sagten die Behörden.

Auch die Diskussion um die Rettungsgasse ist erneut entbrannt. "Besser eine schlechte Rettungsgasse als gar keine", sagte Otmar Bruckner vom Verkehrsdienst des Innenministeriums am Dienstag zur APA. "Die Rettungsgasse nicht vorzeitig beenden", forderte die Landesfeuerwehr NÖ.

Die Rettungsgasse muss in Österreich seit 1. Jänner 2012 auf Autobahnen und Schnellstraßen bei stockendem Verkehr gebildet werden. Bis zu vier Minuten schneller sollten Einsatzkräfte am Unfallort sein, war der maßgebliche Grund für die Einführung. Doch bereits im November 2014 kritisierte der Rechnungshof, dass keine Zeitersparnis bei der Zufahrt zum Einsatzort nachgewiesen werden konnte.

"Wir stoppen nicht mit", sagte Franz Resperger, Pressesprecher des niederösterreichischen Landesfeuerwehrkommandos, am Dienstag der APA. Während auf zweispurigen Autobahnen die Rettungsgasse "tadellos funktioniert", sind die "dreispurigen Autobahnen das Problem", konstatierte Resperger. Unachtsame Autolenker, Rückstaus auf Autobahnauffahrten und vorschnelles Beenden der Rettungsgasse seien weitere Gründe, warum die Rettungsgasse oft nicht ordnungsgemäß gebildet wird, erklärte Resperger. "Viele Autofahrer wissen nicht, wo sie hinmüssen, und beenden die Rettungsgasse vorzeitig."

Wird eine Rettungsgasse nicht gebildet oder verbotenerweise befahren, kann eine Strafe von bis zu 726 Euro verhängt werden. Wenn dabei Einsatzfahrzeuge behindert werden, drohen für diese Verwaltungsübertretung 72 bis 2.180 Euro. In Deutschland beispielsweise sind die Strafen deutlich geringer. Nichtbilden oder Behindern der Einsatzkräfte kostet dort lediglich 20 Euro, bei Überholen auf der rechten Spur werden 100 Euro und ein Strafpunkt in Flensburg fällig.

Als Beispiel nannte er einen Pkw-Brand auf der Südautobahn (A2) auf Höhe Zöbern (Bezirk Neunkirchen) Richtung Graz am 6. Juni. Für die eineinhalb Kilometer bis zur Unfallstelle benötigte die Feuerwehr 15 Minuten. Damit die Fahrzeuge durch die Rettungsgasse fahren konnten, mussten Einsatzkräfte vorausgehen und die Fahrzeuglenker einzeln auffordern, an den Rand zu fahren. Als die Feuerwehr schließlich bei der Unfallstelle eintraf, war das Fahrzeug schon fast ausgebrannt. "Man will nicht darüber nachdenken, was passiert wäre, wenn noch Menschen in dem Fahrzeug gewesen wären", sagte Resperger.