Nächtliches Drama: „Ex“ in Auto eingesperrt . Seine Ex-Freundin sperrte ein 28-Jähriger in einem unbeleuchteten Auto ein, das schräg über die Fahrbahn stand.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 27. Juni 2018 (06:28)
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Symbolbild

Wie schlimm die Erlebnisse dieser Nacht für das Opfer gewesen sein müssen, kann man nur ahnen. Mit unterdrücktem Weinen schilderte die 23-jährige Ex-Freundin des 28-jährigen Angeklagten vorige Woche vor Gericht, was am 5. Februar 2018 gegen Mitternacht passiert war.

Der 28-jährige ungarische Staatsbürger, von dem sie sich im Herbst 2017 endgültig getrennt hatte, hatte an diesem Tag erfahren, dass sie abends nach Szombathely fahren würde. Er habe ihr aber nicht geglaubt, dass sie sich mit einer Freundin treffen würde, sondern – seit Monaten von Eifersucht getrieben – vermutet, dass sie eine neue Männerbekanntschaft geschlossen habe.

Verfolgungsjagd auf der Schnellstraße

Am Heimweg passte er die junge Frau kurz vor der ungarischen Grenze ab. „Ich fuhr auf die Schnellstraße, um rasch von ihm wegzukommen“, berichtete die 23-Jährige, die im Bezirk Oberpullendorf lebt. Der Ex-Freund verfolgte sie, versuchte sie abzudrängen, und stellte sein Auto schließlich quer über beide Fahrstreifen ab.

„Er schrie, dass er mit mir reden, mein Handy sehen wolle und mein Auto kaputt machen werde, wenn ich nicht das Fenster öffne“, schilderte die Zeugin die Szene. Nachdem sie noch einen kurzen vergeblichen Fluchtversuch gemacht habe, worauf ihr Auto auf der Schnellstraße, auf der Tempo 100 erlaubt ist, in die Gegenfahrbahn hineinragte, sei es ihm gelungen, den Zündschlüssel vom Zündschloss ihres Autos abzuziehen.

Auto kam immer näher, Opfer konnte nicht raus

„Wir sahen, dass sich ein Auto näherte“, setzte die Ex-Freundin des Angeklagten fort. „Mein Auto war ganz unbeleuchtet. Ich war unter Schock.“ Ihr Ex-Freund habe sein Auto umgeparkt, sodass es nicht mehr querstand. „Ich wollte aussteigen. Er nahm meinen Schlüssel und sperrte mit der Fernbedienung wieder zu“, erinnerte sich die Zeugin. „Er sagte, wenn ich mit ihm rede, dann gibt er mir den Schlüssel. Ich war aber so schockiert, dass ich in dem Moment nicht reden wollte, schon gar nicht über unsere Beziehung.“

Im nächsten Augenblick krachte es. Eine 30-jährige Ungarin hatte am Heimweg das unbeleuchtete Fahrzeug gerammt. „Nach dem Unfall begann der Angeklagte mit mir zu schreien: Was machst du Idiotin! Warum bist du ihr hineingefahren!“, berichtete die Ungarin. Sie erlitt bei dem Unfall einen Bruch des rechten Handgelenks und war drei Monate lang im Krankenstand. Die Ex-Freundin des Angeklagten wurde nach dem Unfall mit einem Leberriss ins Spital gebracht.

„Sie können froh sein, dass Sie nicht wegen fahrlässiger Tötung hier sitzen!“Die Richterin zum Angeklagten

Die Polizei mussten die beiden Frauen selbst verständigen. Der Angeklagte suchte das Weite, als die Exekutive eintraf. Der Fahrzeugschlüssel samt Wohnungsschlüssel der Ex-Freundin wurde bis heute nicht gefunden. „Ich wollte ein letztes Gespräch“, begründete der Angeklagte, gegen den wegen seines eifersüchtigen und aggressiven Verhaltens bereits ein Betretungsverbot für die Wohnung der Ex-Freundin bestand, seine Tat. Er bestritt, den Autoschlüssel seiner Ex-Freundin entwendet zu haben.

„Sie können froh sein, dass Sie nicht wegen fahrlässiger Tötung hier sitzen!“, ermahnte die Staatsanwältin den Angeklagten, der sich nur zögerlich schuldig bekannte. Er wurde von Richterin Doris Halper-Praunias wegen Nötigung und fahrlässiger Körperverletzung zu acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und 1200 Euro Geldstrafe verurteilt. An seine Ex-Freundin muss er 2500 Euro Schmerzensgeld, an die andere beteiligte Lenkerin 1500 Euro bezahlen.

„Ich gehe davon aus, dass Sie den Fahrzeugschlüssel hatten, ihre Ex-Freundin einsperrten und dadurch den Unfall verursachten“, erläuterte die Richterin das Urteil. Der Angeklagte nahm das Urteil an.