Johann Gudenus und Walter Rosenkranz. Utl.: Wiener und Kremser teilen sich Strache-Nachfolge

Von Redaktion, APA. Erstellt am 16. Dezember 2017 (15:44)
Walter Rosenkranz könnte ein FPÖ-Minister aus NÖ werden.
Marschik

Die Nachfolge von Heinz-Christian Strache an der Spitze des FPÖ-Parlamentsklubs wird auf vier Schultern verteilt. Johann Gudenus wird Klubchef und damit quasi das Gesicht der Fraktion, Walter Rosenkranz übernimmt als geschäftsführender Klubobmann die Alltagsarbeit.

Dass man Gudenus im Nationalrat an führender Stelle positioniert, mag ein Fingerzeig in die Richtung sein, dass möglicherweise er und nicht Strache selbst 2020 in die Wien-Wahl als Bürgermeister-Kandidat gehen wird. Denn derzeit ist Gudenus zwar Vizebürgermeister, hat aber mangels Portfolio deutlich weniger Gelegenheit, sich öffentlich bekannt zu machen als in tragender Rolle im Parlamentsklub.

Der Name Gudenus ist in Österreichs Politik schon seit langem präsent. Johanns mittlerweile verstorbener Vater John gehörte zu den umstrittensten Parlamentariern der Freiheitlichen, äußerte er doch Zweifel an der Existenz von Gaskammern im Dritten Reich, was dem vormaligen Bundes- und Nationalratsabgeordneten sogar einen Parteiausschluss einbrachte.

Zum liberalen Flügel der FPÖ ist auch Sohn Johann, der ein Jus-Studium und die Diplomatische Akademie absolvierte, nicht zu zählen. Das Mitglied der schlagenden Burschenschaft Vandalia ist des öfteren mit markigen Sprüchen aufgefallen, die Bundespräsident Alexander Van der Bellen sogar zu einem prophylaktischen Veto gegen eine allfällige Regierungstätigkeit motivierten. Etwa dass der langjährige Obmann des Rings freiheitlicher Jugend für "Asylbetrüger" den "Knüppel aus dem Sack" gefordert hatte, war dem Staatsoberhaupt eindeutig zu viel.

Fiel Gudenus im Land bisher vor allem mit Anti-Ausländerpolitik und einem strammen Anti-Rot-Grün-Kurs auf, ist er außenpolitisch vor allem als Freund Russlands aktiv. So war Gudenus schon als Wahlbeobachter in Russland unterwegs, wo ihm die Wahlen laut eigener Aussage besser gefallen hatten als jene im Europaparlament. Beim umstrittenen Krim-Referendum war er ebenfalls als Beobachter unterwegs - auch hier habe er keine Unregelmäßigkeiten feststellen können, meinte er nachher. Ebenfalls mehr als umstritten war ein Besuch von Gudenus beim tschetschenischen Diktator Ramsan Kadyrow.

Privat ist Gudenus dagegen mehr Serbien zugeneigt. Der 41-Jährige ist seit dem Vorjahr mit der bosnisch-serbischstämmige Tajana Tajcic verheiratet. Die kirchliche Hochzeit erfolgte damals nach orthodoxem Ritus.

Nicht so sehr in die Ferne zieht es Walter Rosenkranz. Der niederösterreichische FPÖ-Chef war eigentlich dafür vorgesehen, in seiner Heimat als Spitzenkandidat in die Landtagswahl kommenden Jänner zu ziehen. Da Strache ihn in Wien braucht, zog er wieder zurück und überließ Udo Landbauer diese Position.

Rosenkranz gilt als treuer Parteisoldat. Entsprechend wird der Rechtsanwalt und Strafverteidiger, der ein Jus-Studium mit dem Doktortitel abgeschlossen hat, auch die nicht ganz so glamouröse Aufgabe des geschäftsführenden Klubobmanns gerne annehmen. Erfahrung im Hohen Haus hat er mittlerweile genug. Der nicht uneitle Kremser, der fast dreißig Jahre Mitglied des örtlichen Gemeinderats war, ist seit 2008 Abgeordneter. Im Korruptions-U-Ausschuss war er freiheitlicher Fraktionschef und am Ende sogar Vorsitzender des Gremiums. Auch im Eurofighter-U-Ausschuss leitete er die Fraktion der FPÖ.

Als sein Hobby gilt die Musik. Rosenkranz hat an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst das Konzertfach Gitarre studiert. Seine Ehefrau war zuletzt freiheitliche Spitzenkandidatin in Krems. Rosenkranz ist auch Vater eines Sohnes.

Zu den Personen:

Johann Gudenus, geboren am 20. Juli 1976 in Wien. Absolviertes Jus-Studium sowie Ausbildung an der diplomatischen Akademie. 2003-2009 Obmann des Rings freiheitlicher Jugend. Ab 2005 Abgeordneter zum Wiener Landtag, von 2010 bis 2015 Klubobmann der Freiheitlichen. Seit November 2015 Vizebürgermeister.

Walter Rosenkranz, geboren am 29. Juli 1962 in Krems/Donau. Verheiratet, ein Sohn. Doktor iur. Berufliche Tätigkeit als Strafverteidiger. Mitglied des Gemeinderats von Krems von 1988-2017. Abgeordneter zum Nationalrat seit 2008, Niederösterreichischer FPÖ-Obmann seit Juni 2013.