Konzertveranstalter: "Schäden für Branche immens". Aufgrund des Coronavirus ruht das Konzertleben in Österreich bis zumindest Ende Juni. Ein harter Schlag für Veranstalter und Venues. So zeichnet etwa das internationale Unternehmen Live Nation ein düsteres Bild: Man nehme die Bewertungen der Bundesregierung "sehr ernst". Aber "die Schäden für die gesamte Branche sind immens". Nicht zuletzt deshalb hofft man auf ein Moratorium für Ticketgelder.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 08. April 2020 (15:57)
Die Wiener Arena verweist auf massive Einnahmensverluste
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"Die Live-Musikindustrie sowie die gesamte Kreativ- und Kulturwirtschaft waren die Ersten, die der Bann getroffen hat, und werden wohl die Letzten sein, wenn die Verbote wieder aufgehoben werden", betonte man gegenüber der APA. Nach derzeitigem Stand müsse man nämlich davon ausgehen, dass die Konzerte betreffenden Einschränkungen "sogar weit" über Juni oder Juli hinausgehen, wird im von Marek Lieberberg (CEO Live Nation GSA) und Matthias Rotermund (Geschäftsführer Live Nation Austria) gezeichneten Schreiben betont.

Allen voran die "essenzielle Infrastruktur", also für Tourneen und Konzerte notwendige Betriebe, Helfer, Ordner, Bühnenbauer oder Techniker, stünde vor dem "völligen Kollaps", ist man überzeugt. Bisher habe man als Konzertveranstalter "ausschließlich mit eigenen Mitteln" Kultur für Millionen produziert. "Dies gilt es zu erhalten." Notwendig dafür sei "Hilfe zur Selbsthilfe" vom Gesetzgeber, konkret die Zustimmung für ein Moratorium für Ticketgelder. Das würde bedeuten, dass Karten für verschobene Veranstaltungen Gültigkeit behalten und ein Rückzahlungsanspruch ausgesetzt wird, was auch in anderen europäischen Ländern bereits anerkannt worden sei.

Von einem "Komplettausfall des Tagesgeschäfts" sprach auch Filip Potocki, Geschäftsführer von Arcadia Live. Er betonte auf APA-Nachfrage, dass man den finanziellen Schaden derzeit noch nicht wirklich beziffern könne. So gut es geht, würden Konzerte verschoben, "um Verluste zu minimieren. Ein paar der Termine bleiben aber freilich auf der Strecke und müssen ersatzlos gestrichen werden."

Der heimische Veranstalter hat für Juli einige große Open-Air-Konzerte in Wien im Angebot, darunter Auftritte von Acts wie Lauryn Hill, The Kooks oder Sarah Connor. Die derzeitigen Bestimmungen beträfen den Zeitraum bis Ende Juni. "Ob es dabei bleibt und wir mit Juli langsam wieder zum 'Normalbetrieb' übergehen können, wird sich zeigen", so Potocki. Die Planungen dafür "schreiten - bis auf weiteres - jedenfalls vorerst voran". Grundsätzlich verlasse man sich auf die Expertise der Fachleute in Gesundheitswesen und Politik. Im Herbst könnte es durch noch mehr Verschiebungen jedenfalls durchaus sehr eng werden, was die Konzertanzahl betrifft: "Dass die Kapazitäten da irgendwann an ihre Grenzen stoßen, liegt auf der Hand - Ausweichtermine im Frühjahr wären dann wohl die entsprechende Konsequenz."

Damit ist man bei den Konzertlocations selbst angelangt. Eine davon ist beispielsweise das Wiener WUK, wo neben Musik natürlich auch Bildende Kunst und Performance groß geschrieben wird. "Wir verlieren mindestens dreieinhalb Monate an kulturellem Angebot, das nur bedingt nachgeholt werden kann", so WUK-Musikchef Hannes Cistota zur APA. Vor allem das FM4-EM-Quartier zur verschobenen Fußballeuropameisterschaft schmerze. Für die Planungen nach Juni müsse man vor allem erst sehen, ob es allfällige Auflagen für Veranstaltungen geben wird.

Im WUK wurden Mitarbeiter, "wo es Sinn macht", in Kurzarbeit geschickt - dabei gehe es um jenen Teil der Belegschaft, der nicht im Home Office arbeiten könne, wie beispielsweise Techniker oder Betreuungsdienste, so Cistota. Ob man im Juli wieder zum "normalen" Tagesgeschäft übergehen könne, wollte er allerdings nicht beurteilen. "Das hängt von sehr vielen unbekannten Faktoren ab, daher möchte ich mich lieber nicht an Spekulationen beteiligen. Wir halten uns an die Vorgaben der Regierung und planen jetzt einmal, im Idealfall im Juli wieder aufsperren zu können." Die Auswirkungen der Krise werde man im Konzertbereich allerdings noch einige Zeit spüren.

Mit einem dichten Herbst rechnet man unterdessen auch in der Wiener Arena. Vor allem Oktober und November seien üblicherweise sehr intensive Monate, erklärte man auf APA-Nachfrage. "Aber nicht nur bei uns, sondern in ganz Wien und Österreich." Noch mehr Angebot als in den vergangenen zwei, drei Jahren sei daher eigentlich gar nicht machbar. Außerdem sei es mit Nachholterminen so eine Sache, würden diese Tage doch dann für andere Gigs fehlen: "Am Ende haben also jeder Veranstalter und alle Venues sämtliche Events seit Einsetzen der aktuellen Situation unwiederbringlich verloren. Da geht es natürlich teilweise um massive Einnahmenverluste."

Konkret beziffern ließen sich diese noch nicht, so Martin Arzberger, Obmann-Stellvertreter des Trägervereins der Arena. "Hier spielen extrem viele Faktoren mit, die ich so in einer simplen Zahl nicht zusammenfassen kann." Zudem sei die Dauer der Beschränkungen nach wie vor offen. Man sei außerdem nicht nur von der nationalen Situation abhängig, sondern klarerweise auch von allfällig länger geltenden Ein- und Ausreiseverboten. "Ich persönlich rechne nicht mit einem Konzertsommer, wie wir ihn seit mittlerweile Jahrzehnten kennen", so Arzberger. Ein langsames Anlaufen im Herbst sei eher realistisch, ein Normalbetrieb dann wohl erst für 2021 anzunehmen. Die Situation sei letztlich für alle Beteiligten der Branche "eine Katastrophe". Für die Mitarbeiter der Arena wurde ebenfalls Kurzarbeit beantragt, diesbezüglich warte man noch auf die Zusage des AMS.

In der Wiener Stadthalle betonte man, dass über das weitere Vorgehen bei den nun gecancelten Veranstaltungen laufend auf der Homepage informiert wird - also ob Events verschoben oder überhaupt abgesagt werden. Die Stadthalle selbst ist meist nur Austragungsort, die Konzerte, Shows oder Messen werden von diversen Veranstaltern organisiert, die nun über die weiteren Schritte entscheiden müssen.