Neuer Höchstwert bei Neuinfektionen in Deutschland. Die Zahl der registrierten Corona-Neuinfektionen in Deutschland hat mit 16.774 Fällen binnen eines Tages einen neuen Höchstwert erreicht. Der bisherige Rekordwert vom Vortag lag bei 14.964 Fällen. Auch in Schweden steigen die Zahlen stark an.

Von APA / NÖN.at Update am 29. Oktober 2020 (17:59)
Pandemie hat auch Deutschland weiter fest im Griff
APA/dpa

In Indien wurde die Marke von acht Millionen Corona-Fällen durchbrochen. Schweizer Forscher identifizierten indes eine neue SARS-CoV-2-Variante, die sich in den letzten Monaten europaweit verbreitet hat.

Am Donnerstag vor einer Woche hatten die Gesundheitsämter in Deutschland 11.287 Neuinfektionen gemeldet. Damit hatte der Wert erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland die Marke von 10.000 überschritten. Die jetzigen Werte sind nur bedingt mit denen aus dem Frühjahr vergleichbar, da mittlerweile wesentlich mehr getestet wird und dadurch auch mehr Infektionen entdeckt werden.

Mediziner befürchten trotz Quasi-Lockdown in wenigen Wochen eine dramatische Lage auf den deutschen Intensivstationen. "Es ist jetzt schon nachweislich schlimmer als im Frühjahr", sagt Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin. "In 14 Tagen haben wir die schweren Krankheitsfälle und unsere großen Zentren kommen unter Maximalbelastung."

Nach einem bisherigen Höchstwert von 2.129 Neuinfektionen am Vortag kamen in Schweden am Donnerstag innerhalb der vergangenen 24 Stunden 3.254 neue Corona-Fälle hinzu. Staatsepidemiologe Anders Tegnell wies aber darauf hin, dass es so aussehen könne, als habe Schweden mehr Fälle als im Frühjahr. Das stimme jedoch nicht, betonte er. Die Ausbreitung in der Bevölkerung sei damals um ein Vielfaches größer gewesen, allerdings habe man damals nicht im Geringsten dieselben Kapazitäten zum Testen gehabt wie heute.

Schweden ist in der Corona-Krise einen viel beachteten Sonderweg mit weniger strikten Beschränkungen gegangen. Im Frühjahr hatte das EU-Land deutlich höhere Infektions- und Todeszahlen verzeichnet als der Rest Skandinaviens. Der derzeitige Wert der Neuinfektionen in Schweden liegt im europäischen Vergleich auf die Bevölkerungszahl heruntergerechnet aber niedriger als in anderen Teilen Europas.

In Italien steigt die Zahl der Covid-19-Infektionen ebenfalls weiter. So wurden am Donnerstag 26.831 Neuansteckungen gemeldet. 217 Tote wurden registriert, am Vortag waren es noch 205.

Während Italien-weit Proteste gegen den von der Regierung verhängte "Mini-Lockdown" im Gange sind, hat Regierungschef Giuseppe Conte am Donnerstag die Italiener zu Zusammenhalt aufgerufen und seine Anti-Covid-Maßnahmen verteidigt. "Dies ist die Zeit, in der wir geschlossen bleiben müssen", sagte der parteilose Premier.

Indien durchbrach unterdessen die Marke von acht Millionen Corona-Fällen. Die zweitgrößte Nation der Welt verzeichnet damit nach den USA mit 8,8 Millionen Infektionen auch die zweithöchste Infektionsrate. Binnen Tagesfrist meldeten die Behörden 49.881 Neuinfektionen. Die Zahl der Todesfälle in Indien stieg offiziellen Angaben zufolge um 517 auf 120.527.

Bulgarien schränkt wegen stark gestiegener Corona-Neuansteckungen ab Donnerstag vorerst für zwei Wochen das öffentliche Leben ein. Gymnasien und Universitäten müssen nun zum Fernunterricht übergehen. Sportevents dürfen nur noch ohne Publikum organisiert werden. In Nachtlokalen wie etwa Diskotheken und Bars müssen die Innenräume geschlossen bleiben.

Die griechische Regierung ordnete einen Lockdown für die Städte Thessaloniki, Larisa und Rodopi in Mittel- und Nordgriechenland an. Wie bereits beim Ausbruch der Pandemie im Frühjahr müsse Griechenland härter und schneller Maßnahmen ergreifen als andere Länder, um das Schlimmste zu verhindern und den Druck auf das Gesundheitssystem zu mindern, sagte Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis am Donnerstagmittag in Athen.

Die Lockerung der Reisebeschränkungen etwa machten der neuen SARS-CoV-2-Variante ein leichtes Spiel, sich auszubreiten. Demnach zählt 20A.EU1 in Europa momentan zu einer der am weitesten verbreiteten Varianten des neuen Coronavirus, wie die Universität Basel mitteilte. Zurzeit existieren Hunderte Varianten, die sich durch kleine Mutationen im Erbgut voneinander unterscheiden. In der Schweiz gehören zwischen 30 und 40 Prozent der untersuchten Virusgenom-Sequenzen zur neuen Variante. Die Analysen der Forscher der Uni Basel, der ETH Zürich in Basel und des Konsortiums "SeqCOVID-Spain" legten nahe, dass die neue Variante mit dem Namen 20A.EU1 erstmals im Sommer in Spanien auftrat.