Rekordwert an fast 2.000 Neuinfektionen in Österreich. Einen in absoluten Zahlen neuen Rekordwert bei den Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 hat es am Mittwoch in Österreich gegeben.

Von APA / NÖN.at Update am 21. Oktober 2020 (17:08)
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Aktuell gibt es in Österreich 15.867 bestätigte aktive Fälle - ein Zuwachs um 737 gegenüber Dienstag. Weiter im Steigen begriffen ist auch die Anzahl der Erkrankten, die einer Spitalsbehandlung bedürfen. Um 71 Covid-19-Patienten mehr als tags zuvor waren am Mittwoch stationär in Krankenhäusern aufgenommen, mit 960 Patienten näherte man sich in dieser Hinsicht der symbolträchtigen 1.000er-Marke. Weiter stabil blieb die Lage auf den Intensivstationen, wo 147 Patienten betreut wurden - eine Zunahme um zwei Personen. Mit Abstand die meisten Intensivpatienten - nämlich 60 - gab es in Wien, 25 waren es in Niederösterreich, 19 in Oberösterreich und 17 in der Steiermark. 925 Menschen sind mittlerweile an den Folgen des Corona-Virus verstorben - um elf mehr als am Dienstag.

Insgesamt 169.409 positive Testergebnisse von fast zwei Millionen Untersuchungen wurden bundesweit bisher eingemeldet. 52.617 ursprünglich Infizierte galten als wieder genesen.

In Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg droht jeweils mehreren Bezirken nach der kommenden Sitzung der Ampelkommission am Donnerstag die Rotschaltung. Das hat am Mittwochnachmittag ein Blick auf das aktualisierte Dashboard der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) nahegelegt.

Die höchste Warnstufe Rot und damit ein "sehr hohes Risiko" mit unkontrollierten Ausbrüchen und großflächiger Verbreitung bescheinigt die Corona-Ampel derzeit dem Salzburger Tennengau, der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck, dem Bezirk Innsbruck-Land sowie der zweitgrößten oberösterreichischen Stadt Wels.

Angesichts des am Mittwoch verzeichneten Höchststands an Corona-Neuinfektionen im Bundesland Salzburg rief Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) am Nachmittag per Video die Menschen noch einmal zu Eigenverantwortung und Zurückhaltung auf. "Wir können noch so viele Maßnahmen verfügen, wenn die Leute sie nicht einhalten, wird es immer schwieriger." Einen kompletten Lockdown wie zuletzt im bayerischen Landkreis Berchtesgadener Land wolle man so es gehe verhindern.

Zu aufgetauchten Befürchtungen und Gerüchten, es könnten neben Kuchl im Tennengau weitere Gemeinden im Land unter Quarantäne gestellt werden, sagte Haslauer: "Wir können natürlich nur von Woche zu Woche entscheiden. Es gibt aber bezüglich einzelner Orte derzeit keine weiteren Quarantäneüberlegungen."

Neu ist ab Donnerstag, dass nun auch niedergelassene Ärzte in ihren Praxen Covid-19-Antigentests durchführen dürfen - auf "freiwilliger Basis", wie Anschober betonte. Eine entsprechende Verordnung tritt morgen in Kraft. Patienten mit Symptomen können künftig nach telefonischer Terminvereinbarung den Abstrich beim Hausarzt abnehmen lassen. Die Testkosten übernimmt die Sozialversicherung.

Die Antigentests werden im Rahmen der heimischen SARS-Cov-2-Teststrategie durchgeführt. Die Probeentnahme erfolgt mittels Nasen-Rachen-Abstrich und darf nur von medizinischem Fachpersonal gemacht werden. Bei einem positiven Test muss zusätzlich ein PCR-Test durchgeführt werden. Beim Antigen-Test wird kein Labor zur Auswertung benötigt, das Ergebnis steht innerhalb kurzer Zeit fest. Die Tests sind laut Anschober in großer Stückzahl verfügbar und preiswert.

Die Möglichkeit der zusätzlichen und schnelleren Testung "wird uns viel Freud' machen und mehr Tempo reinbringen", sagte der Gesundheitsminister. Als weitere Anwendungsbereiche sieht er Spitalsambulanzen, Schulen sowie Alten- und Pflegeheime. Der Leiter des Primärversorgungszentrums Medizin Mariahilf, Wolfgang Mückstein, hat in den vergangenen drei Wochen in einem Probebetrieb in seiner Praxis bereits rund 100 Patienten getestet. "Die Vorteile liegen auf der Hand, das Ergebnis ist in 15 Minuten da und der Abstrich einfach durchzuführen", berichtete er.

"Die Pandemie nimmt weiter an Fahrt auf, der Höhepunkt ist noch nicht erreicht", sagte Anschober. Das weltweite Epizentrum befinde sich mittlerweile in Europa. Dass in Österreich die Hospitalisierungen binnen einer Woche um 30 Prozent zugenommen haben, "erfüllt mich mit Sorge", meinte er bei der Pressekonferenz. Was die Intensivbetten betrifft, sei Österreich mit 641 noch verfügbaren "in einem guten Bereich" und weit entfernt von einer Situation beispielsweise in Frankreich oder Tschechien. Als zu hoch bezeichnete Anschober auch die Positivrate bei den Testungen, sie lag am Mittwoch beispielsweise bei 9,3 Prozent. 21.077 PCR-Tests wurden in den vergangenen 24 Stunden eingemeldet, davon waren 1.958 positiv.

Trotz der rasanten Zunahme der Zahl der Neuinfektionen liegt Österreich europaweit im Mittelfeld. Was die Anzahl der registrierten Fälle in den vergangenen 14 Tagen je 100.000 Einwohner betrifft, belegt Österreich in der EU den 15. Platz und schlägt sich damit - noch - passabel.

Spitzenreiter ist einer Auswertung des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) sowie deutscher und tschechischer Institutionen zufolge Tschechien mit 975,8 Fällen pro 100.000 Einwohner (14 Tage bis einschließlich 21. Oktober). Auf den Plätzen folgen Belgien (867,2), die Niederlande (574,4), Frankreich (441,7), Slowenien (370,6), Luxemburg (368,5), Spanien (347,1), Slowakei (322,7), Malta (303,3), Irland (270,8) Rumänien (240,2) Polen (232,3), Portugal (227,9) und Kroatien (215,4).