Kinderärzte: Prävention statt Schulschließung. Die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) spricht sich für bessere Präventionsmaßnahmen innerhalb der Bildungseinrichtungen statt Schulschließungen und Distance Learning aus. In einer Stellungnahme wurden etwa eine Erhöhung der Mindestabstände, Plexiglaswände, konsequentes Maskentragen der Lehrer und Lehrerinnen außerhalb der Klassen sowie flexiblere Schulstart- und -endzeiten angeregt.

Von APA / NÖN.at Erstellt am 10. November 2020 (05:00)
Die ÖGKJ spricht sich etwa für größeren Mindestabstand aus
APA (dpa/Symbolbild)

"Die Entscheidung über Schulschließungen sollte nicht durch unbewiesene Meinungen, fälschlicherweise von anderen Erkrankungen abgeleitete Annahmen oder unbegründete Angst geleitet werden, sondern auf wissenschaftlicher Evidenz, welche laufend zunimmt, basieren", betonen die Kindermediziner. Kinder würden sich seltener infizieren, weniger häufig symptomatisch erkranken und das Virus seltener weitergeben als Erwachsene. Dies gelte insbesondere für Kinder unter 14 Jahren.

Die Schließung von Bildungseinrichtungen hätte nicht nur gravierende Folgen für die Ausbildung, sondern auch "weitreichende Auswirkungen auf das soziale, psychische und geistige Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen", so die ÖGKJ. Dazu stellten sie auch die meist berufstätigen familiären Betreuungspersonen vor große Herausforderungen und führten durch deren Ausfall zu Problemen in der Arbeitswelt. Und: "Bei Auftreten eines Infektionsfalles innerhalb einer Kinderbetreuungseinrichtung/Schule ist eine Kontaktpersonen-Nachverfolgung wesentlich einfacher und effizienter möglich als in vielen anderen Bereichen."

Zur "Entschärfung" des Transports von und zur Schule schlagen die Kindermediziner eine Erhöhung der Schulbus-Kapazität und stundenweise Arbeits-Freistellungen für Eltern vor, um die Kinder individuell in die Schule zu bringen. "Dies wäre für Arbeitgeber besser als komplette Schulschließungen."

Außerdem könnte das Kontaktpersonen-Management verbessert werden: Ein einzelner positiver Fall unter Schülern müsse nicht zwangsweise zur Absonderung der gesamten Klasse bzw. aller betroffener Lehrkräfte führen. Die Plexiglaswände würden dazu beitragen, dass bei einem erkrankten Lehrer nicht mehrere Klassen abgesondert werden müssten bzw. umgekehrt. Schließlich sollten die Pädagogen als Schlüsselpersonal gewertet werden und auch als K1-Kontaktperson freiwillig unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen unterrichten können.

Weiters schlagen die Kindermediziner die Evaluierung der Empfehlung vor, bei Infektionen von Kindern bis zehn Jahren nicht die ganze Klasse abzusondern, sondern ohne den infizierten Schüler weiter zu unterrichten und zu testen. Sollte diese positiv ausfallen und keine vermehrten weiteren Infektionen bei nicht abgesonderten Klassen auftreten, könnte dieses Vorgehen auf die Gruppe der bis 12- oder 14-Jährigen ausgeweitet werden.