Platter & Ludwig orten kippende Stimmung in Bevölkerung. Tirols LH Günther Platter (ÖVP) sieht die Bevölkerung und die Politik in der Coronakrise nicht mehr an einem Strang ziehen. Er meinte laut Medienberichten, dass die Stimmung "kippt" und der Wunsch vieler nach Öffnungsschritten da sei. Er sprach sich für eine Diskussion über das Aufsperren von Handel und Schulen aus. Auch Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) tendierte in Richtung vorsichtiges Aufsperren mit konkreten Regelungen.

Von APA / NÖN.at. Erstellt am 27. Januar 2021 (17:24)
Günther Platter für vorsichtiges Öffnen
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Aus Sicht Platters liege das große Problem immer noch im privaten Bereich, hier seien die Ansteckungen noch zu hoch. Die Politik müsse nun der Bevölkerung entgegenkommen. Etwaige Öffnungsschritte müssten aber sehr genau abgewogen werden.

Ludwig plädiert ebenfalls für vorsichtige Öffnungsschritte mit konkreten Regelungen. "Man wird sich wahrscheinlich darauf verständigen müssen, dass man sehr konsequent Sicherungsvorkehrungen einfordert, aber trotzdem eine schrittweise Öffnung in bestimmten Bereichen ermöglicht - insbesondere für Kindergärten und Schulen, aber auch für Teile des Handels", sagte der Wiener Stadtchef am Rande der ersten rot-pinken Regierungsklausur am Nachmittag.

"Man spürt eklatant, dass sich die Bevölkerung weniger stark an den Vorgaben orientiert. Das entwertet natürlich die Bedeutung des Lockdowns und den Effekt des Lockdowns." Er könne sich "schwer vorstellen, dass wir mit einem harten verschärften Lockdown, so wie wir das jetzt erleben, das weitere Monate durchhalten. Ich glaube, da werden wir dann einen größeren Teil der Bevölkerung auf dem Weg verlieren", warnte Ludwig.

Platter zeigte sich indes "verärgert" über illegale Partys. Die Feiernden würden "ganz Tirol in Verruf bringen", sagte er und kündigte schärfere Kontrollen an. Platter ortete aber ein Tirol-Bashing, da man bei jeder Kleinigkeit mit dem Finger sofort auf Tirol zeige. 

Um Vorkommnisse wie in St. Anton zu unterbinden, wo offenbar junge Briten, Dänen und Schweden sich zum Feiern und Skifahren mit Anmeldung eines Zweitwohnsitzes einquartiert haben sollen, forderte Platter strengere Einreiseregeln. Der Aufenthalt aus beruflichen Gründen müsse glaubhaft gemacht werden. 

Wie der "Kurier" am Mittwoch online berichtete, will das Gesundheitsministerium nun eine "Präzisierung" vornehmen. "Wenn jemand als Jobsuchender einreist, um z.B. zu einem Bewerbungsgespräch zu kommen, hat dieser Mensch einen Nachweis dafür (z.B. Einladung)" mitzubringen. Ohne entsprechende Glaubhaftmachung sei eine Einreise aus beruflichen Zwecken nicht möglich, hieß es aus dem Ministerium.

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch und Tirols SPÖ-Chef Georg Dornauer kritisierten indes Platter und die ÖVP-Grünen-Koalitionen auf Landes- und Bundesebene wegen ihres Krisenmanagements. Dass Platter von "Kleinigkeiten" spreche, "ist unerhört und zeigt, dass die türkis-grünen Verantwortlichen aus Ischgl nichts gelernt haben", so Deutsch. "Corona-Cluster mit gefährlichen Virusmutationen, illegale Dauerpartys, Party-Touristen, die gar nicht im Land sein dürften und als Jobsuchende getarnte Skitouristen, die der Pistengaudi frönen, sind keine Kleinigkeit, Herr Landeshauptmann, sondern Grund, rasch zu handeln", sagte er. Auch Dornauer schlug in dieselbe Kerbe. Hinter diesen "Kleinigkeiten" würden politische Versäumnisse und erneut fatale Fehleinschätzungen und Fehlentscheidungen im Tiroler Krisenmanagement stecken, meinte der Tiroler SPÖ-Chef. "Jede Kritik an den massiven Versäumnissen der schwarz-grünen Landesregierung pauschal als 'Tirol Bashing' abzutun und weiterhin die Augen vor den offensichtlichen Fehlleistungen zu verschließen, ist eine Frechheit gegenüber den Menschen in unserem Land", fügte er hinzu.

Der Tiroler ÖVP-Nationalratsabgeordnete Hermann Gahr sah in Deutschs Aussagen indes einen "unrühmlichen Höhepunkt" im "Tirol-Bashing". Die Einseitigkeit der Kritik der SPÖ zeige deren rein parteipolitisch motivierte Absicht. "Wenn dutzende Fälle der britischen Virus-Mutation in einem Wiener Altenwohnheim auftreten, hört man von der SPÖ kein Wort. Wenn Bilder von überfüllten Eislaufplätzen, U-Bahnen und Menschenschlangen vor einem Wiener Burgerlokal die Printmedien füllen, taucht die SPÖ unter. Aber wehe es geht ums Skifahren. Dann steigt der Blutdruck der Genossen im Osten", so Gahr.