Impfstoff kommt zu spät für erste Krankheitswelle. Erst in den nächsten zwölf bis 18 Monaten sei realistischerweise mit einem Impfstoff gegen das Coronavirus zu rechnen. Für die aktuell laufende erste Welle der Pandemie kommt das zu spät. Davon zeigt sich der österreichische Virologe Florian Krammer von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York (USA) in einem in vorläufiger Version publizieren Perspektivenartikel überzeugt.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 20. März 2020 (13:11)
In zwölf bis 18 Monaten ist mit einem Impfstoff zu rechnen
APA (AFP)

Ein Grund dafür sei, dass es in Bezug auf die Entwicklung von Impfstoffen gegen Coronaviren, die Menschen betreffen, kaum Erfahrung gebe, so Krammer in dem gemeinsam mit der Mikrobiologin Fatima Amanat verfassten Artikel. Auch weil die Entwicklung und Weiterentwicklung von Grippeimpfstoffen langjährig gelebte Praxis ist, konnte beim Ausbruch der Schweinegrippe 2009 innerhalb von nur sechs Monaten ein Vakzin bereitgestellt werden. Jetzt habe man es aber mit einem komplett neu im Menschen auftretenden Erreger zu tun.

Aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit dem zu rund 80 Prozent mit dem aktuell grassierenden SARS-CoV-2-Virus identen, 2020 aufgetauchten SARS-Virus seien und dem MERS-Virus, sei zumindest klar, dass die Spike-Proteine an der Außenhaut des Virus der Ansatzpunkt sind. Trotz dieses Startvorteils gebe es derzeit noch keine Produktionsanlagen, mit denen schnell ein etwaiges Vakzin massenhaft hergestellt werden kann, schreiben die Wissenschafter.

Auch wenn nun "sehr innovative Entwickler" mit guter finanzieller Unterstützung an Lösungen arbeiten, habe keines der Unternehmen einen Wirkstoff in fortgeschrittenen Stadien klinischer Erprobung. Welche der Firmen, die teils verschiedene Entwicklungsansätze verfolgen, das Rennen machen wird, könne man aktuell nicht einschätzen. Selbst wenn manche der üblichen Prozeduren beim Testen und bei der Zulassung von Impfstoffen für Menschen abgekürzt werden könnten, brauche die Entwicklung, Produktion und flächendeckende Auslieferung einfach ihre Zeit.

Neben der Sicherheit und Verträglichkeit müsse auch sorgfältig abgetestet werden, wie lange ein neuer Impfstoff tatsächlich schützt. Denn bei Infektionen mit humanen Coronaviren sei bekannt, dass die Immunität fallweise nicht sehr lange aufrecht bleibt.

Da es nur wenige Virus-Typen gebe, die neue Erkrankungen auslösen könnten, die sich rasch über die Welt ausbreiten, könnte man für diese Kandidaten proaktiv Plattformen zur Vakzinentwicklung aufbauen. "Selbst wenn es unwahrscheinlich ist, dass dann genau jene Viren anhand derer die Kandidaten entwickelt werden, auch Ausbrüche auslösen", hätte man zumindest eng verwandte, bereits getestete Vakzine in der Schublade. "Das würde eine Reaktion in wenigen Wochen erlauben und könnte ein Virus potenziell auf lokaler Ebene stoppen, bevor eine Pandemie entsteht", schreiben die Wissenschafter.

Im Angesicht der aktuellen Krise sollte intensiv über derartige Initiativen nachgedacht und Mittel dafür freigemacht werden. "Die Viren werden nämlich weiter auf uns zukommen", so Amanat und Krammer.

(S E R V I C E - http://go.apa.at/yCwDJyoy)