So viele Neuinfizierte in Tschechien wie noch nie. Der Trend zunehmender Corona-Infektionszahlen in Tschechien hält an. Am Freitag kamen 1.447 bestätigte Fälle hinzu, mehr als je zuvor an einem Tag. Das gab das Gesundheitsministerium in Prag am Samstag bekannt. Mexiko überschritt unterdessen die Zahl von 70.000 Corona-Toten. Damit wurden auch die pessimistischsten Prognosen übertroffen. Mexiko ist das Land mit der vierthöchsten Todeszahl weltweit.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 12. September 2020 (14:32)
Hrib kritisiert tschechische Regierung
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Mehr als 12.200 aktive Fälle gab es in Tschechien. Seit Beginn der Pandemie starben 450 Menschen in Verbindung mit einer Covid-19-Erkrankung.

Prags Oberbürgermeister Zdenek Hrib übte im tschechischen Fernsehen CT scharfe Kritik an der Krisenpolitik der Regierung. Sie habe verschlafen, dass es mit dem Schulbeginn nach den Sommerferien zu einer Infektionswelle kommen werde, sagte der studierte Mediziner. Die Schulen seien zu "Covid-Tauschbörsen" geworden. In Tschechien gilt landesweit in fast allen Innenräumen eine Maskenpflicht, nicht aber in den Klassenzimmern der Schulen.

Niemand habe erwartet, dass der Anstieg so schnell und so massiv ausfallen werde wie in den zurücklegenden 14 Tagen, entgegnete Gesundheitsminister Adam Vojtech. Die deutsche Bundesregierung hatte die besonders betroffene Hauptstadtregion Prag am Mittwoch zum Risikogebiet erklärt und vor Reisen dorthin gewarnt.

In Großbritannien schlug ein führender Gesundheitsexperte angesichts steigender Corona-Infektionszahlen Alarm. "Man muss sagen, wir fangen an, die Kontrolle über das Virus zu verlieren", sagte der Chef des staatlichen Forschungs- und Innovationsinstituts UKRI, Mark Walport, dem Sender BBC am Samstag. Am Freitag hatte es in Großbritannien mehr als 3.500 Neuinfektionen gegeben - so viel wie zuletzt Mitte Mai.

Entgegen der zuletzt von Premierminister Boris Johnson forcierten Kampagne, die Briten sollten in ihre Büros zurückkehren, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, riet der ehemalige Regierungsberater Walport, wenn möglich weiter zuhause zu arbeiten. Da Schüler zurück in den Schulen und Studenten in den Universitäten seien, sei es umso wichtiger, in anderen Bereichen die Kontakte zu reduzieren.

Die britische Regierung hat in dieser Woche wieder strengere Maßnahmen beschlossen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen: So dürfen sich in England ab Montag nur noch maximal sechs Leuten treffen. In regionalen Corona-Hotspots wie der Stadt Birmingham gelten noch strengere Regeln. Zudem kündigte die Regierung ein sehr ambitioniertes Testprogramm und die Einführung einer Corona-App Ende September an. Allerdings hatte es bei vorherigen Testläufen massive Probleme gegeben.

In Mexiko starben allein in den vergangenen 24 Stunden starben 534 Menschen an den Folgen einer Coronavirus-Erkrankung, womit die Gesamtzahl der Todesopfer am Freitag auf 70.183 stieg, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Die Behörde hatte die Zahl der durch die Pandemie verursachten Todesfälle anfangs auf 8.000 geschätzt, bevor sie in einem "Katastrophen"-Szenario von bis zu 60.000 Toten ausgegangen war.

Mexiko ist das Land mit der vierthöchsten Todeszahl weltweit, - nach den USA, Brasilien und Indien. Infiziert haben sich in dem lateinamerikanischen Land bisher insgesamt mehr als 658.000 Menschen. Seit Ende März herrschen Corona-Beschränkungen in Mexiko. Einige Wirtschaftsbereiche wurden seit Juni langsam wieder geöffnet, Schulen sind jedoch immer noch geschlossen.