Bayern-Trainer Carlo Ancelotti muss gehen. Die zu erwartenden Chaostage in München nach der Champions-League-Niederlage des FC Bayern gegen Paris Saint-Germain haben nur wenige Stunden gedauert.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 28. September 2017 (17:35)
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Carlo Ancelotti muss gehen

Am Donnerstagnachmittag zog der deutsche Fußball-Rekordmeister nach der 0:3-Pleite in Paris vom Vortag eine radikale Konsequenz: Chefcoach Carlo Ancelotti und das gesamte Trainerteam wurden freigestellt. Als Interimstrainer übernahm Willy Sagnol.

"Die Leistungen unserer Mannschaft seit Saisonbeginn entsprachen nicht den Erwartungen, die wir an sie stellen. Das Spiel in Paris hat deutlich gezeigt, dass wir Konsequenzen ziehen mussten. Das haben Hasan Salihamidzic und ich Carlo heute in einem offenen und seriösen Gespräch erklärt und ihm unsere Entscheidung mitgeteilt", sagte der Bayern-Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge laut einer Mitteilung.

Assistenten fliegen ebenfalls raus

Auch die italienischen Assistenten von Ancelotti - Davide Ancelotti, Giovanni Mauri, Francesco Mauri und Mino Fulco - wurden laut der Mitteilung freigestellt. Der französische Assistenzcoach Sagnol hingegen durfte bleiben und wird bis auf Weiteres das Training leiten.

Der 58-jährige Ancelotti hatte den deutschen Serienmeister zu Beginn der Saison 2016/2017 als Nachfolger von Pep Guardiola übernommen. In der vergangenen Spielzeit führte er die Mannschaft mit den Österreichern David Alaba und Marco Friedl zur Meisterschaft, scheiterte in der Champions League im Viertelfinale aber an Atletico Madrid und im DFB-Cup-Halbfinale an Borussia Dortmund.

Bei der höchsten Vorrundenniederlage der Münchner in 21 Jahren Champions League hatte Ancelotti am Mittwochabend mit seiner Aufstellung für Verwunderung gesorgt. Mats Hummels und Franck Ribery saßen 90 Minuten auf der Bank, Jerome Boateng nur auf der Tribüne. Arjen Robben wurde erst eingewechselt, als die Partie nach Toren von Dani Alves (2.), Edinson Cavani (31.) und Neymar (63.) schon entschieden war.

Rummenigge trifft "professionelle Entscheidung"

"Ich darf mich bei Carlo für die Zusammenarbeit bedanken und bedauere die Entwicklung, die sie genommen hat. Carlo ist mein Freund und wird es bleiben, aber wir mussten hier eine professionelle Entscheidung im Sinne des FC Bayern treffen", erklärte Rummenigge weiter und betonte: "Ich erwarte jetzt von der Mannschaft eine positive Entwicklung und absoluten Leistungswillen, damit wir unsere Ziele für diese Saison erreichen."

Carlo Ancelotti wünschte sich im Sommer ausdrücklich die Verpflichtung von Willy Sagnol. Nach nur vier Monaten steht der stille Franzose beim FC Bayern München plötzlich im Fokus, nachdem sich der deutsche Fußball-Meister am Tag nach dem 0:3 bei Paris Saint-Germain vom hochdekorierten Italiener getrennt hatte. Ironie des Schicksals.

Sagnol übernimmt vorläufig

"Dass Carlo Ancelotti, einer der besten und erfahrensten Trainer des Weltfußballs, sich für mich entschieden hat, ist eine große Ehre für mich", hatte Sagnol im Sommer gesagt, als er den Posten im Trainerstab des Rekordmeisters antrat. Am Sonntag steht er im Ligaspiel der Bayern bei Hertha BSC als Cheftrainer im Mittelpunkt - bei einem europäischen Schwergewicht.

Der ehemalige Rechtsverteidiger Sagnol betreute von 2013 bis 2014 die U21-Auswahl Frankreichs. Von 2014 bis 2016 war er Coach des französischen Erstligisten Girondins Bordeaux. Sagnol arbeitete auch als TV-Experte, Scout bei den Bayern und machte im Rahmen seiner UEFA-Trainer-Ausbildung auch Stippvisiten in München.

Als Aktiver war der 63-fache Nationalspieler im Sommer 2000 von AS Monaco nach München gewechselt. 2001 zählte er zur Mannschaft, die in Mailand die Champions League gewann. Fünfmal holte Sagnol die deutsche Meisterschaft, viermal den DFB-Cup.

Der 40-Jährige war als Profi eine Identifikationsfigur und Publikumsliebling in München. Charakteristisch waren seine Flankenläufe auf der rechten Flanke, die stets von langgezogenen "Willy-Rufen" begleitet wurden. Sagnols Abschied vom Profifußball war dagegen trist. Anfang 2009 musste er wegen anhaltender Achillessehnen-Probleme seine Karriere beenden - im Alter von nur 31 Jahren.