Warnstreiks des Sicherheitspersonals. An mehreren deutschen Flughäfen ist seit dem frühen Dienstagmorgen das Sicherheitspersonal im Ausstand. Hunderte Flügen fallen aus, Zehntausende Passagiere kommen nicht wie geplant an ihr Ziel. Auch Flüge von und nach Österreich sind betroffen.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 15. Januar 2019 (14:41)
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Warnstreik des Sicherheitspersonals am Flughafen Frankfurt

Begonnen hat der Warnstreiktag der Gewerkschaft Verdi um Mitternacht an den Flughäfen Hamburg, Hannover und Bremen. Dort soll das Sicherheitspersonal den ganzen Dienstag nicht arbeiten. Seit 2.00 Uhr beteiligt sich auch das Sicherheitspersonal an Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt/Main an dem Warnstreik. Dort sind etwa 5.000 Beschäftigte für die Kontrolle von Passagieren und Fracht zuständig. Der Arbeitskampf in Frankfurt soll bis 20.00 Uhr dauern.

Allein in Frankfurt wurden mit Stand Montagabend 570 der geplanten 1.200 An- und Abflüge gestrichen. Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport hatte Fluggäste frühzeitig aufgerufen, möglichst umzuplanen. Warnstreiks sind zudem an den Flughäfen Dresden, München, Leipzig/Halle und Erfurt angekündigt.

Von den Warnstreiks sind auch mehrere Flüge von und nach Österreich betroffen. Am Flughafen Wien-Schwechat fallen zehn Flüge aus. Das betrifft vier Flüge von und nach Hannover und sechs Flüge von und nach Hamburg. Am Flughafen Linz wurden je drei Flüge von und nach Frankfurt storniert.

Flugverbindungen ab Wien zu den Standorten Frankfurt, München und Leipzig sind nicht betroffen. Der Flughafen Wien empfiehlt dennoch allen Passagieren, den aktuellen Status des Fluges vor Reiseantritt bei der gebuchten Fluglinie zu überprüfen.

"Aus derzeitiger Sicht, wenn es zu keinen weiteren Streikaktionen kommt, würde der Flugbetrieb ab morgen wieder plangemäß laufen", sagte Flughafen Wien-Sprecher Peter Kleemann am Dienstag zur APA.
 

Die deutsche Gewerkschaft Verdi fordert im Streit um Tariferhöhungen für das Sicherheitspersonal an Flughäfen ein verbessertes Offert der Arbeitgeber. Diese müssten ein "deutlich verbessertes und damit verhandlungsfähiges Angebot" vorlegen, erklärte die Dienstleistungsgewerkschaft am Dienstag. Nur so seien weitere Beeinträchtigungen des Flugverkehrs zu vermeiden.

Die fünfte Runde der Tarifgespräche ist für den 23. Jänner in Berlin anberaumt. Verdi fordert für die rund 23.000 Beschäftigten bei Passagier-, Fracht-, Personal- und Warenkontrollen einen einheitlichen Stundenlohn von 20 Euro brutto. Bisher liegen die Löhne je nach Bundesland und Tätigkeit zwischen 11,30 Euro und 17,16 Euro. Die im Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) zusammengeschlossenen Arbeitgeber hatten nach eigenen Angaben zuletzt zwischen zwei und 6,4 Prozent Erhöhung angeboten. Die Forderung nach 20 Euro Stundenlohn hatten sie als absurd zurückgewiesen.

Bereits in der vergangenen Woche hatte es Warnstreiks des Flugsicherheitspersonals gegeben - zunächst an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld, dann in Düsseldorf, Köln/Bonn und Stuttgart. Verdi begründet die jetzige Eskalation damit, die Arbeitgeber hätten trotz der Warnsignale "kein verhandlungsfähiges Angebot" vorgelegt.

Arbeitgeber, Tourismusverbände und Wirtschaft kritisierten die Ausweitung der Warnstreiks deutlich. "Erneut wird ein Tarifkonflikt einer einzelnen Berufsgruppe auf dem Rücken von Hunderttausenden Passagieren, den Luftverkehrsbetrieben und vielen weiteren Unternehmen der deutschen Tourismuswirtschaft ausgetragen", monierte der Generalsekretär des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW), Michael Rabe. "Von Warnstreiks, also der Idee punktueller Warnsignale Richtung Arbeitgeber, kann hier definitiv keine Rede mehr sein. Spätestens mit diesem dritten Ausstand binnen zehn Tagen wird der Bogen maßlos überspannt."

Der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) reagierte mit Unverständnis auf die aus seiner Sicht unverhältnismäßigen Warnstreiks: Die Arbeitgeberseite habe bereits im Dezember klar gemacht, dass sie zu einem neuen Angebot und zu zügigen Verhandlungen ab Jahresanfang bereit sei. Angesetzt ist die fünfte Verhandlungsrunde in dem Tarifkonflikt für 23./24. Jänner in Berlin.