Fall Susanna: Verdächtiger soll Tötung gestanden haben. Der im Nordirak unter Mordverdacht festgenommene 20-jährige Ali B. soll die Tötung der 14-jährigen Susanna aus Mainz gestanden haben.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 09. Juni 2018 (11:22)
Susanna wurde vergewaltigt und ermordet
APA/ag.

Der Festgenommene habe von einem Streit mit dem Mädchen gesprochen, in dessen Folge er sie getötet hätte, berichtete die "Bild"-Zeitung am Samstag. Die Zeitung beruft sich dabei auf den Polizeichef im nordirakischen Dohuk. Ali B. soll noch am Samstagabend in Frankfurt landen. 

Das Mädchen habe versucht, die Polizei anzurufen, was den Mann dann zur Tat getrieben hätte, sagte der Polizeioffizier am Freitagabend einem kurdisch-irakischen TV-Sender. Der 20-Jährige wird verdächtigt, die Jugendliche vergewaltigt und getötet zu haben. Sie war zwei Wochen lang vermisst worden, bevor ihre Leiche am Mittwoch in einem Erdloch in Wiesbaden entdeckt wurde.

Ali B. lebte in einer Wiesbadener Flüchtlingsunterkunft. Sein Asylantrag war im Dezember 2016 abgelehnt worden, wogegen er geklagt hat. Gegen ihn laufen mehrere Verfahren, unter anderem wegen Raubüberfalls. Am Freitag war er im Nordirak festgenommen worden, am Samstagabend soll er von der deutschen Bundespolizei per Flugzeug nach Frankfurt überstellt werden.

In Mainz sind für Samstag mehrere Demonstrationen geplant. Die Bürgerrechtsbewegung "Solidarität" etwa meldete eine Demo in der Innenstadt an. Unter dem Motto "Stop the Violence - gegen sexualisierte Gewalt und Unterdrückung" plant die "Gutmenschliche Aktion Mainz" eine Kundgebung am Hauptbahnhof und einen Zug zum Petersplatz nahe dem Schloss. Dort will man sich mit einer Trauerkundgebung gegen Rassismus wenden. Die AfD-Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz will hingegen ganz in der Nähe unter dem Motto "Es reicht! Endlich Konsequenzen ziehen!" vor der Staatskanzlei demonstrieren.

Bereits am Freitagabend versammelten sich Menschen in der Nähe des Fundorts der Leiche zu einem Trauermarsch in Gedenken an Susanna. Zur Teilnehmerzahl machte die Polizei keine Angaben.

Der Fall löste bereits eine heftige politische Debatte aus. Nach Auffassung der Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam an der Frankfurter Goethe-Universität, Susanne Schröter, sollte sich die deutsche Gesellschaft Konzepte für den Umgang mit patriarchalisch geprägten und aggressiven Männern überlegen. "Das ist jetzt kein Einzelfall mehr", sagte die Ethnologin.

Im Islam wie auch in anderen Religionen gebe es patriarchalisch geprägte Normen, die Gewalt und sexuelle Übergriffe legitimierten, sagte die Forscherin. Im Fall Susanna könne dies der Hintergrund sein: "Dieser junge Mann hatte ganz offensichtlich überhaupt keinen Respekt." Weder vor der deutschen Gesellschaft, noch vor Frauen oder Polizisten, sagte die Forscherin. Es gebe aber in Deutschland auch sehr, sehr viele muslimisch geprägte junge Männer, die Frauen und Werte achteten und selbst gegen patriarchalische Strukturen ankämpften.

Der Fall der getöteten Susanna wecke Ängste in Teilen der Bevölkerung, die auch durch Fehleinschätzungen entstünden, sagte der Marburger Sozialpsychologe Ulrich Wagner. "Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir Wahrnehmungsfehlern unterliegen und zur Überschätzung der tatsächlichen Zustände neigen, wenn es um den Zusammenhang von Kriminalität und bestimmten Gruppen geht." Man könne den Sorgen aber begegnen, sagte der Psychologe. Etwa indem man sich bewusst mache, dass die Wahrscheinlichkeit, dass man selbst oder das eigene Kind Opfer einer solchen Tat werde, gering sei.