Überraschungscoup: Finnland feiert seine "Löwen". Nach dem Überraschungscoup seines No-Name-Teams bei der Weltmeisterschaft in der Slowakei feiert Finnland seine Eishockey-Helden. Knapp 10.000 Fans zelebrierten in der Nacht zum Montag auf einem zentralen Platz in der Hauptstadt Helsinki den dritten WM-Titel. Auch Medien bejubelten den überraschenden Sieg des Außenseiters, der am Sonntag im Finale in Bratislava Kanada mit 3:1 besiegt hatte.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 27. Mai 2019 (12:06)
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Finnland gewann Eishockey-Weltmeisterschaft

"Die größte finnische Eishockey-Sensation aller Zeiten ist eine Tatsache: Finnlands unterschätzte Mannschaft mit 18 Debütanten ist Weltmeister!", schrieb die Zeitung "Hufvudstadsbladet". Am Montagnachmittag wurden die Weltmeister zurück in Finnland erwartet, dann dürfte es ein großes Fest geben. Den bis dato letzten finnischen WM-Sieg 2011, ebenfalls in Bratislava errungen, hatten rund 100.000 Finnen gemeinsam mit dem Team auf einem Volksfest gefeiert.

In die Lobeshymnen stimmte selbst Finnlands Präsident Sauli Niinistö ein. "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg", schrieb er nach dem WM-Sieg auf Twitter. "Ihr habt das Unfassbare geschafft. Danke und herzlichen Glückwunsch an eine Eishockey-Mannschaft mit einem großen Herzen." Finnlands ehemaliger Star Teemu Selänne schrieb auf Twitter: "Ich bin so stolz auf diese Burschen. Unser Land wird das noch lange, lange feiern."

Ein überragender Torhüter Kevin Lankinen und Kapitän Marko Anttila mit einem Doppelpack führten die Finnen zu einem Triumph, der vor der WM unmöglich schien. Denn während Russland mit einer Auswahl an Superstars und Titelverteidiger Schweden, Kanada und die USA mit hochkarätigen NHL-Auswahlen angereist waren, hatte Finnlands Teamchef Jukka Jalonen nur zwei junge NHL-Spieler zur Verfügung.

"Die unbekannten Finnen", war der Titel der Vorschau auf der Homepage des internationalen Verbandes IIHF. Doch die "Leijonat" (Löwen), wie das Team genannt wird, kämpften in der K.o.-Runde zunächst Schweden (5:4 n.V.), dann Russland (1:0) und schließlich Kanada nieder.

Auf den zweiten Blick ist der Erfolg der Finnen weniger erstaunlich. Sie verfügen über ein großes Arsenal an Talenten, seit 2014 wurden sie dreimal U20- und zweimal U18-Weltmeister. Mit Kaapo Kakko machte einer aus der jungen Garde auch in der Slowakei Schlagzeilen. Der 18-jährige war mit sechs Treffern bester Torschütze seines Teams und ist nun der jüngste Spieler, der sowohl bei U18, U20 und bei den Senioren WM-Gold geholt hat.

Die Basis des Erfolgs wurde im Jahr 2009 gelegt, als der finnische Verband (FIHA) ein Gipfeltreffen mit der gesamten Eishockey-Kompetenz des Landes einberief und die Nachwuchsförderung überarbeitete. So wurden mit dem finanziellen Gewinn der Heim-WM 2012 25 "Skills"-Trainer eingestellt, die mit Spielern zwischen 10 und 14 Jahren zusammenarbeiten. Zwar bezahlen die Vereine die Gehälter, sie erhalten aber vom Verband eine jährliche Unterstützung von etwa 30.000 Euro.

"Das Treffen im Jahr 2009 und die spezifischen Trainer sind die Hauptgründe, warum Finnland Spieler wie Laine, Aho, Puljujärvi und viele andere aufstrebende Stars hervorbringt", sagt Teamchef Jalonen, der schon beim WM-Titel 2011 an der Bande stand.