Wien verlängert Lockdown bis 2. Mai. Wien wird den Lockdown nicht am kommenden Sonntag beenden, sondern ihn bis 2. Mai verlängern. Handel und persönliche Dienstleister werden so lange geschlossen bleiben. Die Schulen werden hingegen früher wieder öffnen, sie bleiben bis 25. April im Distance Learning. Das hat Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) am Montagnachmittag mitgeteilt.

Von APA / NÖN.at. Update am 12. April 2021 (19:30)
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Er hatte zuvor zu einer Videokonferenz geladen, an der neben Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) und Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr (NEOS) auch Medizinerinnen und Mediziner teilgenommen haben. Besprochen wurde dabei vor allem die Lage in den Spitälern. In Wien sind vor allem die Zahlen bei den Intensivpatienten zuletzt wieder auf einen neuen Höchststand geklettert, aktuell sind es fast 250 Betroffene. An den heutigen Beratungen haben auch Intensivmediziner teilgenommen.

"Ich weiß, dass das unpopuläre Maßnahmen sind", betonte Ludwig in seinem Pressestatement. Angesichts der Lage in den Spitälern gebe es aber keine andere Möglichkeit. 778 an Covid erkrankte Menschen würden derzeit eine Behandlung im Krankenhaus benötigen, gab Ludwig zu bedenken. Vor allem mache das veränderte Virus dem Gesundheitssystem zu schaffen: "Wir befinden uns durch die sogenannte britische Mutation in einer völlig neuen Situation."

Immer mehr jüngere Patienten seien nun betroffen. Die Mutation würde sich rasch verbreiten und sei sehr aggressiv. "Es kann jede und jeden treffen", warnte der Stadtchef. Die Steigerung bei den Intensivpatienten betrage täglich zwischen zwei und fünf Personen.

Ludwig hat laut eigenen Angaben auch bereits den Bund sowie die Länder - allen voran Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und seine Amtskollegen aus dem Burgenland, Hans Peter Doskozil (SPÖ), informiert. Diese würden nun ebenfalls über die nächsten Schritte beraten. Er hoffe, dass die Maßnahmen in der gesamten Ostregion verlängert würden, sagte der Bürgermeister. Es wäre "wirklich wichtig", dass Niederösterreich und das Burgenland hier mit Wien gemeinsam an einem Strang ziehen.

Ludwig zeigte sich auch zuversichtlich, dass dort die Entscheidungen rasch erfolgen werden. "Ich glaube nicht, dass sie bis Freitag zuwarten werden." Ende der Arbeitswoche steht die nächste Bund-Länder-Runde auf dem Programm, wobei das ursprüngliche Ende des Lockdowns in der Ostregion für Sonntag geplant war. Er habe nicht so lange mit der Entscheidung zuwarten wollen, betonte Ludwig.

Wiener Maßnahmen wie Maskenpflicht an einigen öffentlichen Plätzen bleiben ebenfalls aufrecht. In welcher Form und unter welchen Voraussetzungen Handel und persönliche Dienstleistungen dann im Mai wieder öffnen werden, werde noch zwischen dem Bund und den Ländern besprochen, sagte der SPÖ-Politiker. Ludwig schloss auch nicht aus, dass die Gastronomie dann wieder aufsperren wird.

Wie es in den Schulen nun weitergeht, wird laut Ludwig noch fixiert. Es werde hier Gespräche von Bildungsstadtrat Wiederkehr mit - dem bereits ebenfalls informierten - Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) geben. Fraglich ist etwa noch, wie mit den derzeit geltenden Ausnahmen für Abschlussklassen umgegangen wird, hieß es. Für diese ist aktuell Präsenzunterricht vorgesehen.

Bildungsminister Faßmann betonte in einer Stellungnahme gegenüber der APA, dass er sich mit Bürgermeister Ludwig darauf geeinigt habe, dass die Schulen am 26. April und damit als erste wieder öffnen. "Jeder gewonnene Schultag zählt in dieser Pandemie doppelt", so der Minister. Er sei mit Ludwig einig, dass die Bildungsschere nicht weiter aufgehen dürfe. Außerdem würden die Schulen auch einen Beitrag zur Pandemiebekämpfung leisten. An den Volksschulen werde dreimal in der Woche getestet, großteils würden nun auch qualitativ hochwertigere Tests eingesetzt. "So erreichen wir Gruppen, die sonst nie zu den Testungen gehen."

Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr sprach in einer der APA übermittelten Stellungnahme von einem "schmerzhaften Kompromiss". Die Lage in den Wiener Spitälern sei nach wie vor sehr ernst. Es habe die klare Empfehlung von Expertinnen und Experten gegeben, weiter strikte Maßnahmen zu setzen. "Als Bildungsstadtrat habe ich in den vergangenen Tagen sehr darum gekämpft, ein klares Zeichen zu setzen. Denn jeder weitere Tag, an dem die Schulen geschlossen sind, geht auf Kosten der Zukunftschancen unserer Kinder", betonte Wiederkehr. Die Schulen würden nun als erste wieder öffnen. Damit werde Klarheit und Perspektive für Eltern, Kinder und Pädagogen geschaffen.

Klare Ablehnung äußerte hingegen der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp. Der von Ludwig verlängerte Endloslockdown habe "verheerende wirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen", zeigte er sich in einer Aussendung überzeugt. Es sei verabsäumt worden, rechtzeitig Maßnahmen zu setzen, um die Spitalskapazitäten auszubauen: "Diese Lockdown-Verlängerung wird keine Menschenleben retten, aber viele weitere Handelsunternehmen in den Ruin treiben und damit zigtausende Menschen zusätzlich in die Arbeitslosigkeit führen." Nepp forderte sofortige kontrollierte Öffnungsschritte, insbesondere in den Außenbereichen.