Coronavirus zieht weltweit immer weitere Kreise. Die Aktivität des Coronavirus könnte sich in China verlangsamen, es zieht aber weltweit immer weitere Kreise: Aus China wurden am Freitag so wenig Neuinfektionen wie seit einem Monat nicht gemeldet, nämlich 327. Die Zahl der Toten kletterte um 44 Opfer auf 2.788. Mit den Niederlanden, Weißrussland, Litauen, Nigeria, Mexiko und Neuseeland kamen weitere Länder mit bestätigten Fällen dazu.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 28. Februar 2020 (16:01)
Labortechniker testet Proben von Coronavirus-Verdachtsfällen in Wuhan
APA (AFP)

Die Schweiz hat unterdessen alle Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern oder Zusehern gestoppt. Das gilt für Sportevents genauso wie für Kulturveranstaltungen oder Messen. Unter anderem wurde der Genfer Autosalon abgesagt. In Österreich kündigte Franz Lang, stv. Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Ratschläge für die Organisatoren von in den nächsten Tagen und Wochen angesetzten Großveranstaltungen durch den Einsatzstab an.

In Deutschland gibt es mittlerweile knapp 60 Fälle von bestätigten Infektionen mit Coronavirus Sars-CoV-2. Das teilte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums am Freitag in Berlin mit. Trotz der weltweiten Ausbreitung des Coronavirus schätzen die Behörden das Risiko für die Menschen in Deutschland als nur mäßig ein. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Freitag zwar 27 neue Infektionen, doch diese seien im Wesentlichen in den bekannten drei Regionen aufgetreten. "Zur Zeit scheint es kein breites Geschehen in Deutschland zu geben", sagte RKI-Vizepräsident Lars Schaade. "Das Risiko für Deutschland ist gering bis mäßig einzuschätzen."

Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charite erwartet in Deutschland allerdings eine der höchsten Fallzahlen Europas, "weil unsere Bevölkerung sehr reisefreudig ist". Die Angst vor dem Virus Sars-CoV-2 sorgt inzwischen für erste Hamsterkäufe. Bei Beratungen des Krisenstabs der Bundesregierung in Berlin sollte es am Nachmittag laut Gesundheitsministerium darum gehen, Kriterien zu Großveranstaltungen zu erarbeiten. Diese sollen örtlichen Behörden helfen, konkrete Maßnahmen zu treffen.

In Deutschland waren neue Fälle in Hamburg und Hessen bekannt geworden. Dabei handle es sich zum einen um Italien-Reisende, wo in Europa die meisten Fälle aufgetreten sind. Der Fall in Hamburg betrifft einen Arzt der Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), teilten die Klinik und die Hamburger Behörde für Gesundheit mit. Der nach einem Aufenthalt im Trentino Infizierte ist demnach in stabilem Zustand und in häuslicher Quarantäne. Seine etwa 50 Kontaktpersonen sollten informiert und getestet werden. In Baden-Württemberg stieg die Zahl der Infizierten um zwei auf zehn.

Bayern testet unterdessen alle neu ankommenden Flüchtlinge und Asylwerber schon bei der Ankunft auf das neuartige Coronavirus, sagte Innenminister Joachim Herrmann am Freitag nach einer Sitzung des Kabinettsausschusses in München. Bisher sei kein positiver Fall dabei gewesen.

In den Niederlanden wurde erstmals eine Infektion bestätigt. Damit sind in Europa nun mindestens 19 Länder betroffen, wie aus der Statistik des europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hervorgeht. Erste Fälle gab es auch in Litauen und Weißrussland, in Rumänien wurden zwei weitere Fälle bestätigt, die beide Italien-Heimkehrer betrafen. Laut RKI hat sich die Zahl der Fälle weltweit auf mehr als 83.000 Infizierte in 52 Ländern erhöht. Ein Teil dieser Menschen ist längst wieder geheilt oder hatte von vornherein keine oder kaum Symptome, überstandene Infektionen bleiben in der Statistik aber weiter erfasst.

Die japanische Insel Hokkaido rief wegen der Coronavirus-Epidemie den Notstand aus. Die Behörden forderten alle Bewohner auf, am kommenden Wochenende zu Hause zu bleiben. Der Notstand soll bis zum 19. März gelten, wie Gouverneur Naomichi Suzuki in Sapporo mitteilte. Die Situation erfordere "beispiellose und drastische Maßnahmen". Auf Hokkaido gibt es bis jetzt 63 bestätigte Coronavirus-Fälle, zwei Erkrankte sind gestorben. Damit wurden auf der nordjapanischen Insel mehr als ein Viertel aller Infektionen in Japan registriert. Die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe in Tokio hat bereits ein Team von Gesundheitsexperten und Beamten nach Hokkaido geschickt, um die Epidemie einzudämmen.

Unterdessen ist ein weiterer Passagier von dem im japanischen Hafen Yokohama unter Quarantäne gestellten Kreuzfahrtschiffs "Diamond Princess" gestorben. Kyodo News berichtete, dass es sich dabei um einen britischen Mann handelte.

Außerhalb Europas wurden die jeweils ersten Fälle ihres Landes aus Neuseeland, Nigeria und Mexiko gemeldet. Der Fall in Nigeria ist der erste Infektionsfall aus den afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Der Erreger wurde nach Angaben der nigerianischen Regierung bei einem Italiener diagnostiziert, der in dem westafrikanischen Land arbeitet. Der Mann war kürzlich von einem Besuch in Mailand zurückgekehrt. Auf dem afrikanischen Kontinent waren zuvor nur zwei Fälle der Coronavirus-Infektion bestätigt worden - jeweils einer in Algerien und Ägypten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte diese Woche gewarnt, dass die afrikanischen Gesundheitssysteme nicht ausreichend für die Bekämpfung des Erregers gewappnet seien. In Mexiko wurde das Virus bei zwei Männern festgestellt, die aus Italien zurückgekommen waren.

Russland verschärfte inzwischen am Freitag die Einreisebestimmungen für Iraner und Südkoreaner. In einem Dekret verfügte der russische Ministerpräsident Michail Mischustin die "vorübergehende Einstellung" der Visavergabe an Iraner. Einreisebeschränkungen wurden zudem für Reisende aus Südkorea verhängt.

Bis auf Weiteres würden keine Tourismus-, Arbeits- oder Studienvisa für Iraner ausgestellt, heißt es in dem Dekret. Auch Transitvisa für Russland können iranische Staatsbürger vorerst nicht mehr beantragen. Nach offiziellen Angaben aus Teheran erhöhte sich die Zahl der Coronavirus-Fälle im Iran am Freitag auf 388. In dem Land starben bisher 34 Menschen an dem Virus. Die neuen russischen Einreisebeschränkungen für Südkorea gelten ab Sonntag. Demnach können Reisende, die mit dem Flugzeug aus Südkorea kommen, vorübergehend nicht in Russland einreisen.

Südkorea gab am Freitag 256 weitere bestätigte Infektionsfälle bekannt. Damit stieg die Zahl der bekannten Coronavirus-Fälle in dem Land auf mehr als 2.000, 13 Menschen starben.

Auch Pakistan reagierte mit Reisebeschränkungen auf den Coronavirus-Ausbruch. Der Flugverkehr zum Iran sei vollständig eingestellt worden, die Grenzen zum Nachbarland seien geschlossen, erklärten Regierungsvertreter am Freitag. Die Ankündigung erfolgte, nachdem in Pakistan erstmals zwei Coronavirus-Fälle nachgewiesen wurden. In beiden Fällen handelte es sich um Menschen, die zuvor im Iran waren.