WAC plant in Istanbul den nächsten Coup. Druck braucht der WAC vor seiner nächsten Aufgabe nicht verspüren. Am Donnerstag (18.55 Uhr) gastieren die bisher ungeschlagenen und über ihre Erwartungen spielenden Kärntner am dritten Spieltag der Europa League bei Istanbul Basaksehir. Die politische Lage im Land soll ausgeblendet werden, der Respekt vor spielstarken Altstars auf der Gegenseite aber auch.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 23. Oktober 2019 (05:00)
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Die Wolfsberger sind bereit für die nächste Aufgabe

Im Duell des Vierten der türkischen Süper Lig mit dem Dritten der österreichischen Bundesliga sind die Vorzeichen klar: Der WAC ist erneut Außenseiter. Doch ein Punktgewinn wäre keine Sensation mehr. Basaksehir scheiterte in der Qualifikation zur Champions League an Olympiakos Piräus (0:3) und hat nun in der Europa-League-Gruppe J einen Zähler auf dem Konto.

Der WAC verteidigt nach überzeugenden Vorstellungen und vier Punkten derzeit einen Aufstiegsplatz. "Wir werden mit einem cleveren Matchplan ins Spiel gehen, schlau am Platz agieren, aber mit der aktiven Haltung spielen, die man von uns gewöhnt ist. Wir wollen uns wieder etwas zutrauen", versprach Coach Gerhard Struber gegenüber der APA - Austria Presse Agentur.

Damit sind die Kärntner bisher gut gefahren. Borussia Mönchengladbach (4:0) wurde prompt am falschen Fuß erwischt, der großen AS Roma in Graz ein Punkt (1:1) abgetrotzt. Die nächste rotzfreche Vorstellung wird anvisiert. "Nach wie vor fahren wir als Außenseiter dorthin, das ist uns auch bewusst", sagte Michael Liendl. "Aber Roma war ein Brocken, Mönchengladbach war ein Brocken, die werden jetzt auch ein Brocken. Somit können wir ganz gut damit leben und schauen, was am Ende rauskommt", erklärte der WAC-Regisseur.

Struber bezeichnete die jüngste, überhart geführte Liga-Partie gegen Rapid am Dienstag erneut als "in vielerlei Hinsicht komplett aus dem Rahmen". Der Club hat seine Sicht der Dinge an die Bundesliga kommuniziert, damit ist das Thema für Struber auch erledigt. "Unser Glück war, dass alle heil runter gegangen sind." Anders als im Training tags darauf, in dem der Außenmeniskus von Defensiv-Ersatzmann Dominik Baumgartner riss. Ansonsten sind alle fit, um dem von Präsident Recep Tayyip Erdogan protegierten Club am Donnerstag die "Lust am Spiel" zu nehmen.

Der Kader des Gegners sei "gespickt mit Old-Stars, die ihren Karriere-Höhepunkt wahrscheinlich schon hinter sich, aber unglaublich viel Erfahrung haben", sagte Struber. Robinho, Arda Turan, Martin Skrtel, Gael Clichy und Gökhan Inler heißt die Prominenz, Leistungsträger sind Edin Visca, Enzo Crivelli (5 Saisontore) oder der zuletzt wegen einer Schulterverletzung fehlende serbische Spielmacher Danijel Aleksic. Sie hätten laut Struber klare Präferenzen: "Wenn es geht, wollen sie es technisch regeln."

Die Kärntner setzen auf Schnelligkeit und Dynamik. Möglichen Tempovorteilen widersprach der Coach nicht, aus ihm spricht Selbstvertrauen. "Ich bin nicht ganz überzeugt, dass Basaksehir dieses schnelle kognitive Handeln auf diesem Niveau so bewerkstelligen kann, wie wir es im Moment draufhaben." Man wolle den Gegner früh stören, Hochbetrieb wird angestrebt. "Sodass dort hoffentlich im Sicherungskasten die Schalter klicken."

Die politische Lage im Land und der im Westen scharf kritisierte Militäreinsatz der Türkei gegen Kurdenmilizen in Nordsyrien sei mannschaftsintern Thema, dürfe es während des Spiels aber nicht sein. Struber hat zum Konflikt und türkischen Salut-Jubelposen eine Meinung. "Ich will sie aber nicht an die große Glocke hängen. Weil ich das Gefühl habe, dass wir hier ein Stück ohnmächtig sind." Sport soll Sport und Politik soll Politik bleiben, lautet das Motto.

Die Kulisse wird, anders als bei den Istanbuler Platzhirschen Galatasaray, Besiktas und Fenerbahce, keine außergewöhnliche Herausforderung werden. Gegen den WAC werden trotz geringer Kartenpreise (unter fünf Euro) kaum mehr als 4.000 Zuschauer erwartet. Lukas Schmitz freute sich dennoch darauf. "Wir haben zwölf Monate letztes Jahr dafür gearbeitet, und das ist jetzt die Belohnung. So gehen wir es an, total motiviert." Der Europacup hätte besonderes Flair. "Wir wittern eine große Chance, dass wir da richtig was reißen können für uns, aber auch für Österreich."